Eylert, T'h.: Die Oberflächentemperaturen im südl, Atlantischen u. im südöstl. Stillen Ozean usw. 87
wenig zu kalt oder normal war. Überall tritt sodann eine unnormale Kälte ein,
die aber in 45° Br. gering bleibt und dort bereits im Mai 1902 die größte Anomalie
—0.6° erreicht, während die Anomalie nördlich im August 1902 bis auf —1.4°
an wächst und südlich im November 1902 —1,.0° beträgt. Sowohl im Norden
wie im Süden setzt dann gleichzeitig ein rapides Aufwärmen des zu kalten
Wassers ein, so daß im Februar 1903 in 35° Br. und in 55° Br, positive Ab-
weichungen zu finden sind. In der Mitte bleibt jedoch die Temperatur zu kalt
und nähert sich nur im November 1902 dem normalen Betrage bis auf 0.1°.
Dieser Umstand läßt darauf schließen, daß die erhöhte Februarwärme
1903 in 35° und 55° Br. vielleicht lokalen klimatischen Ursachen zuzuschreiben
ist, wodurch die mittlere Stelle, der vom Westen her aus dem offenen Ozean
beständig neues Wasser zufließt, nicht so sehr beeinflußt werden konnte, Nachdem
diese lokalen Ursachen ihre Wirksamkeit erschöpft hatten, sank dann auch im
Norden wie im Süden die Temperatur wieder unter den normalen Wert, während
nunmehr in der Mitte die Kälteperiode überwunden erscheint, und im August
1903 eine geringe positive Anomalie auftritt.
Die drei Kurven der Figur a zeigen demnach eine allgemeine süd-
liche Kälteperiode an, die etwa von März 1902 bis Juli 1903 gedauert
und sich wahrscheinlich auch weiter westlich über den südlichen
Stillen Ozean erstreckt hat, wie sie im südlichen Indischen Ozean
nachzuweisen gewesen ist. Darüber lagert sich eine, vielleicht mehr
durch lokale klimatische Verhältnisse verursachte kurze Wärme-
periode, die im. November 1902 einsetzt und deren Folgen im Mai 1903
bereits verschwunden sind. Die Spuren dieser kurzen Wärmeperiode sind
auch im Indischen Ozean nachgewiesen worden. Wir werden am Schluß dieses
Kapitels kurz darauf zurückkommen. .
Der Strömung folgend gehen wir jetzt zu den beiden südlichsten Unter-
suchungsstellen über, deren Temperaturschwankungen in der Figur 3,d dar-
gestellt sind,
In 57° Br. haben wir unter dem Meridian 70° Lg. denselben Temperatur-
verlauf, wie in unserem westlichen Gebiete. Nach einem zu warmen Sommer
setzt eine Kälteperiode ein, die durch eine positive Anomalie im Februar 1903
unterbrochen wird.
Innerhalb der Kälteperiode ist der Verlauf der Anomalien zwei Grad
südlicher fast genau derselbe, das Maximum im Februar 1903 erreicht jedoch
nicht dieselbe Größe, wie an der nördlicheren Stelle, und während November 1901
durch die Anomalie —0.5° um ebensoviel kälter erscheint als der normale Wert,
wie die nördliche Stelle wärmer, stellen sich im August 1903 an der südlichen
Stelle normale Temperaturen ein, während nördlich das Wasser noch 0.8° zu kalt ist.
Es sei aber nochmals darauf hingewiesen, daß das Material für die süd-
lichste Stelle sehr viel unzuverlässiger ist als für die übrigen Gebiete.
Im weiteren Verlauf der Strömung gelangen wir zu unserer Untersuchungs-
stelle 55° Br., 60° W-Lg., die mit der 10° nördlicher auf demselben Meridian
gelegenen Stelle durch die Figur 3,e charakterisiert ist.
Wie Figur 4 des nächsten Kapitels zeigt, trat unter 55° Br., 60° Lg. das
Temperaturmaximum im Jahre 1902 bereits im Januar ein, das Minimum bereits
im Juli 1902. Die Kälteperiode setzt jedoch in den beiden Kurven der Figur c
mit negativen Anomalien später ein, als an den bisher besprochenen Stellen, und
an unserer nördlichsten Untersuchungsstelle im Osten des Kontinents scheint die
Kälteperiode, wie in Figur b zu erkennen ist, noch später, erst nach August 1902
zu beginnen. Ebenso verspätet erscheint die darauf folgende Aufwärmung des
zu kalten Wassers.
Wir können also im Verlauf der Strömung sehr deutlich eine allmählich
fortschreitende Verpflanzung der Anomalien verfolgen und finden die Tatsache
bestätigt, die sich bereits aus der Betrachtung der Isothermen und Isametralen
ergab, daß die Anomalien im Westen unseres Gebietes beginnen und durch die
westöstliche Strömung allmählich in den östlichen Teil unseres Untersuchungs-
yebietes übertragen werden.