514 Annalen der Hydrographie und Maritinen Meteorologie, November 1910.
50. Breitengrade folgend, quer durch den Atlantischen Ozean nach Falmouth.
Nach längerem Aufenthalt ging die Fahrt in südlicher Richtung über Madeira
ungefähr bis zum 20, Breitengrade, nun mit westlichem Kurse wieder quer durch
den Ozean bis etwa zum 50. Längengrade und von dort in nordwestlicher
Richtung über die Bermuda-Inseln nach New-York zurück, Auf dem annähernd
8000 Seemeilen betragenden Wege konzten, abgesehen von den Landbeobachtungen
während der Liegezeit in den besuchten Häfen, magnetische Beobachtungen an
152 Stationen angestellt werden, die ziemlich gleichmäßig auf den Reiseweg ver-
teilt sind, Im ganzen ist es gelungen, 94 Deklinationsbestimmungen, 65 Inklinations-
bestimmungen und 68 Beobachtungen der Horizontalintensität auszuführen.
Wie mit Sicherheit zu erwarten war, hat sich beim Vergleich der Ergeb-
nisse dieser zahlreichen Beobachtungen mit den entsprechenden Werten, die die
verschiedenen Weltkarten der Isogonen, Isoklinen und Isodynamen angeben,
herausgestellt, daß diese Karten auf Grund dieses neuesten zuverlässigen Beob-
achtungsmateriales an vielen Punkten mehr oder weniger verbessert werden
müssen. Aus naheliegenden Gründen trifft dies am meisten bei den Karten der
Isoklinen und Isodynamen zu, doch auch die Isogonenkarte, die ja für die
praktische Schiffahrt weitaus die größte Bedeutung hat, wird bei einem neuen
Entwurf wesentliche Veränderungen erleiden müssen.
Es möge nun im folgenden kurz angedeutet werden, in welchem Sinne und
um welchen Betrag die auf der Rundreise des Schiffes »Carnegie« erhaltenen
Beobachtungswerte von den Kartenwerten abweichen, die sich aus der von der
Deutschen Seewarte entworfenen Karte der »Linien gleicher magnetischer De-
klination für 1910« ergeben. Auf der Strecke von New-York bis ungefähr zum
10. Längengrade gibt die Karte die westliche Deklination zu klein an, jedoch
bleibt der Fehler fast durchweg innerhalb eines Grades. Auf dem weiteren Wege
bis nach Falmouth sind die Kartenwerte ungefähr um denselben Betrag zu groß.
Auf der Strecke zwischen Falmouth und Madeira bleiben die Fehler unter !/, Grad,
Auf dem Wege von Madeira bis etwa zu dem Punkte 20° N-Br. und 30° W-Lg.
sind die Kartenwerte um ungefähr 1 Grad zu niedrig. Weiterhin bis etwa zum
38. Längengrade beträgt der Fehler 1!/, bis 2!/, Grad in demselben Sinne, er
nimmt jedoch dann bald wieder rasch ab und hält sich auf dem Rest des Weges
über Bermuda nach New-York zurück wieder im allgemeinen innerhalb eines
Grades, Es zeigt sich also, daß bis auf die Strecke vom 40. Längengrade bis
nach Falmouth die Karte auf dem ganzen Reisewege für die westliche Deklination
systematisch zu kleine Werte liefert. Burath,
Über eine neue einheitliche Methode zur nautischen und aeronautischen
Ortsbestimmung aus Gestirnsmessungen.
Von Dr. Alfred Brill, Frankfurt a. Main,
J. Teil.
Das Prinzip und die instrumentelle Verwertung der Methode.
In der »Ila-Wochenrundschau« Nr. 4 und in den »Illustrierten Aeronau-
tischen Mitteilungen« Jahrgang 1909, Heft 22, ist von mir ein Instrument zur
Auswertung astronomischer Positionsbestimmungen im Ballon beschrieben. Die
Methode der Ausführung einer Ortsbestimmung mit diesem Instrument wurde
anläßlich eines Wettbewerbes für astronomische Ortsbestimmung im Ballon, der
von der Wissenschaftlichen Kommission der Internationalen Luftschiffahrtaus-
stellung zu Frankfurt a. Main ausgeschrieben wurde, von dem Preisgericht mit
einem 1. Preise ausgezeichnet; in dem Diplom ist besonders erwähnt, daß der
Apparat auch von Laien bequem und sicher zu handhaben ist. Die astronomische
Ortsbestimmung benötigt bei Benutzung des Instrumentes nur die elementaren
astronomischen Vorkenntnisse, die schon für die Beobachtung unbedingt erforder-