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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1912.
Die Differenzen der Temperaturen zwischen den Breiten 55° und 57°,
zwischen 57° und 59° und zwischen 55° und 59° sind als 4,, 4, und ds ebenfalls
in Figur 4 und, zu jahreszeitlichen Mitteln vereint, in Figur 5 graphisch
dargestellt und sämtlich auf den Meridian 70° bezogen. Zu diesem Zwecke wurden
jedesmal aus den beiden Werten für 60° Lg. und 80° Lg. in Breite 55° die Mittelwerte
gebildet, die in dieser Breite sodann angenähert für 70° Lg. gelten dürfen.
In Tabelle 6 sind diese Differenzen und ihre jahreszeitlichen Mittel ebenfalls
angegeben und mit 4,, 4, und 4, bezeichnet. Das Mittel aus den jahreszeitlichen
Werten beider Jahrgänge zeigt, daß die Differenz 4, (59°—57°) im
Frühling am größten ist und dann bis zum Winter abnimmt, während die
Differenz A, (57°—55°) und deshalb auch 4, (59°—55°) im Herbst ihr ausgeprägtes
Maximum erreicht. Übereinstimmend sind alle drei Differenzen im
Winter am kleinsten, was wohl wiederum mit der größeren Konstanz der Minimaltemperaturen
zusammenhängen dürfte, Im Jahresmittel ergibt sich für die
Differenz A, nur !/ı Grad, für 4, aber 1 Grad, für A; somit 1'/, Grad. Die Abweichungen
von diesen Werten sind in den beiden Jahren nur sehr gering, was
bei der Verschiedenheit der Temperaturen beider Jahrgänge um so beachtenswerter
ist.
VI. Beziehungen zum Klima der Antarktis.
Wenngleich die Temperatur der Meeresoberfläche mit derjenigen der Luft
in direkter Wechselbeziehung steht, und die Winde nach Richtung und Stärke
auf die Meeresströmungen und dadurch indirekt auf die Wassertemperaturen
einwirken, so wird doch im allgemeinen die Temperaturverteilung der Landund
Meeresoberfläche das Primäre, und die Luftdruckverteilung und alles, was
damit zusammenhängt, davon abhängig sein. Deshalb wird man nicht ohne
weiteres den Luftdruck und die Lufttemperatur für die Anomalien der Wassertemperaturen
in erster Linie verantwortlich machen können. Insbesondere schien
wenig Hoffnung vorhanden zu sein, einen klaren Zusammenhang der Anomalien
unseres eigenartigen Untersuchungsgebietes mit dem Klima der Antarktis erkennen
zu können. Kommt doch Mecking!) nach seinen eingehenden Untersuchungen
zu dem Schluß, daß die komplizierten klimatischen Verhältnisse der
Falkland-Gruppe jedenfalls nur ganz losen Zusammenhang mit der Antarktis
verraten, daß ferner die Südspitze des amerikanischen Kontinents zwar im Winter
von dem Hochdruck, der das Weddell-Meer-Minimum im Westen und Norden einschließt,
im Sommer aber von dem Minimum des Belgica-Meeres in Mitleidenschaft
gezogen wird, daß aber andererseits im Verhalten der Temperatur in ihrer
unperiodischen Schwankung und ihrer Variabilität sich die Unabhängigkeit von
antarktischen Einflüssen kundgibt. Und wenn auch durch die unnormale Vorherrschaft
des Weddell-Meer-Minimums während des Jahres 1902 die verschiedenen
meteorologischen Erscheinungen des überaus strengen Winters 1902 bei
Snow-Hill aufs beste erklärt werden konnten, wenn sich auch hat feststellen
lassen, daß unperiodische Temperaturschwankungen, welche mindestens die Dauer
von einem Monat überschreiten, in der Westantarktis und an der Westküste Südamerikas
bis über 35° Br. hinauf gleichsinnig zueinander verlaufen, so ist doch
bei allen Untersuchungen der Atlantische Ozean immer am allerwenigsten mit
der Antarktis in Beziehung zu bringen gewesen, weniger noch als der südliche
Pazifische Ozean, der durch das größeren Wandlungen unterworfene Belgica-Meer
viel leichter in Mitleidenschaft gezogen wird.
Gleichwohl muß bis zu gewissem Grade eine Beziehung zwischen unseren
Wassertemperaturen und dem Klima der Antarktis bestehen, und so wird es
sich verlohnen, die meteorologischen Ergebnisse an den Stationen der Antarktis,
soweit sie in unseren Zeitraum fallen, zum Vergleich heranzuziehen. ”)
‘) »Zum antarktischen Klima«, Peterm. Geogr. Mitteil. 1909, ©. 115,
2) Nachdem ich bereits die »Wissenschaftl, Ergebnisse der schwedischen Südpol-Expedition«
und den »Report of the Scientific Results of the Voyage of 8, J. ‚Scotia‘« zu diesem Zwecke durchgearbeitet
hatte, war es mir möglich, Einblick in die Karten und ersten Druckabzüge der von Meinardus
und Mecking bearbeiteten »Ergebnisse der Internationalen Meteorologischen Kooperation« zu nehmen