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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Brennecke, W.: Weitere Mitteilungen über die geplante deutsche Antarktische Expedition. 611 
Gebieten anzutreten. Auf Grund des freundlichst von dem Leiter der Expedition 
zur Verfügung gestellten Materials kann folgendes über den Fortgang mit- 
geteilt werden, 
Der Plan der Expedition, mit einem Schiff einen Vorstoß in die Weddell- 
See zu machen, um hier das antarktische Festland zu erreichen und sodann mit 
Schlittenexpeditionen südwärts vorzudringen, ist unverändert geblieben. Filchner 
sieht jedoch von der Entsendung eines zweiten Schiffes nach der Roß-See ab, 
da einerseits eine Verständigung zwischen den beiden Schiffen unmöglich wäre, 
anderseits mit Scott, dem Leiter der englischen Expedition, vereinbart wurde, 
daß das Arbeitsfeld jeder Expedition gesondert sein solle. Auch werden durch 
diese Maßnahme die Anlage und Schwierigkeiten in der Ausnutzung von Proviant- 
depots in ein und demselben Gebiet vermieden. Auch mit der in Aussicht ge- 
nommenen schottischen Expedition unter Dr. Bruce wurde eine Vereinbarung 
dahin getroffen, daß der deutschen Expedition die Weddell-See westlich des 
20. Längengrades, der schottischen das Gebiet östlich davon als Arbeitsfeld zufällt. 
Die geplante amerikanische Expedition, deren Ausgangspunkt gleichfalls die 
Weddell-See sein sollte, ist vorläufig aufgegeben worden, jedoch besteht in Amerika 
die Absicht, in einem der nächsten Jahre eine Expedition nach Wilkes-Land 
auszurüsten. 
Als Ausgangspunkt für die Eisfahrt ist Süd-Georgien in Aussicht ge- 
nommen; von hier soll das Schiff nach den Sandwich-Inseln gehen, um dann 
südlich in die Weddell-See vorzustoßen. Es soll versucht werden, das antarktische 
Festland südlich von Coats-Land zu erreichen. Gelingt dies, dann soll hier eine 
Basisstation errichtet werden, von der aus eine Schlittenexpedition die Erforschung 
der südlich gelegenen Gebiete in Angriff nehmen wird. Ob hier im Süden ein 
ausgedehnter Kontinent vorhanden ist, dem die bislang gesichteten Landstrecken 
angehören, oder ob Antarktika aus einer Anzahl von Inseln besteht, oder ob 
schließlich zwei größere Landgebiete (West- und Ost-Antarktis) vorhanden sind, 
die durch einen vereisten Meeresarm, der Roß- und Weddell-See miteinander ver- 
bindet, getrennt sind — zur Lösung dieses Problems beizutragen, ist die Absicht 
Filchners. Wie sich die Lösung gestaltet, hängt natürlich von den Verhältnissen 
ab, die die Expedition antrifft, Findet sich z. B. ein vereister Meeresarm, so 
wird es der Schlittenexpedition wahrscheinlich leicht sein, regional weit aus- 
gedehnte Forschungen auszuführen, stellen sich anderseits einem Vordringen 
nach Süden hohe Gebirgszüge entgegen, so wird sich die Forschungstätigkeit 
z. B. darauf richten, den Zusammenhang von Coats-Land mit Graham-Land fest- 
zustellen zu versuchen. 
Die Expedition soll im Frühjahr 1911 Deutschland verlassen. Sowohl auf 
der Fahrt bis Buenos Aires, als auch von dort bis zur Erreichung des Fest- 
landes sollen, soweit dies ohne Beeinträchtigung der Hauptaufgabe der Expedition 
möglich ist, eine Reihe ozeanographischer Arbeiten ausgeführt werden. In Aus- 
sicht genommen sind Untersuchungen über die vertikale Verteilung der Temperatur, 
des Salzgehalts und des Sauerstoffs längs bestimmter Schnittlinien in der Sargasso- 
See und im Brasilstrom, so daß die Ausreise auf möglichst westlichem Kurse den 
Atlantischen Ozean schneiden würde, im Gegensatz zu der‘ großen Anzahl der 
Expeditionen, die meist den östlichen Teil des Atlantischen Ozeans näher er- 
forscht haben, Auch dankbare Lotungsaufgaben sind auf dem westlichen Kurse 
noch zu lösen; so fehlt bislang die Bestätigung der atlantischen Längsschwelle 
zwischen 0° und 10° N-Br., ferner sind Lotungen über den Verlauf des Rio Grande- 
Rückens erwünscht. Im Süden ist die Nachforschung nach der Untiefe in 49° S-Br., 
30° W-Lg., auf die Kapitän Dinklage!) wieder aufmerksam gemacht hat, anzu- 
streben sowie auch Lotungen bei den Sandwich-Inseln, um festzustellen, ob hier 
eine von Süß vermutete Vortiefe (Graben) sich befindet. Da in dieser Gegend 
häufig schon schweres Eis angetroffen wird, so hängen hier sowie weiter südlich 
alle Arbeiten von den Eisverhältnissen und der verfügbaren Zeit ab, Erwähnt 
sei noch, daß besondere Aufmerksamkeit den Wasserbewegungen an der Eiskante 
‘) »Ann, d. Hydr, usw.« 1899, 8. 37.
	        
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