Eylert, Th.: Die Oberflächentemperaturen im südl. Atlantischen u. im südöstl, Stillen Ozean usw. 95
Jahres 1903 durchaus kälter war als die erste Hälfte des vorhergehenden
Jahres. Der Unterschied in den Lufttemperaturen betrug freilich im Durch-
schnitt nur gut 2°. Der unnormal kalte Winter 1902 kommt jedoch in Figur 7
dadurch klar zum Ausdruck, daß die Wintermonate Juli und August 1903 um
7° wärmer erscheinen, als im Vorjahre. Der September 1903, der für unsere
Untersuchung sonst nicht mehr in Frage kommt, scheint nach den Luft-
temperaturen bei Snow-Hill wieder ziemlich kalt gewesen zu sein, während
Oktober 1903 wieder wesentlich wärmer war als Oktober 1902,
Der ähnliche Gang der beiden Differenzkurven der Wassertemperaturen
in 57° und 59° Br. ist in Figur 7 nach den Ergebnissen des vorigen Abschnittes
selbstverständlich, und er würde wahrscheinlich noch besser zum Vorschein
kommen, wenn für die südlichste Untersuchungsstelle reichlicheres Beobachtungs-
material vorgelegen hätte. Aus den beiden Kurven sind wiederum unsere
Ergebnisse deutlich abzulesen: Der erste Südfrühling unseres Zeitraumes, der
noch in das Jahr 1901 fällt, war wesentlich wärmer als der von uns als be-
sonders kalt erkannte Frühling 1902. Der Sommer 1902 war etwas kälter als
der Sommer des folgenden Jahres. Während nun im Jahre 1902 die Temperatur
gleichmäßig sinkt, setzt im Herbst des Jahres 1903 der Kälterückschlag ein,
so daß der Herbst 1903 wesentlich kälter erscheint als der Herbst 1902. Aber
im Winter 1903 nähern sich, wie wir erkannt haben, die Meerestemperaturen
wieder ihrem normalen Wert, und deshalb erscheint in unserer Figur wiederum
der Winter 1902 als der kältere.
Im Zusammenhang mit diesen Erscheinungen finden unsere Ergebnisse
eine gute Erklärung in den von Mecking für unseren Zeitraum festgestellten
Luftdruckverhältnissen unseres Untersuchungsgebietes., ;
Zu beiden Seiten des Landvorsprungs der Westantarktis, östlich also im
Weddell-Meer, westlich im Belgica-Meer, pflegt der Tiefdruck lokalisierte Minima
auszubilden, die in unserem Zeitraum sehr mannigfaltig um die Vorherrschaft
gestritten haben. Zwischen den beiden Minima befindet sich mit großer Konstanz
ein Hochdruckkeil, der vom antarktischen Hochdruck zum gegenüberliegenden
höheren Druck Südamerikas hinüberstrebt.!)
Es stellt sich nun mit überraschender Schärfe heraus, daß in
unserem Untersuchungsgebiet positive Anomalien der Wasser-
temperaturen auftreten, wenn das Minimum im Belgica-Meer stark
ausgebildet ist, negative Anomalien dagegen zeitlich zusammenfallen
mit der Vorherrschaft des Weddell-Meer-Minimums.
Von Oktober 1901 bis einschließlich Februar 1902 hat nach den Fest-
stellungen Meckings das Minimum des Belgica-Meeres vorgeherrscht.”) Die
dadurch in unserem Gebiete hervorgerufenen Winde aus nördlichen Richtungen
haben zweifellos zu den positiven Anomalien im Sommer 1902 nicht unwesentlich
beigetragen. Im März 1902 tritt sodann das Weddellmeer-Minimum in Er-
scheinung, und gleichzeitig setzt auch die Abkühlung der Meeresoberfläche ein.
Nachdem sodann im April nochmals das Belgica-Meer-Minimum einigermaßen
das Übergewicht gewonnen hat, macht sich im Mai das Minimum des Weddell-
Meeres wieder geltend, um nunmehr mit immer stärkerer Ausbildung bis zum
Oktober 1902 die unbestrittene Vorherrschaft zu behalten. Die kalte Luft, die
hierdurch in ungemein vorherrschenden, überaus heftigen Südwest-Stürmen von
dem eisigen antarktischen Kontinent abgesogen wurde, muß als wichtigste
Ursache der starken, gleichfalls bis zum Südfrühling zunehmenden Abkühlung
des Wassers in unserem Untersuchungsgebiet gelten, wobei die kalte Strömung
eine allmähliche Fortpflanzung der Anomalien bewirkte. Auch in den
folgenden Monaten bis zum April 1903 läßt sich das Minimum des Weddell-
Meeres nicht ganz verdrängen, aber von November 1902 bis Februar 1903 tritt
das Minimum des Belgica-Meeres wieder als scharfer Konkurrent auf, und ganz
-) Mecking: »Zum antarktischen Klima.« Pet. Mitteil, 1909, V, 8. 113,
2) Ergebnisse der intern. meteor. Koop. S. 72 u.f. Vgl. insbes. die zugehörigen Isobarenkarten.