Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1912.
der Erdoberfläche fällt, wenn die Temperatur in der Höhe steigt und umgekehrt,
was in physikalischer Hinsicht sehr einfach und natürlich ist, Hiermit soll
nicht geleugnet werden, daß auch die Bewegung der Luftmassen und deren
Feuchtigkeitsgehalt den Luftdruck an der Erdoberfläche beeinflußt, aber es
scheint doch aus den Beobachtungen hervorzugehen, daß die runden oder läng-
lichen und sich schnell fortbewegenden Steig- und Fallgebiete des Luftdrucks,
welche die gewöhnlichen Schwankungen sind, fast ausschließlich von den Tem-
peraturänderungen der oberen Luftschichten veranlaßt werden«. Abgesehen von
der Frage, ob den Steig- und Fallgebieten die von Ekholm behauptete Selb-
ständigkeit gegenüber den Hockdruck- und Tiefdruckgebieten zukommt, sind
seine Untersuchungen für die Wettervorhersage besonders dadurch wichtig ge-
worden, daß sie die Aufmerksamkeit auf jene Gebiete gelenkt haben, die in vielen
Fällen die Umwandlung der Luftdruckverteilung klarer hervortreten lassen. Die
Fälle dürften selten sein, wo sich nicht ebenso zwanglos aus der Ortsveränderung
der Hochdruck- und Tiefdruckgebiete mit ihren Randbildungen die Steig- und
Fallgebiete mit ihrer Ortsveränderung als Folgeerscheinungen auffassen lassen.
Einer bestimmten unzweideutigen Zustimmung zu der Vorstellung von Ekholm
begegnet man wohl selten.
N Exner‘) hat den Versuch gemacht, den mathematischen Ausdruck für die
Änderungen des Luftdrucks an einem Orte der Erdoberfläche unter dem Ein-
flusse horizontaler Luftströmungen aufzustellen, und die Rechnung unter den
vereinfachenden Annahmen durchgeführt, daß sich die bis zu einer bestimmten
Höhe, wo der Luftdruck keine zeitlichen Änderungen erfahre, reichende Luftsäule
über der als Ebene aufgefaßten Erdoberfläche in allen Schichten gleichmäßig und
gleichgerichtet adiabatisch, d.h. ohne Zufuhr oder Entzug von Wärme fortbewege;
hierbei blieben insbesondere horizontale Beschleunigungen, vertikale Bewegungen
und Reibungskräfte unberücksichtigt. Die unter diesen vereinfachenden Annahmen
hergeleitete mathematische Beziehung zwischen den Druckänderungen an einem
Orte der Erdoberfläche und den horizontalen Druck- und Temperaturgradienten
wurde in der Weise geprüft, daß auf Grundlage der Registrierungen von Luftdruck
und Temperatur von einer größeren Reihe meteorologischer Stationen Canadas
und der Vereinigten Staaten von Nordamerika Karten der Änderungen des Luft-
druckes von 4 zu 4 Stunden entworfen und mit den mittels der mathematischen
Formeln für je nachfolgende 4 Stunden voraus berechneten Karten verglichen
wurden; um der adiabatischen Bewegung Rechnung zu tragen, waren dabei alle
Luftdruck- und Temperaturwerte durch Anbringung von Korrektionen von dem
Einfluß der täglichen Periode befreit worden. Der Vergleich der beiderlei Karten
gab zu erkennen, daß die Durchführung der Rechnung unter jenen vereinfachenden
Annahmen bereits zu einer beachtenswerten Übereinstimmung bei Zeiträumen bis
zu vier Stunden zu führen vermöge, hier also die Lösung des Problems der
Vorausberechnung von Wetterkarten in einer ersten Annäherung vorlag.
Exner führte die Aufgabe der Vorausberechnung einer Druckverteilung
ihrer Lösung noch einen Schritt näher, indem er in einer zweiten Arbeit”) die
Annahme von adiabatischer Bewegung der Luft fallen ließ, im übrigen aber die
angegebenen Näherungsmaßnahmen beibehielt. Über eine weitere Vervollkommnung
seiner Rechnungsmethode hat Exner in der Met. Zeitschrift”) berichtet, die durch
Integration der vorher benutzten Differentialgleichung herbeigeführt wurde, so
daß die an der meteorologischen Zentralanstalt in Wien während mehrerer
Wochen täglich für 24 Stunden vorausberechneten Wetterkarten nach Exner
im allgemeinen keine schlechte Übereinstimmung mit den Tatsachen ergaben;
die Fälle besonderer Mißerfolge glaubt Exner insbesondere auf die Vernach-
jässigung der Zentrifugalkraft in seinen Differentialgleichungen zurückführen zu
müssen, wonach seine auf thermische Vorgänge das Hauptgewicht legende
1) FF. M. Exner: Grundzüge einer Theorie der synoptischen Luftdruckveränderungen. I. Mitteil.
Wiener Sitz, Ber. 115. II 1906, II Mitteil, ib, 116, II. 1907.
2) F.M. Exner: Über cine erste Annäherung zur Vorausbestimmung srnoptischer Wetterkarten,
Met. Ztschr. Bd. 25. 1908.