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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Brill, A.: Über eine neue einheitliche Methode zur nautischen und aeronaufischen Ortsbestimmung. 677 
Der praktische Nutzen des Apparates kann durch eine zweckentsprechende 
Ausführung der Landkarte und des Standlinienstreifens wesentlich erhöht werden, 
Um die zeichnerische Interpolation der Standlinien in der Karte in bequemer 
Weise ausführen zu können, ist es vorteilhaft, die Standlinien auf dem Streifen 
möglichst dicht zu zeichnen. An dem nautischen Instrument sind die Standlinien 
passend in Intervallen von 5 Bogenminuten zu zeichnen, an dem aeronautischen 
Instrument in Intervallen von 10 Bogenminuten; die ganzen und halben Grade 
können in Farbe und Druck hervortreten.!‘) In die Karie wird ein Gradnetz ge- 
zeichnet, die Breitenkreise in Abständen von 15 Bogenminuten, die Meridiane in 
Abständen von 30 Bogenminuten oder 2 Zeitminuten, Die kleinen Trapezfelder 
in der Karte sollen dann den Sektionen der aeronautischen Landkarte ent- 
sprechen, die von der Internationalen Kommission für aeronautische Landkarten 
herausgegeben wird. Jedes dieser Felder wird mit einer Nummer versehen, die 
gleich der Nummer der zugehörigen aeronautischen Karte ist. Aus dieser kann 
sofort die ungefähre Lage des Beobachtungsortes entnommen werden, ohne daß 
es nötig ist, aus der Landkarte des Instrumentes zuvor die Breite und Länge 
zu entnehmen. In gleicher Weise ließe sich auch in der Nautik eine Karte 
zeichnen mit Feldern, welche die Nummern entsprechender Seekarten tragen. 
Zur Auswertung der Beobachtungen braucht der Navigationsoffizier ein 
Jahrbuch, aus dem er die nötigen astronomischen Daten entnehmen kann. Das 
Nautische Jahrbuch, das für die Bedürfnisse der Seeschiffahrt zugeschnitten ist, 
eignet sich nicht für die Luftschiffahrt, weil die mit übertriebener Genauigkeit 
angegebenen Daten ihre Entnahme sehr erschweren. Es wird sich daher empfehlen, 
für den aeronautischen Gebrauch ein besonderes aeronautisch-astronomisches Jahr- 
buch herauszugeben, das in vielen Fällen auch den Ansprüchen der Nautiker 
genügen wird, In diesem Jahrbuch werden alle Winkelangaben in ganzen Bogen- 
minuten, alle Zeitangaben in Zehntelzeitminuten gemacht. Die Positionen 
{Rektaszension und Deklination) von Sonne und großen Planeten nebst den 
Reduktionsgrößen, Zeitgleichung, Rektaszension der mittleren Sonne und Horizontal- 
parallaxe des Mondes, sind für den mittleren Greenwicher Mittag eines jeden Tages 
im Jahre gegeben, die Position des Mondes für jede Stunde des Tages, In das 
Jahrbuch sind ferner aufzunehmen :eine Tafel der Refraktionskorrektion mit dem 
Argument der Höhe und eine Tafel der Korrektion für die Parallaxe des Mondes, 
die zusammen mit der Refraktion als Gesamtbeschickung der Mondhöhe mit den 
Argumenten der Horizontalparallaxe und der Höhe tabuliert wird und stets 
positiv an die Höhe anzubringen ist. Die Angaben des Jahrbuches beziehen 
sich auf den mittleren Greenwicher Mittag und müssen daher stets auf die Beob- 
achtungszeit reduziert werden, 
Der erste Teil der Tafelsammlung dient als Grundlage für den zweiten 
Teil, aus dem die zur Einstellung des Instrumentes erforderlichen Größen ent- 
nommen. werden. Je nachdem die Deklination des beobachteten Gestirns konstant 
(Fixsterne) oder veränderlich ist (Sonne, Mond und Planeten), ist die Art der 
Tabulierung eine andere. Für die Fixsterne sind die Einstellungsgrößen Azimut 
und Höhe in der Kartenmitte mit dem Argument der Sternzeit der Kartenmitte 
oder, was wegen der auf den Greenwicher Meridian bezogenen Jahrbuchsdaten 
bequemer sein kann, mit dem Argument der Greenwicher Sternzeit in eine von 
10 zu 10 Zeitminuten fortschreitende Tafel gebracht. Zur Interpolation für die 
Beobachtungszeit dienen die unter »Diff. pr. .1 Min.« stehenden minutlichen 
Änderungen in Azimut und Höhe, die im Azimut auf 0°.01, in der Höhe auf 0.1 
angegeben sind, Das folgende Beispiel, an dessen Spitze die für Sirius gültige 
Tabelle für das mittlere AÄquinoktium 1910 Januar 0 im Auszug wiedergegeben 
ist, mag zeigen, wie im speziellen Falle die Einstellungsgrößen des Instrumentes 
aus der Tafel entnommen werden: ; 
1) Dem besonders von den Aeronauten vertretenen Grundsatz, bei Auswertung astronomischer 
Beobachtungen die Rechnung auf ein Mindestmaß zu beschränken, kann man hier noch insofern 
Rechnung tragen, als die Standlinien den scheinbaren, mit dem Fehler der mittleren Refraktion be- 
hafteten Höhen entsprechen, Naturgemäß wird dann die unten erwähnte Tafelsammlung zur Entnahme 
der Einstellungserößen des Instrumentes ebenfalls die scheinbaren. Höhen als Tafelwerte enthalten.
	        
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