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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1912,
Ozeanographische Arbeiten der Deutschen Antarktischen Expedition.
{Buenos Aires — Süd -Georgien — Süd-Sandwich -Inseln.)
IV. Bericht von Dr. W. Brennecke,
(Hierzu Tafeln 7 und 8.)
A. Reiseverlauf. Am 4, Oktober 1911 verließ die »Deutschland« den Hafen
von Buenos Aires, erledigte am nächsten Tage auf der Reede von Montevideo
die Post und ging am 6, Oktober in See, Es war geplant, zunächst die uner-
forschte Bank im Südatlantischen Ozean, auf die seinerzeit Kapitän Dinklage
die Aufmerksamkeit gelenkt hatte, nachzuloten und sodann, falls Wind und Wetter
sowie die verfügbare Zeit es gestatteten, die Süd-Sandwich-Inseln anzulaufen
und von dort nach Süd-Georgien zu gehen. Das Programm erlitt eine Störung
durch die am 16. des Monats erfolgte Erkrankung von Dr. Kohl an Blinddarm-
entzündung, die am 17, zu einer glücklich verlaufenen Operation des Erkrankten
führte und uns nötigte, unter Vermeidung jedweden Zeitverlustes direkten Kurs
nach Süd-Georgien zu nehmen. Dieses wurde bei meist frischen, vorwiegend
westlichen Winden am 21. Oktober erreicht; das Schiff ging in Grytviken in der
Cumberland-Bucht zu Anker,
Durch das Entgegenkommen von Kapitän Larsen, welcher die Walfang-
station in Grytviken leitet, war es mir und einigen anderen Herren möglich, in
der Zeit vom 24, bis 30. Oktober eine Reise längs der Nordostküste Süd-Georgiens
mit dem Dampfer »Undine« auszuführen, bei welcher Gelegenheit geologische
und ozeanographische Untersuchungen gemacht wurden,
Am 1. November verließ die »Deutschland« den Hafen von Grytviken mit
Kurs auf die Sandwich-Inseln, da die von uns noch in Süd-Georgien erwarteten
Güter usw. erst um die Mitte des Monats erwartet wurden. Die Fahrt war einer-
seits zu ozeanographischen Untersuchungen bestimmt, andererseits sollten, wenn
möglich, Landungsversuche auf einzelnen Inseln ausgeführt werden. Diese Fahrt
ist sehr wenig vom Wetter begünstigt worden; stürmische Winde haben uns
mehrfach gezwungen beizudrehen und hohe See vereitelte die Landungsversuche;
immerhin konnte eine Reihe von ozeanographischen Arbeiten ausgeführt werden.
Am 9. wurde von der nördlichsten Insel, Zawodovsky, wieder Kurs auf Süd-
Georgien genommen und am 14, November Huisvik-Hafen in der Strömnes-Bucht
arreicht. Nachdem das Schiff die bei der norwegischen Walfangstation lagernden
Kohlen übernommen hatte, gingen wir am 19. des Monats nach Grytviken, um
hier Ponys, das Stationshaus u. a. m. zu übernehmen. Die Hunde hatten wir
vor Antritt der Fahrt nach den Sandwich-Inseln in Grytviken an Land gegeben,
wo sie sich von der Seefahrt trefflich erholt haben.
Vom 22, bis 29, November nahm ich wieder an einer Fahrt der »Undine«
teil, die wie die erste Fahrt zu Studien an den Küsten Süd-Georgiens diente.
Zu unserem Leidwesen erfuhren wir bei der Rückkehr, daß einer unserer Kameraden,
der III, Offizier Slosarczyk, auf einer Bootfahrt am 26. XI. tödlich verunglückt
war. Slosarczyk war uns allen ein lieber Gefährte; bei der Ausführung der
ozeanographischen Untersuchungen hat er mit nie ermüdendem Eifer die Arbeiten
an der Heißtrommel geleitet, — Da mit dem Dampfer »Harpune« ein Offizier
der Hamburg-Südamerika Linie, Klinck, als Mitglied der Expedition nach Süd-
Georgien gekommen ist, so ist dieser in den. nautischen Stab eingetreten. Dr. Kohl
geht zur völligen Wiederherstellung von hier aus nach Deutschland zurück.
Zur Zeit werden die letzten Arbeiten an der Ausrüstung des Schiffes fertig-
gestellt; am 10. Dezember gedenken wir Grytviken zu verlassen, um südlich von
Süd-Georgien ins Eis zu gehen.
B. Die Ergebnisse der Tiefseelotungen. Von den fünf auf der Fahrt nach
Süd-Georgien ausgeführten Lotungen gehören vier Lotungen mit Tiefen von
mehr als 5000 m dem Argentinischen Becken an und bestätigen die große, gleich-
förmige Einsenkung dieses Gebietes. Die Temperaturen und Salzgehaltswerte
des Bodenwassers stimmen gut zu den schon auf der Fahrt nach Buenos Aires