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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

712 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1910. 
Finland lag, und ein neues bei Island erschien. Nur im äußersten Osten des 
Küstengebiets stellten sich steife Winde ein. Die Witterung blieb trocken und 
vielfach heiter, An den folgenden Tagen verlagerte sich das Maximum schnell 
nach Osteuropa, während die Atlantische Depression heranzog. Sie führte starke 
Erwärmung herbei und hatte an der Nordseeküste verbreitete Gewitter im Gefolge. 
Bei ihrem weiteren Vordringen am 3, entwickelten sich vielfach an der Nordsee- 
küste, ebenfalls unter Gewittererscheinungen, und am 4, auch an der Ostseeküste 
steife und stürmische Winde aus südwestlichen bis nordwestlichen Richtungen. 
An diesem Tage war die Depression bis nach Skandinavien fortgeschritten, 
während ein intensives Hochdruckgebiet von Westen nachrückte. Beim weiteren 
Vordringen des letzteren verlagerte sich das Tiefdruckgebiet mit seinem Kern 
nach Polen und rief noch an der mittleren Ostseeküste stellenweise stürmische 
Winde aus nördlichen Richtungen hervor, 
Nunmehr wanderte das Hochdruckgebiet weiter ostwärts und beherrschte 
die Witterung an der deutschen Küste bis zum 8. Oktober, wo es trockenes und 
meist heiteres Wetter herbeiführte. 
Am 9. dagegen trat ein Umschwung der Witterung insofern ein, als sich 
beim Abgang des Hochdruckgebietes nach Osteuropa eine Nordeuropa bedeckende 
Depression südwärts ausbreitete und mit westlichen Winden Trübung hervorrief, 
ohne daß freilich Niederschläge beobachtet wurden. 
Am 10. wanderte nun zum dritten Male ein Hochdruckgebiet von West- 
europa nach dem Osten. Infolgedessen klarte der Himmel wieder auf und das 
Wetter blieb bis zum 11. ruhig und trocken. Auch am 12., wo das Hochdruck- 
gebiet bereits über Innenrußland lag, und eine Depression vom Westen her nach- 
rückte, fiel nur im Westen vereinzelt etwas Regen. Am 13. dagegen hatte die 
Östliche Ostseeküste beim Vorüberzuge der Depression etwas stärkere Niederschläge. 
Ihr folgte am 14. ein Hochdruckgebiet von Nordwesteuropa her, das seinen 
Weg wiederum nach Osteuropa einschlug. Es beherrschte die Witterung im 
deutschen Küstengebiet bis zum 17., wo es anhaltend heiteres Wetter hervorrief. 
Vom 18, bis 20. kam die deutsche Küste in den Bereich einer Depression, die 
von den Britischen Inseln ostwärts vorrückte. Dabei traten zunächst Nebel und 
geringe Niederschläge, am 19. jedoch stärkere Regenfälle auf, die indessen am 
20. schon wieder aufhörten, da die deutsche Küste sich auf der Ostseite der De- 
pression befand und die Winde nach Südost übergingen, 
. Am 21. verlagerte sich der Kern der Depression nach Frankreich, wogegen 
sich über Nordosteuropa ein intensives Hochdruckgebiet einstellte, das sich bis 
zum 28. Oktober mit seinem Kern langsam nach Rußland verlagerte. Bis zum 
27, blieb die Witterung bei östlichen Winden fast ganz trocken. 
Als an den folgenden Tagen von Westen her eine Depression näher heran- 
schritt, traten bis auf die östliche Ostsee stärkere Regenfälle ein. Auch an den 
beiden letzten Monatstagen fielen fast überall ergiebige Regenmengen, da das 
Küstengebiet unter dem Einfluß tiefen Luftdrucks verharrte; ein Hochdruck- 
gebiet, das am 81, nach der östlichen Ostsee fortgeschritten war, entfernte sich 
schnell ostwärts und schon am Abend des 31, bedeckte eine neue über Nordwest- 
europa erschienene Depression fast das ganze Küstengebiet. 
Druck und Verlag von E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchbhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin SW. Kochstiraße 68—71.
	        
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