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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1910, 
b) Bestimmung der wahren Windrichtung und Stärke aus der beobachteten scheinbaren 
Windrichtung und Stärke, Kurs und Fahrt des Schiffes, 
Lösung: Man zeichne den Weg des Schiffes nach Richtung und Länge 
(AB der Fig. 10), durch den Endpunkt B der Weglinie die scheinbare Richtung 
und Stärke des Windes BE. Die geradlinige Verbindung zwischen Anfangspunkt A 
des Schiffsweges und Endpunkt E der Windlinie gibt die wahre Windrichtung 
und Stärke. 
Beispiel: Kurs des Schiffes = NO, 12 Knoten Fahrt. Scheinbare Wind- 
richtung = NNW, Stärke 6 nach der zwölfteiligen Skala, d. i. 10 m pro Sekunde. 
Fig. 10: Kurslinie AB = NO, 6 cm; scheinbare Windlinie BE = NNW — SSO, 
10 cm. Dies ergibt für den wahren Wind AE — N58°W, 9.6 cm, d.h. 96 m 
pro Sekunde oder nach der Beaufort-Skala nicht ganz Stärke 6. 
II. Taktische Aufgaben.!) 
Von den taktischen Aufgaben gehören die Formationsänderungen im Ver- 
bande von zwei oder mehr Schiffen sowie das sogenannte Jagdsegeln hierher. 
Die Aufgabe besteht darin, den Kurs zu bestimmen, den ein Schiff steuern muß, 
um auf dem kürzesten Wege zu einem anderen Schiff, dessen Kursrichtung und 
Fahrt bekannt ist, eine bestimmte Stellung einzunehmen. 
Die Lösung erfolgt in allen Fällen — und das erleichtert wesentlich 
die Anwendung — nach ein und derselben Regel in nachstehender Weise: 
Es sei (Fig. 11) K (Kreuzer) das eigene Schiff, k die Fahrt, mit der man 
das Manöver ausführen will, F (Flaggschiff) das fremde Schiff und f seine Fahrt, 
Man zeichne in der Karte von einem Punkte F (Standpunkt des fremden Schiffes) 
die augenblickliche Stellung K und die einzunehmende A nach Richtung und 
Abstand ein, FK und FA, verbinde K mit A, ziehe durch A eine Parallele mit 
der Kursrichtung von F (ACK’), trage auf dieser Parallelen von A aus die Fahrt 
von F, gleich AC (f), ab, nehme nach demselben Maßstab die Fahrt k in den 
Zirkel und schlage hiermit einen Kreisbogen durch AK oder dessen Verlängerung 
über K hinaus. Der Bogen treffe diese Linie in D. Dann ist DC der von K zu 
steuernde Kurs. 
Die Richtigkeit geht aus der Fig. 11 hervor, KK’ (der Weg des Schiffes K) 
ist parallel DC gezogen. Während K nach K’ gelangt, kommt F nach F‘. Aus 
den ähnlichen Dreiecken DAC und KAK folgt: AC:DC=AK':KK, d. h. einem 
Wege KK’ des Schiffes K entspricht der Weg AK’ oder, wenn FF’ gleich AK’ 
gemacht wird, der Weg FF’ des Schiffes F. Nach dem Parallelogramm FF’K’A 
ist F’K’ gleich und parallel FA, d. h, K’ befindet sich in der gewünschten 
Position von F’, 
Wird die Linie AK oder deren Verlängerung über K hinaus von CD nicht 
geschnitten — wenn z.B. die Fahrt k zu klein ist —, so ist die Aufgabe un- 
lösbar; wird AK in zwei Punkten. D und D,, geschnitten, so sind zwei Lösungen 
möglich. 
Die Fahrten f und k (AC und CD) brauchen nicht in demselben Maßstab 
abgesetzt zu werden wie die Entfernungen FK und FA. Es ist dies besonders 
zu beachten bei kleinen Entfernungen zwischen F und K, d.h. wenn die Ent- 
fernungen FK und FA in Metern, die Fahrten in Knoten oder in Seemeilen pro 
Stunde gegeben sind, 
Um die Länge der bei der Positionsänderung von den Schiffen K oder F 
zurückzulegenden Wege zu bestimmen, sind die Längen von KK’ oder FF’ nach 
demselben Maßstab zu messen, in dem FK und FA abgemessen sind, 
Will man auch die für die Ausführung des Manövers nötige Zeit ableiten, 
so sind die gefundenen Weglängen durch die zugehörige Fahrt zu dividieren, 
1) Obwohl die Behandlung taktischer Aufgaben bisher nicht als in das Arbeitsgebiet der Ann. 
d. Hydr. usw. fallend angesehen worden ist, so erscheint die Veröffentlichung auch dieses Teiles an 
dieser Stelle deswegen durchaus angezeigt, da er eine weitere Anwendung der im vorangehenden 
entwickelten Methode darstellt und für einen Teil des Leserkreises, sowie für die Seeoffiziere der 
Kaiserl. Marine von Interesse ist. D. Red.
	        
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