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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1910. 
Ist das Gestirn in der Nähe des Ostwestvertikals beobachtet, so verläuft 
die Standlinie sehr nahe parallel den Meridianen. Das Verfahren, aus den 
Stundenwinkeln t, und t, die astronomischen Azimute A, und A, für zwei 
Punkte der Standlinie zu bestimmen, ist in diesem Falle nicht brauchbar; die 
astronomischen Azimute werden aus den Breiten g, und g, bestimmt, die zu den 
beiden Punkten der Standlinie gehören. Die graphische Bestimmung der astro- 
nomischen Azimute A, und A, kann dann am einfachsten mit dem von Herrn 
Professor Runge angegebenen Diagramm erfolgen. Herr Professor Runge be- 
nutzt das Diagramm zur Bestimmung der Breite aus Deklination, Höhe und 
Azimut eines Gestirns. Das Diagramm besteht aus zwei Blättern, von denen das 
eine ein Gradnetz in Breite und Höhe, das andere Azimutlinien in strahlen- 
förmiger Anordnung enthält. Einem festen Wert der Deklination entspricht eine 
feste Lage der beiden Blätter übereinander. Auf der der gemessenen Höhe im 
Kurvennetz entsprechenden Höhenlinie werden für die beiden Breiten @©, und ,, 
die zur Erleichterung der Interpolation am besten ganzzahlig zu wählen sind, 
die zugehörigen astronomischen Azimute entnommen. Für die Genauigkeit der 
Ortsbestimmung im Ballon reicht es aus, die Deklination der Sonne während eines 
Tages als konstant zu betrachten; die Lage der beiden Blätter übereinander braucht 
dann während eines Tages nicht geändert zu werden. Herr Runge empfiehlt, 
beide Zeichnungen (Blätter) photographisch auf durchsichtige Platten zu bringen 
und für den betreffenden Tag eine photographische Pause der beiden richtig 
aufeinander gelegten Platten anzufertigen. Die Herstellung von Blaupausen ist 
freilich etwas lästig; bei Auswertung von Azimutbeobachtungen des Mondes 
versagt das Verfahren wegen der starken Veränderlichkeit der Deklination. Herr 
Professor Brendel empfiehlt, für jeden Grad der Deklination die nötigen Diagramme 
im Druck herzustellen. Vielleicht ließe sich aber die Methode praktisch am ein- 
fachsten verwerten, wenn eine Zelluloid- oder Glasplatte, in welche die Azimut- 
linien eingetragen sind, in einen Rahmen gefaßt wird, der über einer Karte mit 
dem Gradnetz hin- und hergeführt wird. Für die Auswertung der Azimut- 
beobachtungen wird es genügen, die Azimutlinien nur von 65° bis 115° zu 
zeichnen. 
Die besprochenen Methoden der geographischen Ortsbestimmung setzen voraus, 
daß die beiden zur Ortsbestimmung nötigen Messungen gleichzeitig angestellt 
sind, was natürlich unausführbar ist. Werden die Höhen zweier Sterne gemessen, 
so können bei festem Beobachtungsort die Messungen als unabhängig voneinander 
betrachtet und jede einzelne für sich mit der zugehörigen Beobachtungszeit aus- 
gewertet werden. Auf dem Schiff oder im Ballon, wo der Beobachterstandpunkt 
ständig wechselt, ergeben sich aus den gemessenen Höhen mit den zugehörigen 
Beobachtungszeiten die Standlinien für zwei verschiedene Beobachtungsorte; der 
Schnittpunkt der Standlinien entspricht keinem der beiden, ausgenommen den Fall, 
wo die Versegelung vom ersten zum zweiten Beobachtungsort längs der ersten oder 
der zweiten Standlinie selbst stattgefunden hat. Wenn die beiden Höhenmessungen 
schnell hintereinander ausgeführt werden, und wenn die Geschwindigkeit des 
Ballons nicht allzu groß ist, wird der Schnittpunkt der Standlinien sehr nahe mit 
den beiden Beobachtungsorten zusammenfallen. Die Reduktion der Messungen 
auf die gemeinsame mittlere Zeit ist zu verwerfen, weil dadurch die Beobachtungs- 
ergebnisse gefälscht werden und ganz verkehrte Orientierungsangaben erzielt 
werden können. Wenn der Beobachterstandpunkt sehr schnell wechselt, ist es 
vorteilhaft, eine der beiden Messungen zu wiederholen; die Höhe des ersten Sterns 
ist vor und nach der Beobachtung des zweiten Sterns zu messen. Die Höhen des 
ersten Sterns geben zwei nahe parallel laufende Standlinien 1 und 3, die von der 
Standlinie 2 des zweiten Sterns geschnitten werden, Zur Zeit der ersten Beob- 
achtung befindet sich der Beobachter auf der Standlinie 1, zur Zeit der zweiten 
Beobachtung auf der Standlinie 2 und zur Zeit der dritten Beobachtung auf der 
Standlinie 3. Der Beobachter muß sich dann zur Zeit der zweiten Beobachtung 
in einem Punkte befunden habenr, der den Abschnitt auf der Standlinie 2 in dem
	        
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