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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Brill, A.: Über eine neue einheitliche Methode zur nautischen und aeronautischen Ortsbestimmung. 681 
die in ihrem Schnittpunkte mit dem rechnerisch gefundenen Breitenkreise oder 
mit der Standlinie des Polarsterns den gesuchten Beobachtungsort gibt. Das 
Verfahren mit zwei Standlinien ist indessen ganz allgemein für die Beobachtung 
zweier beliebiger Sterne gültig; natürlich dürfen diese nicht sehr nahe gleiches 
oder sich sehr nahe um 180° unterscheidendes Azimut haben, da sonst die Orts- 
bestimmung an sich illusorisch wird, indem die beiden Standlinien sehr nahe 
zusammenfallen, und ihr Schnittpunkt nicht mit Sicherheit festzustellen ist. Ist 
ein Fixstern beobachtet, so werden die Einstellungsgrößen des Instrumentes aus 
der Fixsterntafel entnommen. Ist die Höhe von Sonne, Mond oder Planeten ge- 
messen, so gibt die Tafel mit den beiden Eingängen, Stundenwinkel und Deklination, 
die Einstellungsgrößen; die Positionen der Gestirne werden aus dem Jahrbuch 
entnommen, 
Weit ungünstiger als die Ortsbestimmung aus den Höhenmessungen zweier 
Gestirne gestaltet sich die astronomische Orientierung nach einem Himmelsobjekt. 
Im allgemeinen wird am Tage nur die Sonne zur Verfügung stehen; gelegentlich 
wird auch nachts nur der Mond sichtbar sein. Zur vollständigen Ortsbestimmung 
gehören alsdann Höhen- und Azimutmessungen. Mit der beobachteten Höhe 
liefert der Apparat eine Standlinie. Die Azimutbeobachtung wird am vorteil- 
haftesten in der Weise zur Ortsbestimmung verwertet, daß für zwei Punkte der 
Standlinie die magnetischen Azimute bestimmt werden, zwischen die das beob- 
achtete magnetische Azimut graphisch eingeschaltet wird.!) Die astronomischen 
Azimute für die beiden Punkte werden am einfachsten‘ mit Hilfe des von 
Herrn Professor Runge angegebenen Sinusrechenschiebers nach der Gleichung: 
sin A .cosh = sin t + cos ö- 
bestimmt. Die Rechnung wird in folgender Weise ausgeführt: 
Die geographische Lage des Beobachtungsortes auf der Standlinie ist 
näherungsweise bekannt. Die Längen zweier Punkte 1 und 2 auf der Standlinie, 
zwischen denen der unbekannte Ort liegt, sind A, und A4,; die Längen westlich 
von Greenwich werden positiv gerechnet, die Längen Östlich von Greenwich 
negativ. Der Stundenwinkel des Gestirns in der Kartenmitte, deren Länge 4 ist, 
zur Beobachtungszeit ist t. Für die Punkte 1 und 2 auf der Standlinie sind 
danach die Stundenwinkel: 
t=t-(4-—M: b=t—(A4—M. 
Es wird zweckmäßig sein, den Längenunterschied gegen den Meridian der 
Kartenmitte in der Karte direkt in Zeitminuten ausgedrückt zu geben. Auf dem 
Sinusrechenschieber werden 90° — h und 90° — ö gegenübergestellt; auf der Skala 
von 6 werden gegenüber den Werten t, und t, auf der h-Skala, die noch eine 
zweite Bezifferung in Stunden und Minuten trägt, die zugehörigen astronomischen 
Azimute A, und A, abgelesen. Durch Anbringung der Mißweisung, die für die 
Orte 1 und 2 auf der Standlinie aus einer Isogonenkarte entnommen wird, erhält 
man die zugehörigen magnetischen Azimute. Die graphische Interpolation des 
beobachteten: magnetischen Azimuts zwischen die berechneten magnetischen 
Azimute gibt den unbekannten Beobachtungsort auf der Standlinie, 
Nach der Gleichung: sin A -cosh == sint - cos $ bleibt es unbestimmt, ob A 
oder 180°— A das astronomische Azimut ist. Wenn h«<|ö| ist, so ist bei 
positivem 6 das Azimut stets ein stumpfer Winkel, bei negativem ö dagegen 
stets ein spitzer Winkel. In dem Falle h > | ö | gilt der spitze Winkel für die 
nördlichen Breiten, der stumpfe für die südlichen Breiten des Standlinienkreises. 
Die Grenzpunkte auf der Standlinie zwischen nördlichen und südlichen Breiten 
sind gegeben durch die Umkehrpunkte, in denen die Standlinie ihre östlichste 
oder westlichste Elongation erreicht. 
1) Die im folgenden angegebenen Methoden unterscheiden sich von den von Herrn Professor 
Runge vorgeschlagenen im wesentlichen nur durch die Art ihrer Anwendung (vgl. Nachrichten der 
Königl.‘ Gesellschaft der Wissenschaften in Götiingen 1909, Heft 3), 
Ann. d. Hydr. usw., 1910, Heft XII.
	        
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