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Volltext : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

648 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910.

waren außerordentlich selten. Nur an der östlichen Ostseeküste traten solche am
31. aus nordöstlichen Richtungen sowie am 24., im äußersten Osten auch noch am
25., und zwar aus westlichen Richtungen auf. Gewitter wurden in größerer Verbreitung
 nur am 20, im äußersten Osten vom 8. bis 10, beobachtet, Die Zahl
der heiteren Tage zeigte sich schr groß. Vom 14. bis zum Monatsschluß traten
solche häufig auf, im ganzen Küstengebiet am 15,, 18., 25. und 26.
Am 1. September stand die deutsche Küste unter dem Einfluß zweier
Hochdruckgebiete über West- bzw. Nordosteuropa, die durch eine die Ostseeküste
 überlagernde Rinne tiefen Druckes getrennt waren. Es fielen an diesem
Tage im Westen nur geringe, im Osten dagegen stärkere Niederschläge, und das
Wetter war überall sehr ruhig. Am 2, näherte sich eine aus dem Süden
kommende Depression dem Ostseegebiet, während zugleich aus Nordwesteuropa
ein Tiefdruckgebiet herannahte, wobei sich die Niederschläge verstärkten. Am
3, hatte sich die Wetterlage noch ungünstiger gestaltet; die ozeanische Depression
hatte sich mit jenem Tief vereinigt und bedeckte mit ihrem südlichen Teile das
deutsche Küstengebiet, wo stärkere Trübung und größere Regenfälle auftraten
bei Winden meist aus westlichen Richtungen, Am 4. hatte sich eine neue aus
dem Süden kommende Depression mit der von Skandinavien südwärts reichenden
Depression vereinigt; sie bildete ein größeres Depressionsgebiet, das ganz
Zentraleuropa bedeckte und wieder starke Niederschläge im deutschen Küstengebiet
 im Gefolge hatte. Diese Depression blieb für die Witterung an der Küste
bestimmend bis zum 6. Am 7. näherte sich zum dritten Male eine aus Südosteuropa
 kommende Depression der deutschen Küste, die bis zum 14, den Kontinent
bedeckte und meist trübes und regnerisches Wetter bei schwacher Luftbewegung
und nur wenig von den Normalwerten abweichenden Temperaturen herbeiführte.
An diesem Tage, im Osten schon am 13., hatten die Niederschläge bereits
nachgelassen, und am 15, verlagerte sich die Depression bei aufklarendem Wetter
südwärts, wogegen vom Westen her ein Hochdruckgebiet vordrang, das am 17,
kurze Zeit aufgehalten wurde durch einen Ausläufer einer nordischen Depression,
der von den Lofoten nach der Ostseeküste fortgeschritten war und etwas lebhaftere
 nordwestliche Winde hervorrief, Am 18. hatte sich der Ausläufer nordostwärts
 entfernt, und das genannte Hochdruckgebiet bedeckte nunmehr den
größten Teil Europas, mit seinem Kern über dem mittleren Kontinent; es brachte
ruhiges, sonniges Wetter. Am 19. näherte sich eine ozeanische Depression mit
einem Ausläufer an ihrem Südrande der deutschen Küste. Er schritt unter Ausbildung
 eines Teilminimums ostwärts über das Küstengebiet hin und hatte fast
überall Niederschläge im Gefolge. Am 20. befand dieses sich über der Ostsee
und rief am 21. im äußersten Teile der deutschen Küste auf seinem Abmarsch
nach Nordosteuropa steife und stürmische nordwestliche Winde mit Regenfällen
hervor, während der Westen bereits unter dem Einfluß eines ozeanischen Hochdruckgebiets
 gelagert war, das sich über Nacht bis zur Ostsee ausgebreitet hatte,
und am 22, drang dieses weiter ostwärts vor, wurde aber schon am 283. wieder
etwas zurückgedrängt, da eine im Norden vorüberziehende Depression einen
Ausläufer nach dem deutschen Küstengebiet entsandte, der stellenweise starke
Winde hervorrief. Noch ungünstiger gestalteten sich die Witterungsverhältnisse
am 24.,, wo ein neuer Ausläufer des nordischen Tiefdruckgebiets dann nachfolgte,
der namentlich im äußersten Osten stürmische westliche Winde hervorrief, Hier
wehten auch noch am 25. starke böige nordwestliche Winde, als die Depression sich
ostwärts entfernte. Nun folgte vom Westen ein Hochdruckgebiet, das über den
Kontinent hin ostwärts zog und am 25, und 26. der deutschen Küste ruhiges und
heiteres Wetter brachte. Diesem folgte am 27, ein neues Hochdruckgebiet vom
Westen her, das dieses Wetter bis zum 28. im wesentlichen bestehen ließ und
höhere Temperaturen bewirkte. Am 29. dagegen gewann wieder eine ozeanische
Depression Bedeutung für die deutsche Küste, da sie einen Ausläufer an ihrer
Südseite zur Entwicklung brachte, der an den beiden letzten Monatstagen regnerisches
 Wetter herbeiführte.

A

Druck und Verlag von E. S. Mittler & Sohn, Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei
Berlin SW. Kochstraße 68—7.
            
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