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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

662 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1910. 
Wellen vor, welche uninodal, binodal usw. sein können. Die Zeitperiode, in 
welcher eine Hälfte des Wirbels der uninodalischen Welle vorgeht, kann man 
durch folgende Formel ausdrücken: 
tet, 
Vgh 
£ ist die Halbperiode des Seiches, Z/ die Länge, g die Beschleunigung der 
Schwerkraft, % die mittlere Tiefe. Die Periode der binodalischen Seiche ist nach 
der Dühna-Theorie zweimal kürzer, der trinodalischen dreimal kürzer usw. 
Da die Länge des Aral-Sees 428 km und die mittlere Tiefe 16 m ist, so 
soll die Periode der uninodalischen Seiche nach der obenerwähnten Formel un- 
gefähr 19 Stunden dauern. Für das Erforschen der Seicheperioden wurde auf 
dem See ein Limnograph (Rordanz-System), der in der 29, Ausgabe der »Hydro- 
graphische Bemerkungen« beschrieben ist, aufgestellt. Die größte Serie der un- 
unterbrochenen Seiche wurde während 22 Tagen beobachtet (vom 27. Juni bis 
zum 18. Juli 1905), das war die allerlängste beobachtete Seicheserie. 
Während 263 Tagen, von der zweiten Hälfte im September des Jahres 1904 
bis August des Jahres 1905 (wenn man Januar, Februar und März ausnimmt), 
wurden 1380 Seicheperioden, die deutlich hervortraten und von 22 bis 23.5 Stunden 
dauerten, konstatiert. Die mittlere Dauer einer Seicheperiode, die aus 2950 Beob- 
achtungen berechnet wurde, ist 22%, Stunden. Das ist die allerlängste Periode, 
die je auf den Seen beobachtet wurde; die bis jetzt bekannte längste Seiche- 
periode war auf dem Platen-See (10 bis 12 Stunden) und auf dem KEiri (14 bis 
16 Stunden). 
Die mittlere Höhe der Seiches auf der Station »Aral-See« in 9 Monaten 
war 23,9 em und die maximale Höhe erreichte vom 31, Mai bis 1. Juni 1905 100 cm. 
Das Zusammenstellen der Seiches mit den atmosphärischen Verhältnissen 
zeigt, daß die Ursache derselben in den raschen Veränderungen des Luftdruckes 
und in den starken Winden liegt, und wenn die Seiches schon einmal eingetreten 
waren, so halten sie infolge der Trägheit immer an, obgleich die Atmosphäre in 
den normalen Zustand zurückgekehrt ist. 
Was die Flut und Ebbe anbetrifft, so soll ihre maximale theoretische 
Größe im Aral-See zur Zeit des Neu- und Vollmonds nicht 3'/„ cm übersteigen, 
doch wurde sie durch den Apparat nicht angezeigt, denn sie war wahrscheinlich 
durch andere bedeutendere Schwankungen des Wasserstandes verdeckt. 
Bergs Beobachtungen über die Strömungen konstatieren dieselben längs 
der Westküste des Aral-Sees in der nördlichen Richtung mit 1.3 km maximaler 
Geschwindigkeit; weiter von der Mündung der Syr-Darja, längs der Ostküste 
nach Süd beobachtet man noch eine Strömung. »Diese beiden Strömungen«, 
meint Berg, »zeigen, daß in der Sce eine Wasserzirkulation von der Mündung 
der Syr-Darja in der Richtung des Uhrzeigers längs der äußeren Linie der 
Inseln an der Westküste zur Amu-Darja-Mündung existiert und von hier längs 
der Westküste des Sees nach Nord strömt; nachdem diese Strömung die nord- 
westliche Ecke des Sees erreicht hat, geht sie nach Osten, und dann, wie es 
scheint, nach Süd längs der Westküste zur Kulands-Halbinsel. Weiter habe ich 
keine Möglichkeit gehabt, diese Strömung zu beobachten.« In dem Kaspischen 
Meer existiert eine analoge Wasserzirkulation, aber in der entgegengesetzten 
Richtung, was nach‘ Bergs Meinung infolge einer anderen Verteilung des spe- 
zifischen Gewichts geschieht, 
Außer dieser Zirkulation gibt es noch eine Menge anderer, echt lokaler 
Strömungen, die sich unter der Wirkung der zeitlichen Winde entwickeln, 
Obgleich Berg, da er keine entsprechenden Instrumente hatte, die Boden- 
strömungen nicht beobachten konnte, so führt er doch gewisse Ergebnisse an, 
die die Existenz solcher Strömungen zeigen, besonders an den Küsten, wo sie in 
der entgegengesetzten Richtung zum Oberflächenstrom gehen, 
Ebenso. konstatiert man noch eine sogenannte Kompensationsströmung, die 
ihre Entstehung den anderen Strömungen verdankt, Besonders deutlich zeigen 
sie sich an den Mündungen der Flüsse, indem das salzhaltige Wasser am Boden 
ganz bis zur Barre sinkt.
	        
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