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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

692 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1910. 
durch Strom und Brandung nordwärts getrieben. Dieser Wanderung wird aber 
an der Spitze der Nehrung der Walfisch Bay (Pelican Point) Halt geboten. Hier 
hört mit der Brandung der Impuls auf und die Sandmengen können die 6 Sm 
breite und 20 bis 25 m tiefe Bucht nicht überschreiten, sondern müssen sich an 
der Spitze der Nehrung ablagern. Mit andern Worten: Walfisch Bay bildet für 
Swakopmund den Sandfänger für die von Süden ankommenden Sandmassen und 
für Swakopmund selbst kommt nur noch ein kurzer Küstenstrich als sandzuführend 
in Betracht, 
Daß trotzdem der Molenhafen im Jahre 1904 so rapide versandete, ist 
also nicht auf die normale Sandführung, sondern auf ein elementares Ereignis, 
das Abkommen des Swakop, zurückzuführen. Und dies auch nur deshalb, weil 
die Mole nicht für das Eintreten eines solchen Ereignisses konstruiert war und 
weil keine Vorkehrungen getroffen waren, den schädigenden Einfluß der Sand- 
massen von vornherein wirksam zu bekämpfen, 
Wenn demnach die normale Sandführung nur in geringem Maße und das 
Abkommen des Swakop, das nur alle Jahrzehnte vorzukommen und im Abnehmen 
begriffen zu sein scheint, nur gelegentlich bekämpft werden muß, so werden die 
Baggerungskosten auch nicht übermäßig hoch sein. Mithin: ‚der mit ent- 
sprechenden Baggereinrichtungen versehene Molenhafen wird sich voraussichtlich 
rentablerweise betriebsfähig erhalten lassen, und umgekehrt: die Freilegung der 
alten Mole muß sich lohnen, wenn die Freilegungskosten nicht zu hoch sind. Da 
diese auf etwa 400000 Mk. geschätzt werden, so dürften sie gegenüber den er- 
reichbaren Vorteilen in keinem Verhältnis stehen. Gelingt der Versuch, so würde: 
1. eine Verbesserung der Landungsverhältnisse in kurzer Zeit geschaffen 
werden, da die Freilegung schätzungsweise etwa in Jahresfrist erfolgen kann 
gegenüber einer 4jährigen Bauzeit der Landungsbrücke, 
2. Statt einer ungeschützten Landungsbrücke wäre wieder ein geschützter 
Hafen geschaffen, in dem der Verkehr bei weitem dem an der Brücke an Sicher- 
heit und Billigkeit überlegen ist, 
3. Die bei dem Bau der alten Mole seinerzeit aufgewendeten und bei der 
augenblicklichen Sachlage verlorenen 3 Millionen Mark würden zurückgewonnen 
und wieder nutzbringend gemacht werden. 
4. Die für den Bau einer neuen Landungsbrücke erforderlichen 7 Millionen 
Mark brauchten für diese nicht aufgewendet werden. 
5. Die Möglichkeit des Offenhaltens eines Wellenbrecherhafens wäre dar- 
getan und damit die Grundlage zur späteren Schaffung eines Seeschiffhafens 
gegeben, ein Projekt, für das bei der augenblicklichen Sachlage Anhänger nur 
schwer gefunden werden können. 
Vorteile, denen gegenüber die Versuchssumme verschwindend klein ist 
und die deutlich darauf hinweisen, daß ein Versuch lohnend sein muß. Will 
man demnach dem Schutzgebiet für die Schaffung einer brauchbaren Lande- 
gelegenheit ein Millionenkapital zukommen lassen, so möge man dieses bewilligen, 
Die Zinsen der ersten Jahre würden dann schon für den Freilegungsversuch 
ausreichen. Gelingt der Plan, so würde eine bedeutende Verbesserung geschaffen 
und für den Ausbau eines Wellenbrecherhafens eine sichere Unterlage erlangt 
sein; gelingt er nicht, so ist für den späteren Ausbau einer Landungsbrücke 
noch nichts verloren. 
Auf Einzelheiten der technischen Ausführung einzugehen, dürfte zu weit 
führen. Es sei hervorgehoben, daß im Prinzip mit stationären Baggereinrich- 
tungen gearbeitet werden soll, da diese den örtlichen Verhältnissen in erster 
Linie Rechnung tragen können. Die Art und Anlage der zur Bedienung der 
Saugeköpfe erforderlichen leichten Laufbrücken wird sich von selbst aus deın 
örtlichen Befund und nach Beginn der Arbeiten aus dem Verhalten der Sand- 
massen ergeben. Connemann, Kapitänleutnant,
	        
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