Sowetow, S.: Der Aral-See,
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von nur 72 mm Dicke bilden, während in den Ozeanen bei denselben Bedingungen
diese Salzschicht, nach Krümmel, 60000 mm Dicke erreichen könnte,
Berg erklärt diesen minimalen Salzgehalt des Aral-Sees damit, daß der
See früher durchfließend war, so daß noch zu wenig Zeit vergangen ist, um
einen viel größeren Salzgehalt zu gewinnen.
Was die Temperaturverteilung des Aral-Sees anbetrifft, so kann man sie
sich in folgender Weise vorstellen: Die höchste Temperatur der Oberfläche in
dem pelagischen Teile des Sees erreicht 27° C. und mehr im Juli und August,
besonders an den Südküsten, wo sie bis zu 30° C, steigt; die niedrigste Tempe-
ratur beim Gefrieren ist 0.5° C.; die absolute Schwankung der Wassertemperatur
des Aral-Sees ist 30° C. für die Ufergegend und 28° für den freien See.
Die täglichen Schwankungen an den Uferstationen sind sehr groß, be-
sonders während der Landwinde, die die warme Oberflächenschicht wegtreiben
und an deren Stelle das kalte Bodenwasser hervortritt.
Die Tiefentemperatur ist außerordentlich niedrig und besonders am Boden;
in Sommermonaten gibt sie 1 bis 5°. Sie nimmt im Sommer mit der Tiefe ab,
das heißt nach Forels Theorie, daß eine parallele Schichtung existiert (strati-
fication directe); Bergs Beobachtungen aber zeigen, daß die Temperatur mit
der Tiefe nicht regelmäßig fällt, und daß die Isotherme schief gerichtet‘ ist,
was wahrscheinlich von den Winden bewirkt ist.
Im Aral-See wie auch in anderen Seen existiert eine sogenannte »Sprung-
schicht«, d. h. ein schneller Fall der Temperatur auf einer kurzen Strecke, dabei
beobachtet man, daß an den Tiefwasserstationen diese Sprungschicht näher der
Oberfläche liegt, an den Seichtwasserstationen aber tiefer und zuweilen fast ganz
auf dem Boden. Diese Sprungschicht hängt von der täglichen Wasserzirkulation,
von der Tageswärme und von der nächtlichen Abkühlung ab, indem sie eine
Grenze, bis zu der der Konvektionsstrom sich verbreitet, bildet. ;
Einzelne Fälle der Erhebung der Temperatur mit der Tiefe wurden be-
sonders in der Nähe des Bodens beobachtet, wo das Wasser infolge des Faulens
des Wassergrases sich erwärmen kann.
Im Winter, wenn der See teils gefroren ist, konstatiert man eine ganz ent-
gegengesetzte Temperaturschichtung (stratification inverse). Deshalb ist der Aral-
See nach Forels und Woeikows Klassifikation in die Reihe der gemäßigten
Seen zu stellen, |
Der Aral-See gefriert jedes Jahr, indem sein nordöstlicher Teil sich mit Eis
bedeckt, ebenso: die südwestliche Ecke. Die anderen Teile des Sees bedecken
sich nicht jedes Jahr mit Eis. Diese Eisbildung entsteht gewöhnlich im De-
zember; der Eisgang stellt sich in der zweiten Hälfte des April ein. Die Stärke
des Eises erreicht an den Küsten ein Arschin-Dicke, zuweilen noch mehr.
Die Durchsichtigkeit des Wassers des Aral-Sees wurde von Berg an
936 Stellen bestimmt; nach diesen Beobachtungen wurde eine Karte zusammen-
gestellt, Die größte Durchsichtigkeit, bis 20 m, wurde im Zentralteile des Sees
gefunden, wo man an einigen Stellen den Boden sehen kann; der Uferteil, be-
sonders an der Mündung der Amu-Darje, ist wenig durchsichtig (0 bis 10 m).
Die Sprungschicht der Temperatur steht auch. mit der Durchsichtigkeit des Sees
in Beziehung.
‘Die Wasserfarbe steht ebenso mit der Durchsichtigkeit in Verbindung.
Das Wasser ist im Zentralteile dunkelblau und wird nach den Küsten hin grün.
Das VI, Kapitel enthält Erforschungen, die sich auf den Wasserstand und
die Strömungen des Sees beziehen. Berg analysiert die Bedingungen, welche
die Veränderungen des Wasserstandes bewirken können, wie zum Beispiel: kli-
matische Erscheinungen, Veränderungen in der Form des Seebodens, Luftdruck,
Winde, Wellen und auch andere, ‘Dabei widmet er besondere Aufmerksamkeit
den sogenannten Seichen, das heißt den kurzdauernden Wasserstandswellen, die
infolge der raschen Veränderungen der meteorologischen Verhältnisse entstehen,
wie z, B. bei den Vorgängen der Depressionen, Diese Seichen stellen stabile