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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

512 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910. 
gewidmet werden soll; auch werden Versuche zur Messung der Tiefenströmungen 
gemacht werden, 
Auf der Landstation kommen in erster Linie fortlaufende meteorologische 
und erdmagnetische Beobachtungen für die Dauer der Station in Frage, die ge- 
stützt werden durch das argentinische Beobachtungsnetz auf den subantarktischen 
Inseln, Ferner sollen Schwerebestimmungen sowie luftelektrische Beobachtungen 
und Untersuchungen der höheren Schichten mittels Drachen und Pilotballons 
ausgeführt werden, zu denen sich auch Gezeitenbeobachtungen u. a. m, gesellen. 
Auf der Schlittenexpedition sind einerseits geologische Aufgaben über den 
tektonischen Aufbau des Landes zu lösen, anderseits astronomische, kartographische 
sowie meteorologische Arbeiten dauernd zu erledigen, 
Von größter Wichtigkeit für das Gelingen jeder Polarexpedition ist der 
Besitz eines guten Schiffes. Ein solches ist vorhanden und im September von 
Filchner in Sandefjord übernommen worden. Es ist ein Walfänger, speziell 
für die Eisschiffahrt vor einigen Jahren gebaut und schon im Eis bewährt. Es 
hat eine Länge von 56 m, eine Breite von 10’'/, m und eine Tiefe von 6.9 m. Sein 
Brutto-Tonnengehalt beträgt 527 Reg.-Tons, seine Segelfläche etwa 800 qm; die 
Maschine entwickelt 400 Pferdekräfte und verleiht dem Schiff eine Geschwindigkeit 
von 7 Kn, Das Schiff hat dreifache Haut und besondere Eisverstärkungen am 
Bug; es wird zur Zeit für die Zwecke der Expedition umgebaut und wird nach 
Beendigung der Umbauten Mitte Dezember in den Hamburger Hafen zur Aus- 
rüstung überführt werden. Das Schiff wird den Namen »Deutschland« führen 
und im Frühjahr 1911 die Ausreise von Bremen aus antreten, , 
Für die Führung des Schiffes im Eis galt es einen Mann zu finden, der 
über reiche Erfahrungen in polaren Gebieten verfügte. Ein solcher ist der 
norwegische Kapitän Jörgensen, der bislang das Schiff gefahren hat und von 
Filchner als Eislotse gewonnen ist. Als Navigationsoffizier wird Herr Müller, 
der zuletzt auf dem Kabeldampfer »Stephan« in gleicher Eigenschaft gefahren 
hat, bei der Expedition fungieren, Außer den Genannten wird die Besatzung 
des Schiffes aus 2 weiteren Offizieren, 3 Maschinisten, 1 Koch, 2 Bootsleuten, 
1 Schmied, 1 Zimmermann, 1 Segelmacher und etwa 6 Matrosen bestehen. Zwei 
von diesen, der Koch Klick und der Schiffszimmermann Heinrich, sind er- 
probte Leute vom chemaligen Südpolarschiff »Gauß«, Die Frage, wer das Schiff 
als Kapitän führen wird, ist noch offen. 
Als Wissenschaftler werden an der Expedition teilnehmen: Dr. Barkow 
vom Meteorologischen Observatorium in Potsdam als Physiker und Meteorologe, 
Dr. Brennecke von der Deutschen Seewarte in Hamburg als Ozeanograph, 
Dr. Heim als Geologe, Dr.. Kohl als Arzt, Dr. Przybyllok vom Geodätischen 
Observatorium in Potsdam als Astronom und Erdmagnetiker, Dr. Seelheim als 
Geograph; hierzu tritt noch Herr Neuberger als Techniker sowie ein zweiter Arzt. 
Die Ausrüstung und Vorbereitungen zur Expedition sind im vollen Gange. 
Auf dem deutschen Naturforschertag in Königsberg, wo Filchner seinen Plan 
vortrug, wurde ihm lebhafte Anerkennung und Unterstützung entgegengebracht, 
Mögen auch weitere Kreise der Expedition, die Deutschland aufs neue bei der 
Erforschung der Südpolargebiete vertreten will, Interesse und praktische Förderung 
zuteil werden lassen! W. Brennecke. 
Die Erforschung 
der erdmagnetischen Verhältnisse des Nordatlantischen 
Ozeans durch das Schiff „Carnegie“. 
Die Ergebnisse der ersten Rundreise. 
Im dJuniheft 1910 der Zeitschrift »Terr. Magn. a. Atm. Electr.« wird von 
L. A, Bauer und W. J. Peters eine ausführliche Zusammenstellung der Ergebnisse 
der ersten Rundreise des Expeditionsschiffes »Carnegie« im Nordatlantischen 
Ozean gegeben.
	        
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