630 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910.
St. Alban und der 1!/, Sm westlich davon gelegenen Felshuk, 4 Kblg von der
Küste, von wo aus South Page-Eiland und Kap St. Alban in rw. 78° (mw, ON01/,0)
in Linie peilen, Kleinere Schiffe können entsprechend ihrem Tiefgange auch
noch weiter drinnen ankern, wo innerhalb der 5.5 m-Grenze Strom kaum bemerk-
bar ist. Für Ortsunkundige mag die offene Lage der Bucht den Glauben er-
wecken, daß während Ostsüdostwinde schwerer Seegang in sie hineinsteht. Dies
ist aber nicht der Fall, da die starken Gezeitenströme so große Kabbelung er-
zeugen, daß etwaiger Seegang schon geglättet wird, ehe er seichteres Wasser
erreicht. Die schwerste Dünung entsteht bei stürmischen Südwinden, bei denen
um Kap St. Alban herum Roller in die Bucht hineinlaufen, wodurch manchmal
das Landen in der Nordwestecke der Bucht schwierig wird. Bei solchem Wetter
ist im südlichen Teil der Bucht das schlichteste Wasser, aber mit reichlicher
Kettenlänge können Schiffe auch dann überall in der Bucht vor Anker liegen.
Gezeiten und Gezeitenströme. Die Hafenzeit für die Antechamber-Bucht
ist 2b 15min; die Hochwasserhöhe beträgt bei Springtide 1.2 bis 1.5 m, bei Nipp-
tide 0.6 bis 0.9 m. Die Gezeitenströme laufen vor der Bucht in der Backstairs-
Durchfahrt beinahe bis 2 Stunden nach Hoch- und Niedrigwasser.
Fische sind in der Bucht je nach der Jahreszeit mehr oder weniger
reichlich vorhanden.
Port Victor.
Nach deutschen und englischen Quellen, Brit, Adm-Krt. Nr. 1014, South Coast of Australia, Cape
Jervis to Rivoli Bay; Nr. 2493, Ports in the Gulf of St-Vincent and Encounter Bay, Ports Vietor
and Elliot, Letzte Veröffentlichung »Ann. d. Hydr.« usw. 1593, S, 252.
Port Vietor liegt 64 Sm südlich von Adelaide außerhalb des St. Vincent-
Golfes an der Encounter-Bucht, nordwestlich von der Granite-Insel. Er dient
vielfach zum Verschiffen der auf den Niederungen des Murray-Flusses gewonnenen
Erzeugnisse, die mittels Dampfer den Murray-Fluß hinunter nach Goolwa und
von da mit der Eisenbahn nach Port Victor gebracht werden. Der Hafen ist
auch im Winter ganz sicher, wenngleich bei Stürmen aus Südwest bis Südost
ziemlich hohe See stehen kann; die schwersten Seen werden jedoch durch den
Wellenbrecher von der Landungsbrücke ferngehalten, Die geographische Lage
des. Leuchtfeuers auf dem Ostende der Granite-Insel ist 35° 34’ S-Br. und 138°
38’ O-Lg. Die Mißweisung für das Jahr 1910 beträgt etwa 5.5° O, sie ist ungefähr
stationär,
Allgemeines. Die Encounter-Bucht ist zwischen Newland Head im West-
südwesten und der Mündung des Murray-Flusses im Ostnordosten 19 Sm breit
und in nordnordwestlicher Richtung 5 Sm tief, Die Wassertiefen betragen in der
Mitte der Bucht 27 bis 23 m und nehmen nach Norden zu allmählich ab. Der
an ihr liegende Hafen Port Vietor wurde zuerst von Kapt. Crozier im Jahre
1837 angelaufen und nach dem von ihm geführten englischen Kriegsschiff
‚Victor« benannt. Der Hafen hat viele Ähnlichkeit mit Alexandrien in Ägypten;
einen bedeutenden Vorzug hat er jedoch vor diesem voraus, als die Einfahrt zu
ihm zwischen der Douglas-Huk, der Nordosthuk der Granite-Insel, und den
Klippen vor Port Elliot frei von Klippen und sonstigen Untiefen ist, so daß auch
Segelschiffe zum Ein- und Auskreuzen genügend Platz haben. .
Landmarken. Newland Head, die Westsüdwesthuk der Encounter-Bucht,
ist ein steiler Küstenabhang; die Küste unmittelbar westlich davon besteht aus
Sandstrand mit einigen felsigen Huken dazwischen und höherem Lande im Hinter-
grunde, Eine Kette dunkelfarbiger Sandhügel erhebt sich ’!/, Sm westlich von
der Huk. 4 Sm nordöstlich von ihr liegt die nach See steil unter Wasser ab-
fallende 40 m hohe West-Insel. Die Rosetta-Huk, gut 1 Sm nordöstlich davon,
ist ein mit Gras bewachsener 96 m hoher, nach Osten zu zerklüfteter, mit Granit-
blöcken bedeckter Hügel. 2 Sm ostnordöstlich davon liegt Seal Rock, ein Granit-
klumpen von 12 m Höhe, Die Granite-Insel an der Einfahrt zum Hafen ist eine
kahle Insel, deren beinahe flacher Gipfel 34 m Höhe erreicht; an den Seiten der