Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1912.
Da die Exnersche Regel für die Wettervorhersage von Wert sein möchte,
prüfte ich die Regel an der Hand der am Aeronautischen Observatorium in
Lindenberg in den Monaten Mai bis September 1910 meist gegen 8*/„h morgens an-
yestellten Aufstiege, die auf der Seewarte handschriftlich vorliegen und in ihren
täglichen Wetterberichten veröffentlicht sind. Entsprechend der oben zuerst
angegebenen Form der Regel wurden die Fälle ausgezogen, an denen der Wind
von 500 m aufwärts rechts oder links drehte, und wurde so im allgemeinen ge-
wiß auch der ursprünglichen Formulierung genügt, da die Winde in 500 m Höhe
den am Erdboden herrschenden Isobaren ziemlich parallel verlaufen werden,
Mit diesen Winddrehungen nach der IIöhe wurden in Verbindung gebracht die
in den letzten und in den folgenden 24 Stunden in Lindenberg beobachteten
Änderungen des Barometers sowie der unten und von 500 m aufwärts verzeich-
neten Temperaturen. Da nur die Fälle berücksichtigt wurden, wo die aufwärts
stattfindende Drehung des Windes keine Unstetigkeit durch vorübergehende
Drehung nach entgegengesetzter Richtung erfuhr und die Höhe der Aufstiege
genügte, um ein Urteil über die Anderung der Temperatur von einem Tag zum
folgenden zu entnehmen, da insbesondere aus dem letzten Grunde auch viele
Aufstiege nicht benutzt werden konnten, weil sie erheblich zeitiger oder später
als die übrigen angestellt waren, so ist die Zahl der verwerteten (117) Fälle
verhältnismäßig klein; benutzt wurden außerdem die Änderungen des Barometers
in Berlin und der im Mittel von Berlin, Grünberg und Dresden berechneten
Temperatur von 8% morgens, Das Ergebnis stellt die folgende Tabelle I dar,
Tabelle I.
Drehung der Winde von 500 m aufwärts morgens $!/,b über Lindenberg und Änderung des Luft-
Urucks (6) sowie der Temperatur (t) unter und über 500 m in 24 Stunden, (Prozent der Fälle.)
A. Änderungen in den vorangehenden 24 Stunden.
Drehung von
500 m
aufwärts
46
Lindenberg)
At
(unten, Ldb.)
4t
(von 500 m aufwärts))
"übrige
— O0 Ande-
rungep
4u
{Berlin}
A
(Berlin. Grünberg, Dresden)
43-012
L — 0.2
XL — 4 (015
+ 0,5
rechts, ....]43157 0 ]6432 4 [5031 9 7 |3358 13 | 34 3
üinks .....]J6824 8 14052 58 126 59 15 0 [7518 8 21 65
B. Änderungen in den folgenden 24 Stunden,
rechts. ... ES 45 7 Is 43 2. 14053 2 0 42 44 14 36 55
links .....|5050 0 15046 4 16235 4 0 [54 39 7 64 32
+)
141
Y
1
die die Art der Änderungen von Luftdruck und Temperatur in den voran-
gehenden und an zweiter Stelle in den folgenden 24 Stunden in Prozentwerten
ler benutzten Fälle enthält. Wir entnehmen der Tabelle, daß, wenn der Wind
am Morgen gegen 8!/,a über Lindenberg von 500 m aufwärts rechts dreht, dann
in den vorangehenden 24 Stunden in der Mehrzahl der Fälle das Barometer ge-
fallen und die Temperatur sowohl unten wie von 500 m aufwärts gestiegen ist,
and daß entsprechend bei einem Linksdrehen am Morgen meist der Luftdruck
anten zugenommen und die Temperaturen am Erdboden wie in der Höhe ge-
sunken sind; diese Beziehungen treten für die Barometerbeobachtungen von
Berlin und die Temperaturmittel der drei angegebenen Orte, vielleicht infolge
der größeren Zahl der Fälle deutlicher hervor und zeigen sich für den Luftdruck
etwas stärker als für die Temperatur, sowie für die negativen Drehungen etwas
stärker als für die positiven (Rechtsdrehen) ausgeprägt. Ganz auffallend ist
aber das Ergebnis für die den am Morgen beobachteten Drehungen nachfolgenden
Änderungen, indem sich das von Exner geforderte Gesetz nur bei dem Baro-
meter in Berlin schwach angedeutet findet, während für die in Berlin, Gr. und Dr.
beobachteten Temperaturen, wie auch ganz besonders für die Temperaturen von
500 m aufwärts übereinstimmend das entgegengesetzte Verhalten hervortritt.
Wenn die Winde am Morgen über 500 m links drehten, ist somit die Temperatur