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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Petersen, J.: Hydrographie und Meteorologie Finnlands und der benachbarten Meere usw. 133 
Strom. Diese Zahlen zeigen deutlich, daß der Wind einen größeren Einfluß auf 
die Bewegung des Oberflächenwassers hat als die Dichteunterschiede, denn der 
austretende Strom an der West- bzw. Nordseite dieser Meere ist im Herbst trotz 
schwächerer Süßwasserzufuhr stärker als im Juni. Das ist eine Kompensations- 
wirkung des vom Winde hervorgerufenen eintretenden Stroms, Einen Einblick 
in das gegenseitige Verhältnis dieser beiden Ursachen geben die Strömungen im 
Juni. Im Finnischen Golf, im Älands-Meer und an der finnischen Seite der 
Bottensee ist dann der resultierende Strom gegen den Wind gerichtet. Man 
muß sich also vorstellen, daß in den anderen Jahreszeiten dieser durch die 
Dichteverteilung verursachte austretende Strom in einer Hälfte des untersuchten 
Gebiets von dem vom Wind hervorgerufenen Strom unterdrückt wird, in der 
anderen Hälfte sich jedoch mit erhöhter Stärke bemerkbar macht, Diese Er- 
wägungen werden auch für die Ostsee selbst Gültigkeit behalten und bilden eine 
entscheidende Erfahrung in der Frage nach der Wirksamkeit der verschiedenen 
Stromkonstituenten. In den oberen Schichten dürften allgemein die Winde 
stärkeren. Einfluß auf die Zirkulation haben als die Dichtedifferenzen; in diesen 
Schichten werden die Kompensationsbewegungen dann auftreten, wenn sie vom 
Wind begünstigt werden oder geringen Widerstand erfahren. Die Dichteverteilung 
ist hier in dem Sinne wirksam, daß sie die Stromgeschwindigkeit in entsprechenden 
Strömen erhöht. In tieferen Schichten gewinnt die Dichteverteilung mehr und 
mehr entscheidenden Einfluß, und es bildet sich zwischen oberen und unteren 
Schichten ein zweites Zirkulationssystem,. in welchem außerdem die Form des 
Meeresbodens und die Erdrotation eine Rolle spielen, 
Im Winter sind die Strömungsverhältnisse nicht untersucht, doch läßt sich 
auf Grund theoretischer Erwägungen eine Verbindung zwischen Oktober und 
Juni herstellen. Allein durch den Wind würde die im Oktober dargestellte 
Zirkulation noch ausgeprägter werden; dagegen reicht die Oberflächenschicht 
in größere Tiefen, die zu bewegende Wassermasse ist also bedeutend größer. 
Das größte Hindernis bildet aber eine winterliche Eisdecke, die die Oberflächen- 
schicht von der treibenden Kraft des Windes abschließt. Unter dieser Eisschicht 
entwickelt sich das durch die Dichteverteilung verursachte Stromsystem. Gegen 
Ende des Winters wird man also dieselben Stromverhältnisse antreffen wie im 
Frühjahr, und der Zustand im Juni zeigt wohl die Auflösung dieser Ver- 
hältnisse an, 
Die Geschwindigkeit des vom Winde hervorgerufenen Stromes!) wächst 
mit‘ stärkerem Winde, und zwar annähernd mit. der Quadratwurzel aus der 
Windgeschwindigkeit. Die durch die Erdrotation bewirkte Ablenkung von der 
Windrichtung beträgt bei schwachen Winden 30°, bei starken Winden kann sie 
bis 10° abnehmen. Ein Windgeschwindigkeitsunterschied macht sich ferner be- 
merkbar, wenn der Wind parallel oder quer zur Küste weht. Im ersteren Fall 
ist die Stromgeschwindigkeit doppelt so groß wie im letzteren. 
Über die Süßwasserzufuhr mögen noch einige Daten erwähnt werden, 
Das Niederschlagsgebiet des Bottnischen Meerbusens umfaßt 479900 qkm, das 
des Finnischen Golfs 391 000 qkm. Für die Süßwasserzufuhr gelten folgende 
Zahlen: 
Meer 
Wasserzufuhr in qkm 
durch die Flüsse! auf der Oberfläche | Total 
Bottenwiek , . . . 
Bottensee . . . . . .] 
Finnischer Golf. . .. | 
108 
82 
122 
13 
Q 
115 
35 
120 
Totale Zufuhr in % 
des Volumens 
7.55% 
2.1 % 
| 12.1 % 
Diese Zahlen zeigen eine ztarke Zirkulation des Wassers an, denn eine 
gleich große Menge Wasser muß aus den Meeren austreten. Die hier an- 
schließenden Berechnungen und Erwägungen sind jedoch so sehr theoretischer 
1) Siehe auch Rolf Witting: »Zur Kenntnis des vom Winde erzeugten Oberflächenstromes.« 
‚Ann. d. Hydr. usw.« 1909. 8. 193.
	        
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