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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Brill, A.: Über eine neue einheitliche Methode zur nautischen und aeronautischen Ortsbestimmung. 683 
Verhältnis der Zwischenzeiten teilt, vorausgesetzt natürlich, daß der Beobachter 
sich gleichmäßig schnell fortbewegt hat. 
Die Zeitfixierung bei gleichzeitiger Azimut- und Höhenmessung eines Gestirns 
ist insofern schwieriger, als schon bei festem Beobachtungsort das gemessene 
magnetische Azimut einer anderen Höhe als der beobachteten zugeordnet ist. In 
Berücksichtigung der Tatsache, daß im Meridian die Höhenänderung in der Zeit- 
einheit ein Minimum, die Azimutänderung ein Maximum ist, während umgekehrt 
im Ostwestvertikal die Höhe sich sehr schnell, das Azimut dagegen sehr langsam 
ändert, ist bei Ausführung der Beobachtungen folgende Regel zu beachten: Steht 
das zu beobachtende Gestirn in der Nähe des Meridians, so wird zuerst die Höhe, 
dann das Azimut. beobachtet und der Beobachtungsort auf den Zeitmoment des 
letzteren bezogen; umgekehrt wird bei der Stellung des Gestirns in der Nähe 
des Ostwestvertikals zuerst das Azimut, dann die Höhe gemessen und der Beob- 
achtungsort auf den Zeitmoment der letzteren bezogen. Der Einfluß der Orts- 
veränderung findet in dieser Anordnung der Beobachtungen keine Berücksich- 
tigung; zur Vermeidung des aus der Fortbewegung des Schiffes oder des Ballons 
resultierenden Fehlers sind Azimut- und Höhenmessungen möglichst schnell hinter- 
einander auszuführen. 
Die Genauigkeit, mit der sich eine einzelne Orientierung aus astronomischen 
Beobachtungen ergibt, ist — abgesehen von den Fehlern des Auswertungsinstruments, 
deren Einfluß auf die Ortsbestimmung im III. Teil erörtert wird -— von der Stellung 
des beobachteten Gestirns am Himmelsgewölbe abhängig. Durch die Höhe eines 
Gestirns ist eine Standlinie bestimmt; ein Fehler in der Höhenmessung verschiebt 
die Standlinie um denselben Betrag parallel mit sich, so daß z, B, für einen Fehler 
von einer Bogenminute in. der Höhe die Standlinie um eine Seemeile zur Seite 
geschoben ist. Je schlechter der Schnittpunkt zweier Standlinien definiert ist, um 
so größer ist der Einfluß eines kleinen Fehlers in der Höhe auf die Bestimmung 
des unbekannten Ortes. Ist Ah der Fehler in der gemessenen Höhe des einen 
Sterns, so ist Ah cosec v der entsprechende Fehler in der Ortsbestimmung, wenn 
sich die beiden Standlinien unter dem Winkel v schneiden, Der günstigste Fall 
einer Ortsbestimmung aus Höhenmessungen tritt ein, wenn die Standlinien sich 
senkrecht durchsetzen, d. h. wenn die Azimutdifferenz der beobachteten Gestirne 
gleich 90° oder 270° ist. 
Bei gleichzeitiger Höhen- und Azimutbeobachtung hängt die Genauigkeit, 
mit der durch die Messung des magnetischen Azimuts der Beobachterstandpunkt 
auf der Standlinie bestimmt wird, davon ab, wie sich das magnetische Azimut 
längs der Standlinie ändert, Je weniger es sich zu einer festen Zeit auf der 
Standlinie von Ort zu Ort ändert, um so geringer ist die Genauigkeit der Orts- 
bestimmung. Aus der Gleichung: 
sin A-cosh — sint-.cosö 
folgt für die differentielle Änderung des astronomischen Azimuts d’A längs des 
Bogenelementes ds der Standlinie die Relation: 
dA = cos ö cos t I: 
an 
Die differentielle Änderung des astronomischen Azimuts ist hiernach gleich 
Null — abgesehen von dem trivialen Fall ö = 90° — wenn der Stundenwinkel des 
beobachteten Gestirns gleich 6% oder 18h ist. Besonders interessant ist der Fall: 
ä=— 0°: h = 0°: t-— 18h: A = 270° bzw. $ö — 0°: h — 0°: t= 66h; A = 90° 
in dem das Gestirn im Ostpunkt aufgeht bzw. im Westpunkt untergeht. Die 
Standlinie h = 0° ist ein Meridian; längs der Standlinie ist das astronomische 
Azimut konstant gleich 270° bzw. 90°, Mit wachsender Deklination nimmt zwar
	        
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