130 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912,
größere Anzahl von Küstenpunkten sind astronomisch bestimmt worden; einzelne
Buchten wurden von Dr. Barkow photogrammetrisch aufgenommen, der auch
zahlreiche Photographien von den besuchten Buchten und den Bergformen der
Küste — namentlich auch von der noch wenig bekannten Südküste — aufnahm,
In Huisvik und Grytviken wurden Vermessungen von Dr. Filchner und den
Schiffsoffizieren ausgeführt.
Durch Lotungen in verschiedenen Buchten wurde festgestellt, daß viele
derselben ihre Entstehung der ausräumenden Tätigkeit des Eises verdanken, das
in früheren Zeiten bedeutend mächtiger gewesen ist wie heute. Wie das bei-
gefügte Kärtchen der Royal-Bai zeigt, sind die Buchten am Außenrande häufig
durch unterseeische Schwellen abgegrenzt, in ähnlicher Weise wie die typischen
Fjorde Norwegens. Lotungen von der Küste nach See zu ergaben, daß der Insel
sowohl an der Nord- wie auch Südseite ein Rücken vorgelagert ist, welcher,
worauf Dr. Barkow aufmerksam machte, der Endmoräne einer größeren Ver-
eisung der Insel entsprechen kann.
Geologisch ist hervorzuheben, daß der bislang einzig von Gunnar
Andersson gemachte Fund einer als jung paläozoisch oder alt masozoisch
anzusehenden Muschel aus einer Moräne der Cumberland-Bai ergänzt wurde
durch ein in anstehendem Schiefer von Dr. König gefundenes Bruchstück eines
Ammoniten, der es ermöglicht, das Alter der Schicht genauer festzulegen.
— Während der größte Teil der Insel in großer Einförmigkeit aus Schiefer und
Tuffen aufgebaut zu sein scheint, wurden an der Südostspitze der Insel in den
Fjorden ältere Ergußgesteine sowie in den Moränen die Blöcke von dazu-
gehörigen Tiefengesteinen entdeckt.
Während des fast vierwöchentlichen Aufenthaltes in der Royal-Bai wurden
von Dr. Prezybyllok regelmäßige meteorologische Beobachtungen gemacht,
ebenso von Dr. Barkow auf den »Undine«-Fahrten, auch befindet sich eine
meteorologische Station der Regierung in Grytviken, Schließlich sei noch er-
wähnt, daß wir in den einzelnen Buchten, wo Landungen ausgeführt wurden, See-
elefanten oder Seeleoparden fast regelmäßig antrafen, zeitweilig konnten 100 bis
200 Robben in einer Bucht gezählt werden.
Bemerkungen zu der Karte von Süd-Georgien nach Mitteilungen von Joh. Müller.
Folgende Punkte der Karte sind astronomisch bestimmt:
Royal-Bai (Station). . 54° 31’ S-Br., 36° 0 W-Le.
Grytviken A 549 16. 36° 26.8
Huisvik A 4° 10.7 36° 47
Fortuna-Bai (S-Ecke Einfahrt) . 54° Är
Zlses-Bai (Mitte Ausgang) . 54° €
Cap Paradin , . 0000.00. 4. —
Wilson-Hafen (Steinmann an Land) 54°
Cap Demidon. . . . .- 54°
König Haakon-Hafen . . —
Annenkow-Insel . . 54° 29
Pickersgill-Ensel . .
Cap Disappointment
Alle anderen Punkte wurden durch Kompaßpeilungen und nach der Logge
bestimmt. Die Deviation und der Gesamtfehler des Peilkompasses wurden fort-
während kontrolliert. Da das Schiff leicht stark rollte, so können einige Pei-
lungen noch Ungenauigkeiten aufweisen, die aber zum Teil ausgeglichen sein
dürften, da alle Punkte möglichst oft und von beiden Seiten aus angepeilt
worden sind,
Solange die Küste nicht genau ausgelotet ist, muß man diese als unrein
ansehen, da viele Untiefen hier vorhanden sind. Ebenso wie in der Südsee die
Änderung der Farbe des Meeres die Untiefen erkennen läßt, so zeigt in diesen
Breiten das Kelp (Tange) die Erhebungen an. Hat man Kelp und keine Brandung,
so kann man unter fortgesetztem Loten mit langsamer Fahrt häufig den Kelp-
Patch überfahren, da stellenweise trotz des Kelps noch 20 bis 30 m Wasser vor-
handen sind: am besten ist es, solche Stellen zu meiden. Für die Ausmachung