Brill, A.: Über eine neue einheitliche Methode zur nautischen und aeronautischen Ortsbestimmung. 617
der Größenordnung einer Bogenminute ist. Fig. 2 zeigt einen Teil des Stand-
linienstreifens, auf dem die Standlinien für die Höhen 37° bis 46° abgebildet sind.
Die Orientierung des Standlinienstreifens relativ zur Karte geschieht in
folgender Weise (vgl. Fig. 3):
Aus einer Tabelle werden mit der Beobachtungszeit (Sternzeit der Karten-
mitte) als Argument Azimut und Höhe des beobachteten Gestirns in der Karten-
mitte entnommen. Die Standlinie, die der aus der Tabelle entnommenen Höhe
entspricht, wird über die Kartenmitte gebracht — die Symmetrielinie des Streifens
geht stets durch die Kartenmitte. Der Streifen wird um die Kartenmitte soweit
gedreht, bis die Symmetrielinie durch den Punkt der Kreisteilung geht, der das
aus der Tabelle entnommene Azimut gibt —, der Mittelpunkt des Standlinien-
systems liegt von der Kartenmitte aus jenseit des Punktes der Symmetrielinie,
der auf das Azimut eingestellt ist. Die der beobachteten Höhe entsprechende
Fig, 2.
Fix. 3,
A
b-
A;
Standlinie gibt in der Durchsicht auf die Karte einen geometrischen Ort für den
Standpunkt des Beobachters. In Fig. 3 ist der Standlinienstreifen derart über
der Karte orientiert, daß die Symmetrielinie im Azimut 254°,8 steht und die der
Höhe 40° 23’ entsprechende Standlinie über der Kartenmitte liegt. Die Stand-
linie 38° 35’ entspricht der beobachteten Höhe,
Die Prinzipien der neuen Methode wurden konstruktiv verwertet zu dem
Bau eines ersten Apparates zur Auswertung astronomischer Positionsbestimmungen,
Das Instrument wurde in der Werkstatt des physikalischen Institutes des Physi-
kalischen Vereins zu Frankfurt a. Main gebaut; die Fig. 4 und 5 geben-schematisch
den Grundriß des Instrumentes und den Schnitt durch das Instrument in der
Richtung A—A. Zur Orientierung über die näheren Details verweise ich auf
Jahrgang 1909, Heft 22 der »Illustrierten Aeronautischen Mitteilungen«, wo ich
auf Seite 991 das Instrument beschrieben habe.
Da die vollständige Ortsbestimmung bei Nacht die zwar getrennte, aber
genau gleichartige Auswertung zweier Gestirnshöhen erfordert, wurde das In-
strument symmetrisch zur transparenten Karte zweiseitig ausgeführt. Die prak-
tischen Erfahrungen, die mit dem Apparat gesammelt wurden, lassen ihn in
seiner bisherigen Form nicht als einen Idealapparat erscheinen, Abgesehen von
der wenig kompendiösen Form — das Instrument war für die astronomische
Navigation im Freiballon bestimmt — leidet Einstellung und Ablesung. des In-
strumentes unter der schlechten Durchsichtigkeit der Pausleinwandstreifen, Eine
bessere Durchsicht läßt sich indes leicht erreichen, wenn für die Standlinien-
streifen ein durchsichtigeres Papier gewählt wird, Immerhin bleibt noch der
Ann. a. Hydr. usw., 1910, Heft XI,