Voigt, O.: Instrument zur graphischen Darstellung von Standlinien. 6925.
hin- und hergehenden Bewegung der Schraubenmutter auf das Stahlband erfolgt
mittels zweier Schubstangen, die bei B und B, mit Rollen versehen sind, um die
Reibung am Lineal zu vermindern. Beide Schrauben S und S, werden von einer
Welle aus mittels Kegelräder R und R, gleichmäßig gedreht. Diese Welle bewegt
gleichzeitig ein Schneckenrad, das eine |Kreisteilung trägt, die auf diese Weise
an der festen Marke H —M vorbeiwandert. Es ist ein leichtes, diese Teilung
empirisch so einzurichten, daß man an ihr den einem eingestellten Bogen des Lineals
entsprechenden Krümmungsradius ablesen kann. Die Kreisteilung erfolgt im
vorliegenden Falle im Interesse der Bequemlichkeit nach einem anderen Gesichts-
punkte, nämlich derart, daß die Teilstriche der Skala direkt die Gestirnshöhe
angeben, denen das jeweils eingestellte Bogenstück infolge seiner Krümmung als
Standlinie zugeordnet ist.
Unter Zuhilfenahme des beschriebenen Instruments gestaltet sich die Aus-
führung einer Ortsbestimmung folgendermaßen: Man mißt mit -Sextant oder
Libellenquadrant eine Gestirnshöhe. Aus einer für den gemessenen Stern gültigen
einfachen Tabelle, wie sie im Auszug für Wega unter !) wiedergegeben ist, ent-
nimmt man mit dem Argument der Sternzeit zwei Werte: Höhe und Azimut,
unter denen der Stern .zur Zeit der Messung im Kartenmittelpunkt erscheint.
Diese Größen bedingen die Einstellung des Instruments. Das Kurvenlineal wird
bei H—M auf die der gemessenen Höhe entsprechende Krümmung eingestellt
und auf den Punkt der Höhendifferenzskala gebracht, der der Differenz zwischen
der gemessenen Höhe und der der Tabelle entnommenen Höhe für die Kartenmitte
entspricht. Durch Drehen der Landkarte wird der Punkt der Kreisteilung, der
dem der Tabelle entnommenen Azimut entspricht, der Marke A —M gegenüber-
gestellt. Die nunmehr entlang dem Lineal auf der Karte gezogene Kurve ist die
erste Standlinie.
Die Höhenmessung an einem zweiten Sterne und die analoge Einstellung
liefert eine zweite Standlinie; ihr Schnittpunkt mit der ersten ist der gesuchte
Erdort,
Anlaß zur Konstruktion des im vorstehenden beschriebenen Instruments
gaben gewisse Mängel, die Apparaten anhaften, bei denen über einer Karte trans-
parente Standliniensysterhe orientiert werden, Die Mängel dieser Verfahren be-
stehen darin, daß bei der erforderlichen Genauigkeit der Auswertung die Stand-
linien für geringe Höhendifferenzen (also dicht nebeneinander) :auf der trans-
parenten Folie eingetragen sein müssen. Mit der Dichte des Liniensystems nimmt
aber die Unübersichtlichkeit stark zu, Außerdem setzt die Verwendung trans-
parenter Karten ‚sehr gute Beleuchtung voraus, einen Faktor, dem z. B. im Falle
der astronomischen Ortsbestimmung im Ballon schwer Rechnung zu tragen ist,
Im Gegensatz dazu werden bei dem oben beschriebenen Instrument nur die zwei
zu einer. Ortsbestimmung jeweils erforderlichen Standlinien gezogen; zur Beobach-
tung in der Aufsicht genügt ferner eine wesentlich schwächere Beleuchtung, als sie
zum Ablesen in der Durchsicht erforderlich ist.
Wega (« Lyrae).
Sternzeit
13h Omin
10-
X)
30
in
50
14h Omin
Azimut
2.46.7°
248.2°
249.7°
251.2°
252,8°
254,30
255.99
Differenz pr. 1 min
A 0.159
0.159
0.15%
9.16°
0.15°
0.16°
Höhe
320 25
330° 54’
35° 34’
36° 54’
38° 26
39° 50’
41° 392’
Differenz pr. 1 min
59
9.0
9.0
9,92’
9.37
9.37