Connemann: Freilegung und Freihaltung der Swakopmunder Hafenmole, 691
Freilegung und Freihaltung der Swakopmunder Hafenmole.
Im Juniheft dieser Zeitschrift habe ich kurz einen Weg angegeben, den
man seinerzeit zur Verhinderung der Versandung des Swakopmunder Molenhafens
hätte einschlagen können und der, nachträglich beschritten, unter Umständen zur
Wiederfreilegung der Mole führen könne. Dieser Plan ist mit seinen Grundlagen
inzwischen von fachmännischer Seite so günstig beurteilt worden, daß eine
Weiterverfolgung sich lohnte und daß ein etwas näheres Eingehen darauf viel-
leicht weitere Kreise interessieren dürfte,
. Erster Grundsatz bei der Weiterverfolgung des Planes war nicht der der
Schaffung - einer Hafenanlage um jeden Preis, sondern der Gesichtspunkt, die
Kosten für Anlage und Unterhaltung des Landeplatzes im richtigen Verhältnis
zu. Wert und Größe des Verkehrs zu halten. Daraus erklärt sich auch mein
{rüheres Eintreten für eine billige Landungsbrücke, das mit den nachstehenden
Ausführungen in Widerspruch zu stehen scheint, es unter Berücksichtigung des
vorerwähnten Gesichtspunktes tatsächlich aber nicht ist.
Als zweiter mußte aufgestellt werden, daß an der dortigen Küste der
kleinste und einfachste Molen- oder Wellenbrecherhafen der besten
und mit den größten Hilfsmitteln ausgerüsteten Landungsbrücke an
seemännischen und verkehrstechnischen Wert weit überlegen ist.
Dies wird jedem Kenner der dortigen Verhältnisse von vornherein klar sein.
Der primitive Leichterverkehr an der ungeschützten Brücke kann den des ge-
schützten Hafens nie erreichen und sich niemals bis zur Möglichkeit der direkten
Umladung von Schiff auf Land entwickeln.
Sieht man nun drittens den Bau der alten Mole nur als einen ersten Ver-
such und ihr Versanden nur als einen ersten Mißerfolg an, so sind die an der
Mole gemachten Erfahrungen sehr wertvoll. Sie zeigen, welche Fehler in der
Anlage die so schnelle Versandung herbeigeführt haben und beantworten die
Frage, ob auf Grund dieses einen Mißerfolges die Konstruktionsmöglichkeit eines
brauchbaren Molen- oder Wellenbrecherhafens für Swakopmund schon in Abrede
gestellt werden muß,
Letzteres ist in jeder Weise zu verneinen, Die Erfahrung hat gezeigt,
daß die Mole infolge ihrer ungünstigen Konstruktion und wegen Mangel an jeg-
lichen Vorkehrungen zur Beseitigung der Versandungsgefahr versagt hat, sowie
daß bei Vermeidung dieser Fehler ein Hafenbauwerk, aller Wahrscheinlichkeit
nach, dort lebensfähig bleiben kann.
Ob nun diese Fehler durch besondere Bauart (Rock Bay Prinzip, Insel-
hafen usw.) oder durch besonders angelegte Baggereinrichtungen ausgeschaltet
werden, ist im Prinzip einerlei und bedarf lediglich in bezug auf die Kosten
einer verschiedenen Beurteilung. Geringe Unterhaltungskosten werden ein größeres
Anlagekapital rechtfertigen und umgekehrt, ein kleines Anlagekapital wird un-
rentabel, wenn die Unterhaltungskosten bei diesem Bauwerk entsprechend empor-
schnellen.
Da nun aber im vorliegenden Falle das Bauwerk durch die alte Mole
schon gegeben ist, so treten zunächst nur die beiden Fragen auf: 1. wie hoch
werden voraussichtlich die späteren Unterhaltungskosten des Molenhafens sein?
und 2, wird die Freilegung der alten Mole möglich sein und mit welchen Kosten?
In Beantwortung der ersten Frage hängen die Unterhaltungskosten haupt-
sächlich von den Baggerungskosten d.h. von den Sandmengen ab, die zur Frei-
haltung beseitigt werden müssen. Diese sind aber nicht sö’ groß, wie es den
ersten Anschein hat und wie aus folgendem hervorgeht: Von Baubeginn der
Mole im Jahre 1899 bis zum Frühjahr 1904 haben sich an ihr wesentliche Ver-
sandungserscheinungen überhaupt nicht gezeigt, sicherlich ein Zeichen dafür, daß
die normale Sandbewegung an der Küste von Swakopmund nicht sehr groß sein
kann und sich voraussichtlich leicht beherrschen lassen wird.
Diese Tatsache, die im Gegensatz zu der großen Sandbewegung südlich
von Walfisch Bay steht, läßt sich jedoch ziemlich einwandfrei erklären, Südlich
von Walfisch Bay werden an der langen buchtenlosen Küste große Sandmengen