110 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1912,
In der Dixon-Durehfahrt sind die Ströme erheblich stärker; der Flutstrom setzt
in östlicher Richtung hindurch und biegt dann mit seinem Hauptarm in der
Hecate-Straße südöstlich, bis er, allmählich an Stärke abnehmend, mit dem vom
Süden kommenden Flutstrom zusammentrifft; der Ebbstrom setzt in entgegen-
gesetzter Richtung. Durch die Durchfahrten zwischen den der Küste unmittelbar
vorgelagerten Inseln setzen beide Ströme, je nach Art der Durchfahrt, mit
mehr oder weniger vergrößerter Geschwindigkeit recht hindurch.
Die Stadt liegt am südlichen Ufer der Föhrde. Sie ist der Ausgangspunkt
der transkontinentalen Grand Trunk-Eisenbahn am Stillen Ozean und im raschen
Aufblühen begriffen. Ihre Einwohnerzahl wurde gegen Ende des Jahres 1910
auf etwa 5000 geschätzt, gegen etwa 600 im vorhergehenden Jahre. Die Eisen-
bahn-Gesellschaft hat eine Landungsanlage von etwa 450 m Länge im Betrieb
nebst einer ausgedehnten Fläche mit Schuppen und Speichern für Güter. Die
Wassertiefe neben der Anlage beträgt 9.5 bis 10.5 m bei niedrigstem Niedrig-
wasser, ist mithin genügend für die größten Schiffe. Erweiterungen der Anlagen
sind in Angriff genommen” und zum Teil bereits fertig.
Der Hafen wie auch seine Zugänge sind immer eisfrei, Es gibt eine
Hafenordnung und auch Quarantänavorschriften, jedoch sind keine Hafen-
unkosten zu zahlen. Dock- und Reparaturanstalten sind nicht vorhanden,
ebensowenig Leichterfahrzeuge. Es besteht regelmäßige Dampferverbindung
mit Seattle, Victoria, Vancouver und dem südöstlichen Teil von Alaska. Die
Stadt hat direkte Telegraphenverbindung über Land, und auf der dem
Hafen vorgelagerten Digby-Insel befindet sich eine auf das beste eingerichtete
Funkspruchstation.
Ausrüstung und Proviant aller Art ist vorhanden, aber durchschnittlich um
10 °% teurer als in den Häfen am Puget-Sund. Kohlen sind in guter Qualität
zum Preise von etwa 9% per t vorrätig. Gutes Trinkwasser erhält man aus
der Wasserleitung. Arbeitslohn für weiße Arbeiter beträgt von 2 bis 4 $ per
Tag. Die gesundheitlichen Verhältnisse sind sehr gut; ein Hospital ist
bereits vorhanden.
2. Wasserstand auf der Taganrog-Reede und in der Kertsch-Straße.
Bericht des Kapt. G. Koopmann, D. »Trapezunt«, vom November 1911, Brit,
Adm-Krt. Nr. 2234, Sea of Azov. Beitrag zum Shb. für das Schwarze Meer
S. 255 und 309.
Taganrog liegt im östlichen Teil des Golfes von Taganrog auf 47° 12’ N-Br.
und 38° 57 O-Lg. Die Kertsch-Straße verbindet das Schwarze mit dem Asow-
schen Meer.
Kapt. G. Koopmann berichtet: »Nach Angabe des Kapt. Thomsen, der
bereits seit 41 Jahren als Lotse im Asowschen Meere tätig ist, verursachen nord-
östliche Winde im Asowschen Meer ein Fallen, in der Straße von Kertsch ein
Steigen des Wassers; bei südwestlichen Winden ist das Umgekehrte der Fall. Der
Unterschied im Wasserstand kann beim Taganrog-Hafen bis zu 3.7 m (12’) be-
tragen, Dreht hier der Wind, nachdem er längere Zeit aus nordöstlicher
Richtung geweht hat, nach Südwest, so kehrt das Wasser mit großer Ge-
schwindigkeit zurück. Im November 1909 war das Wasser infolge starken
Nordostwindes so sehr gefallen, daß 19 Dampfer auf Grund saßen. Als der
Wind dann nach Südwest gedreht war, stieg das Wasser in 4 Stunden um
27m (9’).«
3. Fortführung des Versuches mit vollkommeneren Nachtsturmsignalen
an der deutschen Küste während des Jahres 1912. (Amtlich.) Da der vor-
jährige erneute Versueh mit vollkommeneren Nachtsturmsignalen, über den an
dieser Stelle im vorigen Jahrgang S. 169 berichtet worden ist, noch nicht als
entscheidend angesehen werden kann, sollen die Versuche in unveränderter Weise
zunächst noch bis Ende des Jahres 1912 fortgeführt werden, Es werden daher
auch in diesem Jahre auf den Sturmwarnungsstellen in Borkum, Schillighörn,
Bremerhaven, Cuxhaven, Hamburg, Friedrichsort, Darsserort, Greifswalder Oie,