336 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1911.
bekommen. Bei sichtigem Wetter kann man bald nach dem Verlauf der Küste
seinen Schiffsort feststellen. Kap Jason oder Larsen passiert man in etwa 1 Sm
Abstand und steuert dann mit südlichem Kurse auf den Nordenskjöld-Gletscher
zu, wobei man Sappho-Huk-Leuchtturm in etwa !/, bis 1 Sm Abstand passiert.
Diesen Abstand behält man ungefähr bei, bis man die meteorologische Station
und die unter Landmarken erwähnte Klippe (siehe Hafenansicht) ausmachen
kann. Jetzt läßt man die meteorologische Station an St-B., die Klippe an B-B.
und hält ungefähr die Mitte zwischen beiden, bis Klippe, Schiff und Anlege-
brücke der Transiederei in Linie sind; man sollte hierbei jedoch lieber etwas näher
an die Huk heranlaufen, weil die Südseite nicht rein ist. Nachher steuere man auf
die Anlegebrücke zu und ankere den Umständen entsprechend in der Nähe davon.«
Leuchtfeuer. Nach Kapt. W. Möller brennt auf der Huk nordwestlich von
Strömneß auf etwa 54° 6’ S-Br. und 36° 33’ W-Lg. ein gutes Funkelfeuer (Blitz-
feuer). Dagegen brannte das Feuer auf Kap Jason oder Larsen nicht. Der
Leuchtturm von Kap Larsen steht auf einer Insel, die ziemlich niedriger ist als
das Festland, Ein Festfeuer brennt auf der Huk, auf der die meteorologische
Station steht, wenn Walfischfänger zu erwarten sind.
Lotsen. Gewöhnlich trifft man in einigem Abstand von der Küste Wal-
fischfänger, die sich als Lotsen anbieten.
Gezeiten. Der Tidenhub beträgt nach Schätzung höchstens 1 m. Heftige
Stürme heben die Gezeiten mitunter ganz auf,
Hafenanlagen. Eine Anlegebrücke ist vorhanden, an ihr sollen 6.7 m
Wasser sein.
Schiffsausrüstung. Bunkerkohlen. Ein eigentliches Kohlenlager für den
Handel ist nicht vorhanden, jedoch gibt die Transiederei gerne Kohlen ab. Als
»Irmgard Horn« im Hafen lag, bunkerte die »Uruguay«, ein kleines argentinisches
Expeditionsschiff, Von der Siederei kann man auch Proviant und Wasser in
beliebiger Menge erhalten,
2. Schwerer Sturm auf der Fahrt von Apia nach Noumea am 26. und
27. März 1910. Bericht S. M. S. »Cormoran«, Kommandant K-Kapt. Siemens.
Am 20. März 1910 104 V verließ S. M. S. »Cormoran« Apia und nahm nach
Passieren der Apolima-Straße südlichen Kurs auf Noumöea, südlich um die Fidji-
Inseln. Es wurde der Weg südlich Fidji gewählt, da hier mit Sicherheit mit
westlichen Strömungen gerechnet werden konnte, während zwischen den Inseln
starke unberechenbare Strömungen setzten.
Am 22. morgens frischte die leichte östliche Brise etwas auf, so daß Segel
gesetzt werden konnten. I
Vom 23, bis 25. — der 24. fiel aus wegen Überschreitens der Datumsgrenze —
bezog sich der Himmel allmählich, Wind und Seegang nahmen zu, Regenböen
setzten ein, das Barometer fiel langsam.
Am 26. morgens wuchs der Wind aus ostsüdöstlicher bis östlicher Richtung
bis auf Stärke 10 bis 11 an, es lief eine hohe See, Gegen 4b morgens brach
eine von achtern auflaufende See über das Heck, riß den Rudergästen die Ruder-
gräting unter den Füßen fort und zerschlug das an B-B. zwischen Bordwand und
Maschinenoberlicht gezurrte Dingi. Hierauf wurde auf ONO beigedreht.
Das Schiff hielt sich mit Hartruder auf langsamer Fahrt voraus schwer
am Winde, gierte stark und nahm viel Wasser über. Aus dem stetigen südöst-
lichen Winde konnte nicht mit Sicherheit darauf geschlossen werden, ob sich
aus dem SO-Passat nur ein Sturm entwickelt hatte oder ein Orkan im Entstehen
oder im Annahen war,
War ein Orkan im Annahen, so konnte sich das Schiff nach der Wind-
richtung nur auf der linken inneren Seite der Orkanbahn befinden, und da nach
den in dieser Gegend gemachten Beobachtungen sich das Minimum in südöst-
licher Richtung vorwärts bewegt, also fast senkrecht zu dem alten Kurs (259.5°),
war die Möglichkeit, das Zentrum zu vermeiden, beigedreht oder vor der See
laufend gleich groß.
Aus diesen Gründen und da das Ruder in der Hartlage durch die See
stark beansprucht wurde, wurde gegen 9b 30min wieder auf den alten Kurs (259.5°)