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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Ann. d. Hydr. usw., XXXVII. Jahrg. (1910), Heft 11. 
Lösung von nautischen und taktischen Aufgaben durch Zeichnung. 
Von Geh. Admiralitätsrat Rottok. 
(Hierzu Tafel 16.) 
Die in der Kaiserlichen Marine gebräuchliche Peilscheibe für Abstands- 
bestimmungen soll hauptsächlich, wie der Name besagt, zu Abstandsbestimmungen 
dienen, im besonderen zur Feststellung des Abstandes, in dem ein Schiff bei 
einem bestimmten Kurs einen Gegenstand passiert, oder umgekehrt des zu 
steuernden Kurses, um einen Gegenstand in bestimmtem Abstand zu passieren, 
Mit dem Instrument wird ein rechtwinkeliges Dreieck aus gegebenen Stücken 
hergestellt und die unbekannten daraus entnommen, Selbstverständlich lassen 
sich mit dem Instrument außer Abstandsbestimmungen auch andere Aufgaben 
lösen, denen ein rechtwinkeliges Dreieck zugrunde liegt. Eine Beschreibung der 
Peilscheibe und Verwendungsbeispiele sind im »Lehrbuch der Navigation« Band I, 
S, 302ff., gegeben. Neuerdings sind Änderungen an der Peilscheibe vorgenommen, 
die eine bequemere Benutzung und eine vielseitigere Anwendung gestatten sollen, 
Der letztere Zweck wird dadurch erreicht, daß sich mit der Peilscheibe nicht 
nur rechtwinkelige, sondern auch schiefwinkelige Dreiecke zusammensetzen lassen. 
Nähere Angaben über die verbesserten Peilscheiben und ihren Gebrauch sind in 
der »Marine-Rundschau«, 1908, S. 1428ff. veröffentlicht. 
Bei allen Vorteilen, die das Instrument namentlich bei einzelnen einfachen 
Aufgaben bietet, hat doch der Gebrauch darüber hinaus bei vielen Aufgaben, 
die damit gelöst werden sollen oder können, seine Unbequemlichkeiten, die darin 
bestehen, daß zwei Lineale gleichzeitig einzustellen sind, bis sie sich in bestimmten 
Punkten schneiden, daß nacheinander zwei Dreiecke zu bilden sind, wobei die 
Lineale verschiedene Bedeutung haben, daß das Verfahren zu viel Übung erfordert, 
wobei leicht Irrtümer vorkommen können, Die Beschäftigung mit der Peilscheibe 
hat mich zu der hier folgenden Studie veranlaßt. 
Alle Aufgaben lassen sich meiner Ansicht nach ebenso einfach, schnell 
und bequem und sicherer durch Zeichnung auf der Karte oder einem Blatt 
Papier lösen mit Bleistift, Zirkel, Dreiecken, einem auf dem Blatt oder der Karte 
eingezeichneten Kompaß oder einem Transporteur und einem Maßstab. Es sind 
dies die täglichen und gewohnten Handwerkszeuge des Navigateurs und See- 
offiziers; die Arbeitsmethode, wie: sie zur Lösung nautischer Aufgaben schon 
vielfach angewendet wird, ist ihm geläufig und hat noch den wesentlichen Vor- 
teil, daß sie ein übersichtliches Bild von der Aufgabe gibt, wenig Nachdenken 
erfordert und Versehen leichter vermeidet, Last not least macht das Verfahren 
ein besonderes Instrument unnötig, und je einfacher der Arbeitsapparat an Bord, 
desto besser. Im allgemeinen ist ein gewisses Verlangen, ein Hang nach Rechen- 
knechten und Hilfsapparaten vorhanden. Die Kaiserliche Marine hat sich glück- 
licherweise noch ziemlich frei von diesen Hilfsmitteln gehalten, nicht von vorn- 
herein in grundsätzlicher Ablehnung, sondern nach gewissenhafter Prüfung der 
Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit der Apparate in jedem einzelnen Falle, 
Das vorgeschlagene Verfahren besteht darin, daß man auf dem Papier die 
bekannten Entfernungen und Richtungen einträgt und sodann die gesuchten 
entnimmt. Am geeignetsten ist für die Ausführung ein Kartenblatt .mit ein- 
gezeichnetem Kompaß, nach dem die Richtungen in bekannter Weise mit Hilfe 
von Dreiecken und die Entfernungen nach einem Maßstab abgesetzt werden. Als 
Maßstab kann man. die Längenskala der Karte benutzen, oder besser einen Milli- 
metermaßstab. Ist kein Kompaß auf der Karte oder dem Zeichenpapier ein- 
gezeichnet, so ziehe man sich eine Linie (etwa Nord—Süd-Linie) und arbeite von 
dieser ausgehend mit dem Transporteur oder den mit Winkeleinteilung versehenen 
Dreiecken, 
Die folgenden Beispiele werden alle weiteren Erläuterungen für das Ver- 
fahren ergeben. . Für ihre Wahl waren die in obengenannter Veröffentlichung 
Ann, d. Hydr. usw. 1910, Heft II
	        
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