699 Annalcn der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910,
Kartenplatte dem Punkt der Kreisteilung gegenübergestellt, der dem aus der
Tabelle entnommenen Azimut entspricht. Durch Aufrollen des Streifens wird die
Standlinie, die der aus der Tabelle entnommenen Höhe entspricht, über die
Kartenmitte gebracht. Auf der Standlinie, die der gemessenen Höhe entspricht,
muß sich der Beobachter befinden. Diese Linie wird in ihrem ganzen Verlaufe
oder, wenn der unbekannte Ort genähert bekannt ist, in einem kurzen Stück in
die Karte eingetragen. Die Beobachtung eines zweiten Sternes und die erneute
Einstellung des Instrumentes liefert eine zweite Standlinie, auf der sich der Beob-
achter befinden muß. Der Schnittpunkt dieser Standlinie mit der in die Karte
eingetragenen gibt in der Durchsicht auf die Karte den gesuchten Ort.
Instrument zur graphischen Darstellung von Standlinien.”
Von 0, Voigt, Frankfurt a. M.
Die vor kurzem in den »Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteoro-
Jlogie«?) erschienene Notiz über einen Apparat zur graphischen Darstellung von
Standlinien veranlaßt mich, an dieser Stelle auf ein Instrument hinzuweisen, das
das Problem der Konstruktion und Orientierung von Standlinien in allgemeinerer
Form löst. Der 1. e. beschriebene Apparat ist nur in dem speziellen Falle an-
wendbar, daß der gesuchte Ort genähert bekannt ist. Will man Standlinien für ein
größeres Gebiet, innerhalb dessen der gesuchte Erdort liegt, konstruieren, so ist es,
ohne die Genauigkeit der Ortsbestimmung wesentlich herabzusetzen, zunächst
nicht angängig, dazu gerade Linien zu verwenden. Man ist vielmehr gezwungen,
der Kartenprojektion Rechnung zu tragen und ihr entsprechende Kurven zu
konstruieren. Fernerhin bringt das in der zitierten Notiz angegebene Gradnetz
schon bei relativ geringen Dimensionen Fehler in der Azimuteinstellung mit sich.
Besonders einfach werden Konstruktion und Orientierung der Standlinien
auf einer Karte bei Anwendung der von Herrn Brill®) in Vorschlag gebrachten
zenitalen mittelabstandstreuen Azimutalprojektion. Es erübrigt sich, an dieser
Stelle auf Einzelheiten bei dieser Projektion einzugehen; Herr Brill hat in seiner
Abhandlung Ȇber eine neue einheitliche Methode zur nautischen und
aeronautischen Ortsbestimmung aus Gestirnsmessungen«, deren erster
Teil gleichzeitig mit der vorliegenden Mitteilung in den »Annalen der Hydro-
graphie und Maritimen Meteorologie« erscheint, auf die Eigentümlichkeiten hin-
gewiesen, die die zenitale mittelabstandstreue Azimutalprojektion zu Zwecken der
astronomischen Ortsbestinmung besonders geeignet machen. Es seien hier nur
diejenigen ihrer charakteristischen Merkmale kurz zusammengefaßt, die bei der
Konstruktion des im folgenden beschriebenen Instruments leitend und maß-
gebend waren.
In zenitaler mittelabstandstreuer Azimutalprojektion sind die größten
Kreise durch die Kartenmitte gerade Linien; die Abbildung der größten Kreise
ist außerdem längentreu, Demnach sind alle Entfernungen auf Strahlen, die
durch den Kartenmittelpunkt gehen, längentreu. Die Äquidistanten. sind also
konzentrische Kreise um die Kartenmitte mit Radien proportional den linearen
Entfernungen. Für einen Stern im Zenit der Kartenmitte figurieren diese
konzentrischen Kreise als Standlinien; gleichen linearen Distanzen von der
Kartenmitte entsprechen gleiche Zenitdistanzen. Schließlich ist der genannten
1) Obwohl die Mitteilung über dieses Instrument außer einigen hier für wünschenswert ge-
haltenen Zusätzen bereits in »Physik. Ztschr.«, 11. Jahrg., Nr. 15, veröffentlicht ist, erschien eine
Wicdergabe hier im Anschluß an die vorstehende Arbeit des Herrn Brill doch angebracht als Dar-
stellung der Methode in einem anderen instrumentellen Gjewande. (D. Red.)
?) Cochius. »Ann. d. Hydr. usw.« 1910, Heft 5, S. 253 u. 254; Anmerkung, Heft 6, 8. 320
3) A. Brill. Kin Verfahren zur Auswertung astronomischer Positionsbestimmungen,. »Tllustrierte
Aeronautische Mitteilungen« 1900, Heft 22, S. 988 bis 994.
O, Voigt. Astronomische Ortsbestimmung im Ballon nach dem Verfahren von Brill, +Luft-
schiffahrt, Flugtechnik und -Sport« 1910, Nr. 10, 8. 1 bis 8.