Mey: Die dänische ozeanographische Expedition nach dem Mittelmeere im Winter 1908/09. 665
Schicht ein konstanter Salzgehalt entspricht. Dann tritt ein Steigen des Salz-
gehaltes zu einem Maximum in der erwähnten warmen Zwischenschicht ein, dem
nach der Tiefe hin ein langsames Fallen und bald ein wieder bis in die größten
Tiefen konstanter Wert folgt. Im einzelnen ist für die. verschiedenen Meere zu
bemerken, daß die Tiefenlage des Maximums variiert und daß dessen absoluter
Wert von Osten nach Westen zu abnimmt, sich aber noch bis in die Nähe der
Straße von Gibraltar feststellen läßt. Auch der Salzgehalt des Tiefwassers nimmt
in ost-westlicher Richtung etwas ab, dagegen ist das Balearische Meer an der
Oberfläche bedeutend salzreicher als die anderen Meere.
Als bedeutsamstes Ergebnis der Bestimmungen des Sauerstoffgehaltes im
Wasser des westlichen Mittelmeeres ist zu vermerken, daß sich in einer Tiefe
von etwa 600 m, also an der unteren Grenze der wärmeren und salzhaltigeren
Zwischenschicht, ein Minimum des Sauerstoffgehaltes findet und daß dieser bis
zur größten Tiefe hin wieder deutlich zunimmt. Ein solches Minimum in einer
Zwischenschicht wurde auch schon von Brennecke?) im Atlantischen Ozean
westlich von Europa und Afrika gefunden. Drückt man den jeweiligen Sauer-
stoffgehalt aus in Prozenten der für den Sättigungszustand nötigen Menge, so
Fig. 2,
Liängyenschnitt durch die Straße von Gibraltar.
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Das punktierte Gebiet bezeichnet Wasser von 36.5 bis 38.0% Salzgehalt.
ergibt sich für das erwähnte Minimum östlich der Straße von Gibraltar der Wert
von 67.4%., im südlichen Teile des westlichen Mittelmeeres 70 bis 71%. Das
Minimum schwächt sich also nach Osten hin ab, und es ist bemerkenswert, daß
die Pola-Expedition im östlichen Mittelmeer ein solches Minimum nicht gefunden
hat. Es ist noch die Tatsache zu erwähnen, daß in dem etwas abgesonderten
Tyrrhenischen Meere in der Tiefe der Sauerstoffgehalt durchgängig etwas geringer
ist als im übrigen westlichen Mittelmeerbecken.
Um alle diese Forschungsergebnisse erklären zu können, werden neue Vor-
stellungen über die Zirkulation des Wassers im Mittelmeer nötig. Es ist bekannt,
daß ein Einströmen atlantischen Wassers durch die Straße von Gibraltar in das
Mittelmeer dadurch bedingt wird, daß in den regenarmen Gegenden mehr Wasser
verdunstet als durch Niederschläge zugeführt wird, so daß ein Sinken des Niveaus
eintreten muß. Daß diesem Einströmen aber auch ein Ausströmen von Mittel-
meerwasser nach dem Atlantischen Ozean gegenübersteht, wurde zum erste Male
von Carpenter?) bewiesen, Die zahlreichen Messungen des »Thor« ermöglichten
es, einen Längsschnitt durch die Straße von Gibraltar und ihre Nachbarschaft
zu. zeichnen, der in Fig. 2 wiedergegeben ist. Wir sehen hier, wie das schwere
Forschungsreise S. M. S. »Planet« 1906/07, Berlin 1909.
Proc, Roy. Soc. Lond, XIX. pag. 146. 1870/71,
Ann, d, Hydr, usw. 1910, Heft XIL