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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1910.
gegebenen. Verwendungsbeispiele der Peilscheibe leitend, um einen Vergleich
zwischen der Lösung durch Zeichnung und durch Peilscheibe und schließlich
auch durch Rechnung zu ermöglichen. Wenn auch dabei die zeichnerische
Lösung der meisten nautischen Aufgaben als bekannt gelten darf, so mag doch
ihre Behandlung hier dazu beitragen, sie nach Gebühr zu würdigen. Zu der
Lösung der Aufgaben habe ich ein leeres Kartenblatt — das sogenannte »Netz
zum Eintragen von Sumner-Linien« — mit eingezeichnetem Kompaß und als
Entfernungsmaßstab ein gewöhnliches Holzlineal mit Millimeterteilung, das mir
gerade zur Hand war, beuutzt. Um ein Urteil über die Genauigkeit des Ver-
fahrens zu gewinnen, habe ich die Aufgaben auch rechnerisch gelöst und den
meisten der nachfolgenden Beispiele die Rechnung oder ihre Resultate beigefügt,
die den Beweis liefern, daß die Genauigkeit des Verfahrens vollständig den in
der Praxis zu stellenden Anforderungen genügt,
I. Nautische Aufgaben.
l. Die Richtung und Entfernung von einem Gegenstand ist bekannt. Gesucht wird
der Passier-, d. h. Querabstand von dem Gegenstand, wenn man einen bestimmten
Kurs steuert,
„Ösung: Man zieht durch den Gegenstand (O der Fig, 1) die Peilungs-
oder Richtungslinie, in der man sich befindet, und setzt auf dieser die Ent-
fernung (SO) ab, durch den Endpunkt dieser Linie, d. h, den Schiffsort (S), wird
die Kurslinie (SC) gezogen, und auf diese von dem Peilgegenstand ein Lot (0Q)
gefällt. Die Länge dieses Lotes entspricht dem Querabstand, den man auf dem
gebrauchten Maßstabe abmißt.
Beispiel: Man peilt einen Gegenstand N60°0 7 Sm ab und steuert N20°0.
In welchem Abstand passiert man ihn?
Fig. 1: Richtung 0S = N60°0 — S60°W; Länge 0S = 7 cm (7 Sm); Rich-
tung SC=—N20°0. OQ senkrecht SC. Länge O0Q = 14.5 cm, SQ = 55 cm, d.h.
man passiert den Gegenstand in einem Abstand von 4.5 Sm nach Ablaufen
von 5.5 Sm.')
Die Rechnung nach der Tafel rechtwinkeliger Dreiecke ergibt die-
selben Werte.
Bemerkung: Wenn die Gegenstände in der Karte, die zur Navigierung
benutzt wird, eingezeichnet sind, so kann man selbstverständlich — und das ist
das Einfachste — auch diese für die Konstruktionen benutzen, vorausgesetzt, daß
ihr Maßstab groß genug ist; handelt es sich bei den Entfernungen um Seemeilen,
so kann man sie wie üblich nach der Breitenskala der Karte absetzen,
2. Richtung und Entfernung von einem Gegenstand sind bekannt. Gesucht wird
der zu steuernde Kurs, um den Gegenstand in einem bestimmten Querabstande
zu passieren,
Lösung: Man zeichne die Richtungslinie (OS, Fig. 2) durch den Gegen-
stand und setze auf dieser die Entfernung ab. Um diese Linie als Durchmesser
schlage man einen Halbkreis — also mit einem Halbmesser = !/,O0S — nach der
Seite, an der man den Gegenstand passieren will, ferner um den Gegenstand (0)
als Mittelpunkt einen Kreisbogen mit einem Halbmesser, der gleich dem gewünschten
Querabstand ist. Den Schnittpunkt (Q) dieses Kreisbogens mit dem Halbkreis
verbinde man mit dem ursprünglichen Schiffsort (S). Diese Verbindungslinie
(QS) ist der gesuchte Kurs; der Winkel bei Q ist als Peripheriewinkel über
einem Kreishalbmesser ein rechter.
Beispiel: Man steht N30°W 7 Sm von einem Gegenstand und will ihn
an Steuerbord in einem Abstand von 4 Sm passieren. Welchen Kurs muß man
steuern?
Fig. 2: Linie 0S = N30°W durch den Gegenstand (0) gezogen; Länge
0S=7 cm (7 Sm). Um den Mittelpunkt (M) dieser Linie (OM = MS = 3.5 cm)
mit dem Halbmesser 3.5 cm wird ein Halbkreisbogen (SO) geschlagen, und um
‘) Die Tafel gibt die Figuren 1 bis 19 in 3, Größe, Fig. 20 u. 21 in !/, Größe. Siehe die Maßstäbe!