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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

A elr 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Dezember 1910. 
Das V, Kapitel behandelt hydrologische Fragen, wie: die hymische Zu- 
sammensetzung, den Salzgehalt, das spezifische Gewicht, die Wassertemperatur, 
die Eisverhältnisse, die Durchsichtigkeit des Wassers und die Wasserfarbe des 
Avral-Sees, Leider gibt der Verfasser zu den klimatologischen und hydrologischen 
Beschreibungen des Sees gar keine graphischen Darstellungen, die eine klarere 
Vorstellung der Verteilung und des Ganges der meteorologischen und hydro- 
logischen Elemente geben würden als die Zahlen der großen Tafeln. Was die 
hymische Zusammensetzung des Wassers des Aral-Sees anbetrifft, so liegen eine 
ganze Reihe Bestimmungen vor, nämlich: 1, Von Scheich im Jahre 1872; 
2. von Schmidt, 24. Juni 1873; 3. von Pratz, 1874; 4. von Rosengren, 1875 
und 5, von Stepanow, 1905. 
Ergebnisse der Analyse und Vergleich derselben für das Kaspische Meer, Schwarze Meer (von 
Lebedintsew) und für den Ozean (von Forphammer). 
100 Teile des Gewichts des trockenen Sediments enthalten: 
der Aral-See | das Kaspische Meer | das Schwarze Meer 
(Stepanow) 
14.98 
25,87 
2.05 
56.07 
0.82 
0.21 
D.61 
Co SO, 
MgSÖ, . 
KCL .. 
NaCl. . 
Mg Cl. +. 
UaCO; CO, . 
Salz%%. 
Spezifisches Wasser 
yawie 17.59 
gewicht Si7z6 
1.008856 
1.0104 
1.0149 
1.0262 
Aus diesen Angaben ersieht man, daß das Wasser des Aral-Sees in seiner 
Zusammensetzung sehr nahe dem Kaspischen Wasser steht, der Vergleich mit dem 
Wasser des Schwarzen Meeres aber gibt das Vorherrschen des schwefelsauren 
Salzes und die Armut an Chloriden, Das zeigt, daß das Wasser des Schwarzen 
Meeres nichts anderes als das entsalzte Ozeanwasser ist, indem das Aral-Seewasser 
und das Kaspische Meerwasser eine ganz eigentümliche Mischung, die diese zwei 
Wasserbecken mehr den Seen nähert, darstellt, 
Diesem Buche ist eine Karte mit Linien gleichen spezifischen Gewichtes 
beigegeben (siehe Taf. 47). Aus dieser Karte kann man entnehmen, daß das 
spezifische Gewicht an dem Küstenstrich und in den Südost-Busen größer ist als 
1.0080, an den Stellen aber, wo Amu-Darija und Syr-Darija münden, erreicht das 
mittlere spezifische Gewicht kaum 1.0080; das steht in großer Beziehung zu den 
Winden, die große Schwankungen herbeiführen. 
Fast auf %/, der Oberfläche des Sees, und zwar auf dem ganzen Zentral- 
becken, hat das Oberflächenwasser das spezifische Gewicht 1.0085 bis 1.0089. An 
der Mündung des Amu-Darija ist der entsalzte Wasserstreifen sehr bedeutend, zu- 
weilen erreicht er 40 Meilen Breite von dem Ufer; an der Mündung des Syr- 
Darija aber ist dieser Streifen viel kleiner, so daß schon in 2 bis 3 Meilen vom 
Ufer das Wasser ein spezifisches Gewicht von 1.0085 hat. An der Westküste des 
Sees enthält das Wasser relativ wenig Salz, was in Verbindung mit der Strömung, 
die von der Amu-Darija-Mündung kommt, steht, dieses salzarme Wasser bildet 
aber nur eine dünne Schicht, die sogar von den leichten Winden, die vom Ufer 
kommen, weggetrieben werden kann und an deren Stelle das salzhaltigere Wasser 
an die Oberfläche tritt. 
Der Salzgehalt des Wassers vergrößert sich mit der Tiefe und erreicht 
1.0097, Diese schnelle Zunahme des Salzgehaltes mit der Tiefe hängt davon ab, 
daß die vom Flußwasser entsalzten Oberflächenschichten durch Verdunstung salz- 
haltiger werdend nach unten sinken. Dies wird auch durch das Gefrieren des 
größten Teils des Aral-Sees bewirkt, wobei, wie bekannt ist, eine Vergrößerung 
des Salzgehalts in den Oberflächenschichten entsteht, die auf den Boden sinken. 
Überhaupt hat das Aral-Seewasser wenig Salz, und wenn man annimmt, 
daß der See vertrocknen könne, so würde sich auf dem Boden eine Salzschicht
	        
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