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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1910. 
Die Zweiteilung des Mittelmeeres durch einen nur 300 bis 400 m tiefen 
Rücken zwischen Sizilien und Tunis spiegelt sich auch in den Tiefenverhältnissen 
im westlichen und östlichen Becken wieder. Während in beiden Becken von 
etwa 400 bis 600 m an abwärts die Wassertemperatur konstant wird, ist deren 
Betrag im östlichen Becken mit 13.8° um fast 1° höher als der im westlichen Becken 
(12.9° bis 13.0°. Nielsen nimmt an, daß innerhalb des ganzen östlichen Beckens 
in der Tiefe eine gleichmäßige Temperatur herrscht. Im westlichen Mittelmeer 
sondert sich das Tyrrhenische Meer ab, das in der Tiefe eine gleichmäßige Tem- 
peratur von 13.2° bis 13.3° besitzt, die also um etwa 0,3° höher ist als in den 
übrigen Teilen des westlichen Mittelmeeres. Der Grund dafür ist auch hier in 
einer gewissen Abgeschlossenheit des Tyrrhenischen Meeres, besonders gegen das 
Balearische Meer hin, zu suchen, die eine unbehinderte Kommunikation der Tiefen- 
wasser nicht zuläßt. 
Das Mittelmeerwasser zeigt in den größten Tiefen noch Temperaturen, die 
sich von denen der Oberflächenschichten nicht bedeutend unterscheiden. Aber 
innerhalb dieser anscheinend außerordentlich gleichmäßig temperierten Wasser- 
massen ergeben sich doch außerordentlich wichtige Temperaturunterschiede, die 
eben durch die »Thor«-Expedition zum ersten Male festgestellt wurden. 
Fig. 1. 
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——————— Temperatur, ——— Salzgehalt. 
I und IV, II und V, IIT und VI beziehen sich auf eine Station im ‚Jonischen, Tyrrhenischen 
und Balearischen Meer. 
Für die drei hauptsächlich untersuchten Meeresteile, das Jonische, das 
Tyrrhenische und das Balearische Meer ist in je einer charakteristischen Kurve 
der vertikale -Temperaturverlauf während der kalten Jahreszeit dargestellt, die 
Fig. 1 gibt dieselben wieder, Man ersieht daraus, daß in einer oberen Schicht, 
deren Dicke nach dem Ende des Winters zu wächst,!) konstante Temperatur 
herrscht, dann kommt (bes. Kurve I) eine Schicht mit rascher Temperaturabnahme, 
worauf die Temperatur wieder zu einem Maximum ansteigt und dann langsam 
fällt, bis sie bei etwa 600 m Tiefe konstant wird. Die obere Schicht mit kon- 
stanter Temperatur erklärt sich durch Konvektionsströme infolge der winterlichen 
Abkühlung der Oberfläche. Die darunterliegende Schicht mit rascher Temperatur- 
abnahme zeigt uns, besonders bei Kurve I, in einem Reste den durch die sommer- 
liche Wärme bedingten Temperaturverlauf und beweist, daß im Jonischen Meere 
die Oberflächenschicht mit jährlicher Temperaturperiode eine Dicke von etwa 
150 m hat, also bedeutend größer ist als Hann®) annahm (etwa 100 m). 
Für das Temperaturmaximum in einer Mittelschicht soll nachher eine Er- 
klärung gegeben werden. Es ist wichtig, daß diesem Maximum der Temperatur 
auch ein Maximum des Salzgehaltes in derselben Tiefe entspricht. In Fig. 1 sind 
für den vertikalen Gang des Salzgehaltes ebenfalls drei für die einzelnen Meeres- 
teile charakteristische Kurven gegeben. Sie zeigen, daß der oberen homothermen 
1) Kurve I zeigt die Verhältnisse im Dezember, Kurve III Ende Januar, 
2) »Met, Ztschr.« 1908, pg. 217.
	        
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