Brill, A.: Über eine neue einheitliche Methode zur nautischen und aeronautischen Ortsbestimmung. 683
Verhältnis der Zwischenzeiten teilt, vorausgesetzt natürlich, daß der Beobachter
sich gleichmäßig schnell fortbewegt hat.
Die Zeitfixierung bei gleichzeitiger Azimut- und Höhenmessung eines Gestirns
ist insofern schwieriger, als schon bei festem Beobachtungsort das gemessene
magnetische Azimut einer anderen Höhe als der beobachteten zugeordnet ist. In
Berücksichtigung der Tatsache, daß im Meridian die Höhenänderung in der Zeit-
einheit ein Minimum, die Azimutänderung ein Maximum ist, während umgekehrt
im Ostwestvertikal die Höhe sich sehr schnell, das Azimut dagegen sehr langsam
ändert, ist bei Ausführung der Beobachtungen folgende Regel zu beachten: Steht
das zu beobachtende Gestirn in der Nähe des Meridians, so wird zuerst die Höhe,
dann das Azimut. beobachtet und der Beobachtungsort auf den Zeitmoment des
letzteren bezogen; umgekehrt wird bei der Stellung des Gestirns in der Nähe
des Ostwestvertikals zuerst das Azimut, dann die Höhe gemessen und der Beob-
achtungsort auf den Zeitmoment der letzteren bezogen. Der Einfluß der Orts-
veränderung findet in dieser Anordnung der Beobachtungen keine Berücksich-
tigung; zur Vermeidung des aus der Fortbewegung des Schiffes oder des Ballons
resultierenden Fehlers sind Azimut- und Höhenmessungen möglichst schnell hinter-
einander auszuführen.
Die Genauigkeit, mit der sich eine einzelne Orientierung aus astronomischen
Beobachtungen ergibt, ist — abgesehen von den Fehlern des Auswertungsinstruments,
deren Einfluß auf die Ortsbestimmung im III. Teil erörtert wird -— von der Stellung
des beobachteten Gestirns am Himmelsgewölbe abhängig. Durch die Höhe eines
Gestirns ist eine Standlinie bestimmt; ein Fehler in der Höhenmessung verschiebt
die Standlinie um denselben Betrag parallel mit sich, so daß z, B, für einen Fehler
von einer Bogenminute in. der Höhe die Standlinie um eine Seemeile zur Seite
geschoben ist. Je schlechter der Schnittpunkt zweier Standlinien definiert ist, um
so größer ist der Einfluß eines kleinen Fehlers in der Höhe auf die Bestimmung
des unbekannten Ortes. Ist Ah der Fehler in der gemessenen Höhe des einen
Sterns, so ist Ah cosec v der entsprechende Fehler in der Ortsbestimmung, wenn
sich die beiden Standlinien unter dem Winkel v schneiden, Der günstigste Fall
einer Ortsbestimmung aus Höhenmessungen tritt ein, wenn die Standlinien sich
senkrecht durchsetzen, d. h. wenn die Azimutdifferenz der beobachteten Gestirne
gleich 90° oder 270° ist.
Bei gleichzeitiger Höhen- und Azimutbeobachtung hängt die Genauigkeit,
mit der durch die Messung des magnetischen Azimuts der Beobachterstandpunkt
auf der Standlinie bestimmt wird, davon ab, wie sich das magnetische Azimut
längs der Standlinie ändert, Je weniger es sich zu einer festen Zeit auf der
Standlinie von Ort zu Ort ändert, um so geringer ist die Genauigkeit der Orts-
bestimmung. Aus der Gleichung:
sin A-cosh — sint-.cosö
folgt für die differentielle Änderung des astronomischen Azimuts d’A längs des
Bogenelementes ds der Standlinie die Relation:
dA = cos ö cos t I:
an
Die differentielle Änderung des astronomischen Azimuts ist hiernach gleich
Null — abgesehen von dem trivialen Fall ö = 90° — wenn der Stundenwinkel des
beobachteten Gestirns gleich 6% oder 18h ist. Besonders interessant ist der Fall:
ä=— 0°: h = 0°: t-— 18h: A = 270° bzw. $ö — 0°: h — 0°: t= 66h; A = 90°
in dem das Gestirn im Ostpunkt aufgeht bzw. im Westpunkt untergeht. Die
Standlinie h = 0° ist ein Meridian; längs der Standlinie ist das astronomische
Azimut konstant gleich 270° bzw. 90°, Mit wachsender Deklination nimmt zwar