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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910.
In der Nähe der Kaps und in den engeren Straßen wurde häufig Strom-
kabbelung beobachtet. Beim Kap St. Georg, südlich der Credner-Inseln beim
Kap Freundschaft und in der Bougainville-Straße bei der Insel Ovau ist dies
eine ständige Erscheinung, die geeignet ist, Unsicherheit in die Schiffahrt zu tragen.
2. Auffällige Kompaßstörungen. Von Herrn Kapitän Ruser, D. „Kaiserin
Auguste Victoria“ der Hamburg - Amerika Linie, sind der Deutschen Seewarte
folgende Mitteilungen zugegangen:
a) »Am 6. Januar 1910 um 7’'/, Uhr abends in etwa 41° 44’ N-Br. und
63° 37’W-Lg., nachdem seit Verlassen des New-Yorker Hafens keine astronomischen
Beobachtungen angestellt werden konnten, klarte es auf, und fanden wir durch
Sternazimute auf OSO-Kurs eine Deviation von 13° W anstatt der auf vorher-
gehenden Reisen beobachteten Deviation von 6° bis 7° W. Es wurden beständig
Beobachtungen angestellt und die verschiedenen Sterne Sirius, Regulus und
Procyon beobachtet, jedoch blieb die Deviation dieselbe bis zum Morgen des
nächsten Tages. Nach 7 Uhr morgens nahm die Deviation wieder rapide ab bis
zur üblichen Deviation von 7° W. Die Kompasse wurden sorgfältig geprüft, ver-
ylichen und wurde bei den sämtlichen Kompassen die erhöhte Deviation vorge-
funden. Ferner wurden die in der Nähe befindlichen elektrischen Leitungen
versuchsweise ein- bzw. ausgeschaltet, doch blieb das Ergebnis dasselbe. Mut-
maßlich herrschten starke elektrische Ströme, welche eine solche Störung hervor-
riefen. Unterstützt wurde diese Annahme dadurch, daß wir mit dem 800 Sm von
uns befindlichen Dampfer „Kaiser Wilhelm IL“ in drahtloser Verbindung standen.
Gewöhnlich wird erst die Verbindung mit Schiffen hergestellt, wenn sich die-
selben innerhalb eines Radius von etwa 250 Sım befinden. Unsere Breite ergab
am Mittag des folgenden Tages eine Versetzung von 18 Minuten Nord.
Auf meine diesbezügliche Anfrage an Kapitän Warr des Dampfers „Umbria“
erhielt ich folgendes Telegramm: We found our ship 15 miles north to-day, but
wether it was from the same influence as you mentioned or not I cannot say,
as we had no observations since leaving till to-day. Dampfer „Umbria“ hatte
New-York vor uns verlassen.
Die Witterung am 5. Januar schlug merkwürdig plötzlich um. Im Hafen
von New-York bis aus dem Ambrose Channel hinaus war die Temperatur der
Luft — 14°C. ging dann in kaum 10 Minuten auf + 3° C. hinauf. Der Wind war
leicht östlich, ging später auf SO, Stärke 3; die Luft war vollständig bezogen.«
b) »Am 26. August 1910 beobachteten wir eine Änderung in der Deviation
des Kompasses um einen Gesamtbetrag von 4°, welches jedoch nicht plötzlich,
sondern sprungweise eintrat,
Während der Nacht vom 25, bis 26, August (Der Dampfer befand sich auf
der Ausreise nach New-York und befand sich nach dem meteorologischen Tage-
buche am 26. August 62 V in 41° 20’ N-Br. und 66° 25 W-Lg. D. Red.) war das
Wetter klar gewesen, so daß Polarsternbeobachtungen genommen werden konnten,
und diese ergaben, daß die von mir im Wachorderbuch eingetragenen Miß-
weisungen, welche alle 3 Stunden um 1° sich ändern sollten, richtig waren. Gegen
Morgen wurde die Luft sehr feucht, die Kimm etwas verschleiert, jedoch konnten
Sonnenpeilungen genommen werden. Eine Peilung um 5% 40m V, der sich sofort
mehrere andere Peilungen anschlossen, ergab eine Änderung der Deviation um
2° Ost; 6% 15m V noch um 2° mehr Ost. Mittlerweile war es häsig, später nebelig
geworden, jedoch blieb die obere Luftschicht klar, so daß ständig weitere Sonnen-
peilungen genommen wurden. Bereits um 7% 30m V klarte das Wetter ab und so-
fort wieder angestellte Azimutbeobachtungen ergaben, daß die Deviation wieder
um 2° zurückgegangen war.
N Im vorigen Jahre beobachteten wir, wie ich damals auch berichtete, eine
Anderung der Deviation fast an derselben Stelle von 7° auch während eines
schnellen Wechsels in der Feuchtigkeit der Luft,«
c) »Am 8. Oktober 1910 4b 20m N passierte D. „Kaiserin Auguste Victoria“
Lizard, der Kurs war S 77°0 per Kompaß mit 1° W Deviation. Beim Kursändern
auf N 85°0 fanden wir plötzlich eine Deviation von 3° bis 6° O0 gegen + 0 auf vor-
herigen Reisen, auch unsere Lotungen ergaben, daß der Kurs zu südlich führte.