Voigt, O.: Instrument zur graphischen Darstellung von Standlinien. 633
Projektion, da sie azimutal ist, noch charakteristisch, daß auch die Winkel, die
Strahlen durch die Kartenmitte gegenseitig einschließen, getreu sind; gleichen
Winkeln entsprechen gleiche Azimutdifferenzen. Bei Verwendung der zenitalen
mittelabstandstreuen Azimutalprojektion kann man unter Zugrundelegung eines
Kartendurchmessers von 10°, ohne die Fehlergrenze unter eine Bogenminute
herabzusetzen, die Standlinien orthographisch projizieren und dabei doch der
mittelabstandstreuen Projektion insofern gerecht werden, als man die Standlinien
in Abständen zeichnet, die den Gestirnshöhen direkt proportional sind. Die
orthographische Projektion weicht von der mittelabstandstreuen für kleine Ge-
biete der Erdoberfläche ganz unbeträchtlich ab. Bei einem Kartendurchmesser
von 10 Grad ist der Radius der Karte in orthographischer Projektion um !/,909
kleiner als der Radius der Karte in mittelabstandstreuer Projektion. Die Azi-
mutalität bleibt bei beiden Projektionsarten dieselbe, Die einer bestimmten Höhe
entsprechende Standlinie zeigt in orthographischer Projektion je nach ihrer Lage
zur Karte zwar verschiedenes Aussehen; die Unterschiede sind indessen so gering,
daß man innerhalb der Genauigkeitsgrenze den Standlinien einen mittleren
typischen Verlauf geben kann, und zwar zweckmäßig den, der der Karten-
mitte entspricht. Die Standlinien sind in diesem Falle Ellipsenbögen. Die
Exzentrizität der Ellipsen ist proportional dem Quadrat des Cosinus der
Gestirnshöhe.
Ohne die Genauigkeit der Methode wesentlich zu vermindern, kann man
die Ellipsenbögen durch Kreisbögen ersetzen, deren Radien proportional der
Cotangente der Höhe sind.
Der besondere Vorteil der zenitalen mittelabstandstreuen Azimutalprojektion
als Kartenprojektion besteht darin, daß sie eine äußerst bequeme Orientierung
der Standlinien über einem beschränkten Gebiete in relativ großem Maßstabe
ermöglicht. Während die Orientierung der Standlinien bei anderen Methoden
(z. B. auf der Kohlschütterschen Meßkarte) durch Stundenwinkel und Deklination
erfolgt, ist sie bei Verwendung der zenitalen mittelabstandstreuen Azimutal-
projektion durch Höhe und Azimut im Kartenmittelpunkt gegeben,
Das auf Grund dieser Überlegung von Herrn Brill konstruierte Instrument
löst das Problem der Orientierung zweier Standliniensysteme über einer Karte in
sehr geschickter Weise,
Unter Zugrundelegung einer Landkarte in zenitaler mittelabstandstreuer
Azimutalprojektion gelangte der Verfasser zu der Konstruktion eines Instruments,
das seines Erachtens gegenüber Methoden, die zur Auswertung astronomischer
Positionsbestimmungen transparente Folien verwenden, gewisse Vorteile bietet,
Auf der genannten Karte, die in der üblichen Kartentechnik hergestellt ist,
werden mittels eines auf Bögen von verschieden großem Krümmungsradius ein-
stellbaren Kurvenlineals, das gerade den durch die Art der Kartenprojektion
bedingten Verlauf der Kurven liefert, Standlinien gezeichnet. Der Schnittpunkt
zweier Standlinien liefert den jeweils gesuchten Erdort,
Die Einzelheiten der Konstruktion gehen aus der folgenden Beschreibung
des Instruments hervor.
In der Mitte des Instruments liegt auf einer Grundplatte eine leicht aus-
wechselbare Landkarte in der vorerwähnten Projektion. Die Karte schließt kreis-
förmig nach außen hin ab. An der Peripherie des Randkreises befindet sich
eine Kreisteilung, die im Südpunkte der Karte beginnend, im Sinne des Uhr-
zeigers fortschreitet (in Fig. 1 ist lediglich das Gradnetz skizziert, die Kreisteilung
ist nur in großen Intervallen angedeutet). Die Karte ist im Sinne des Pfeiles
S <— N um das Projektionszentrum (den Kartenmittelpunkt) C drehbar, so daß
jeder Punkt der Kreisteilung einer bei A — M angebrachten festen Marke gegen-
übergestellt werden kann. Auf diese Weise lassen sich Azimute einstellen. Dicht
über der Karte läßt sich ein Kurvenlineal im Sinne der Pfeile R <—> L _hin-
und herführen, Dadurch ist es ermöglicht, die obere Kante des Lineals über
jeden Punkt einer Skala zu bringen, die auf der Karte aufgezeichnet ist und
deren gleichmäßige Intervalle Gestirnshöhendifferenzen zwischen dem gesuchten
Erdort und der Kartenmitte angeben. (In Fig. 1 ist eine Höhendifferenz von