Grossmann: Wie steht es um unsere Wettervorhersage?
Methode bei rein dynamischen Vorgängen ziemlich regelmäßig zu Fehlern führte.
Abgesehen von den der Methode noch anhaftenden Unvollkommenheiten würde sie
für den Wetterdienst im allgemeinen nicht verwendbar sein, da die Zeit zwischen
dem Eingang der Wetternachrichten und der Aufstellung der Wettervorhersage
zu kurz bemessen ist, um langwierige Rechnungen auszuführen. a
Die Ergebnisse von Wagner (s. S. 9) über die Temperaturverhältnisse
der freien Atmosphäre veranlaßten Exner!) seine Untersuchung wieder aufzu-
nehmen und den Einfluß der Temperatur der einzelnen Schichten auf die Druck-
änderung an der Erdoberfläche in Rechnung zu stellen; die übrigen Näherungs-
annahmen blieben bestehen, besonders blieben vertikale Bewegungen unberück-
sichtigt, Hierbei gelangte Exner unter anderem zu einer, nach seinem Dafür-
halten für die Wettervorhersage wertvollen Regel, der er später die folgende
Fassung gegeben hat: .
»Dreht der Wind mit zunehmender Höhe, in der Bewegungs-
richtung gesehen, nach rechts von der Isobarenrichtung vom Boden,
so fällt der Druck (die Temperatur steigt), dreht er nach links, so
steigt derselbe (die Temperatur sinkt).« Für diesen analytisch auf-
gefundenen Satz gibt Exner die folgende Erklärung: »Der Druck am Boden
steigt (fällt), wenn kältere (wärmere) Luft durch horizontale Bewegung an Stelle
von wärmerer (kälterer) Luft tritt. Dies ist der Fall, wenn die gemäß den Iso-
baren herrschende Strömung aus kälteren (wärmeren) in wärmere (kältere) Ge-
biete gerichtet ist. Es ströme nun, von der unmittelbaren Nähe des Bodens ab-
gesehen, die Luft längs der Isobaren. Die Temperatur nehme in der Strömungs-
richtung zu (ab); dann muß der Druck in einer höheren Schicht, oberhalb der
Isobare an der Erdoberfläche, in der Strömungsrichtung höher (niedriger) sein
als in der entgegengesetzten, aus der der Wind herweht. Die Isobare in der
Höhe hat sich also gegenüber der Isobare am Boden nach links (rechts) gedreht.
Folglich bedeutet eine solche Links- (Rechts-) Drehung eine Zufuhr kälterer
(wärmerer) Luft und somit ein Steigen (Fallen) des Luftdrucks.« , ... »Je stärker
die Drehung der Isobaren mit der Höhe, desto größer sind die Temperaturunter-
schiede in der Horizontalen, .desto größer ist also auch die zeitliche Druck-
änderung. Anderseits muß dieselbe auch um so größer sein, je größer die Wind-
geschwindigkeit ist.«
Exner prüfte seine Regel an der Hand mehrjähriger Barometerablesungen
in Salzburg und der gleichzeitig am Morgen auf dem Säntis, der Zugspitze und
dem Sonnblick beobachteten Windrichtungen in ihrem Verhalten zu den auf den
Wetterkarten vorgefundenen Hochdruck- und Tiefdruckgebieten. An Stelle des
nachträglich in seine Regel eingeführten Rechtsdrehens und Linksdrehens der
Winde mit wachsender Höhe galt ihm dabei die Unterscheidung, ob der Wind
in der Höhe vom hohen zum tiefen oder ‚vom tiefen zum hohen Druck hinströme,
es wurden nur diejenigen Fälle berücksichtigt, wo die Luftdruckverteilung :ge-
nügend klar war, um jenes Kriterium zu gestatten, und eine hinreichende Über-
einstimmung in dem Verhalten der Winde auf den drei Gipfelstationen bestand.
Indem außerdem nur Barometeränderungen von wenigstens 5 mm innerhalb
24 Stunden Berücksichtigung fanden, erhielt Exner das Ergebnis, daß auf jenes
Verhalten der Winde in der Höhe in den folgenden 24 Stunden die der Regel
entsprechenden Änderungen des Barometers in Salzburg in 78 °/, von 170 Fällen
nachfolgten. ,
Auf Grund dieses Satzes, der Temperaturbeobachtungen in der Höhe der
Atmosphäre für die Wettervorhersage überflüssig erscheinen lassen kann, forderte
Exner”) für die Wettervorhersage Pilot- und Wolkenbeobachtungen um 7% oder
8h morgens; wenn an. 20 gut verteilten Stationen Europas solche täglich gemacht
und den meteorologischen Zentralstellen mitgeteilt würden, sollte es nach Exner
kaum zweifelhaft sein, daß dadurch eine wesentliche Verbesserung der Prognose
erzielt werden könnte.
. 1) F. M. Exner: Grundzüge einer Theorie der synoptischen Luftdruckveränderungen. Wien.
Sitz, Ber, 119, II 1910.
2 Exner: Pilotaufstiege für die Wetterprognose, Met. Ztischr.. Ba. 27. 1910.
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