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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Rottok: Lösung von nautischen und taktischen Aufgaben durch Zeichnung. 55 
also KK’ durch k oder FF’ durch f. Sind die Weglängen wie die Fahrt in See- 
meilen ausgedrückt, so ist die Zeit t = = oder FL Stunden. 
Ist die Strecke in Metern ausgedrückt, die Fahrt in Seemeilen, so erhält 
man die Zeit in Minuten durch Division der Strecke mit x Fahrt oder rund 
mit 30 > Fahrt, d. h. Zeit t = 11 oder = 5 Minuten, 
Die folgenden typischen Beispiele mögen das Verfahren weiter erläutern. 
Das Verfahren setzt ein freies Manöverfeld voraus. Ist dies nicht vor- 
handen, wie beim Evolutionieren in größeren Verbänden, so gestatten die Rück- 
sicht auf die übrigen Schiffe und unvorhergesehene Umstände häufig nicht, die 
auf die befohlene neue Position am schnellsten führende Kursrichtung und Fahrt 
aufzunehmen. Für die Ausführung des Manövers bleibt dann in erster Linie 
immer das Auge und Gefühl des ausführenden Seeoffiziers entscheidend. Auch 
treffen die Bestimmungen, wie sie auf dem Papier gemacht werden, nicht genau 
zu, weil Kurs- und Fahrtänderungen nicht augenblicks, sondern allmählich erfolgen. 
Das hier behandelte Verfahren soll deshalb nicht etwa als Rezept für die 
Manöver dienen, es kann aber, glaube ich, in manchen Fällen einen guten Anhalt 
bieten und namentlich jüngeren Offizieren von Nutzen sein, um sich zur Vor- 
bereitung die Manöver auf dem Papier bildlich darzustellen, 
In der englischen Marine ist, oder war wenigstens — das möchte ich hier 
nicht unerwähnt lassen —, für die Lösung dieser Aufgaben ein besonderes 
Instrument, der Course-indicator, in Gebrauch, Ein ähnliches Instrument, das 
noch einige Verbesserungen gegenüber dem vorgenannten darstellen sollte, wurde 
von dem Schreiber dieser Zeilen entworfen und im Modell hergestellt. Nach 
Prüfung des Apparats, auch auf der Flotte, wurde von einer Einführung bei uns 
Abstand genommen. 
1. Übergang von Kiellinie in Dwarslinie, 
K steht in Kiellinie 300 m von F und soll Steuerbord querab in denselben 
Abstand von F gehen: a) mit 15 Knoten Fahrt, b) mit 20 Knoten Fahrt. Kurs 
von F Nord, Fahrt (f) 10 Knoten. 
Fig. 12a und 12b: FK = FA = 3 em, KF Kursrichtung von F, AC #4 
KF gezogen. 
a) Fig. 12a: Von A wird AC=5 cm (f=10) abgetragen, dann 7.5 cm in 
den Zirkel genommen und damit um C ein Kreisbogen durch AK geschlagen, 
der AK in D trifft, Länge CD (k = 15) = 7.5 cm. DC ist der von K zu steuernde 
Kurs, der sich nach dem Kompaß der Karte zu N16'/,°O ergibt, d.h. K hat eine 
Kursänderung um 16'/,° nach Steuerbord zu machen, 
Zieht man diesen Kurs, d. h. eine Parallele zu DC, durch K und durch 
deren Schnittpunkt K’ mit AC eine Parallele (K’F’) mit AF, so stellt K’ die neue 
Position von K zu F dar; während K von K nach K’ gelangt, ist F nach F' 
gekommen; F’K’ gleich und parallel FA,’ 
Die Länge von KK’ beträgt nach dem Maßstab 10.3 cm, d. h. die von K 
zurückzulegende Strecke ist gleich 1080 m. 
Bemerkung: In den Figuren ist die wirklich auszuführende Konstruktion 
durch ausgezogene Linien dargestellt; die gestrichelten Linien sind Hilfslinien, 
die zur besseren Veranschaulichung des Bildes dienen (KK, FF‘) oder nur gebraucht 
werden, wenn man auch die Länge des zurückzulegenden Weges wissen will. 
b) K geht mit 20 Knoten Fahrt auf die neue Position. Die Konstruktion 
ist dieselbe wie bei a, nur wird CD, gleich 10 cm genommen (Fig. 12b). 
Man erhält die Richtung: D,C oder den zu steuernden Kurs: N24°O und 
Länge von KK,’': 7'/, em, d.h, Weglänge 725 m.
	        
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