510 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910,
Abgesehen vom Jahre 1892 ergibt sich, daß zwischen dem Temperaturgang
und dem Gang der Windstärke eine gewisse Gleichmäßigkeit zu bemerken ist.
Einer negativen Temperaturanomalie entspricht oft ein höherer Wert der Wind-
stärke, während in Monaten mit positiver Temperaturanomalie die Windstärke
abnimmt. Besonders deutlich ist diese Gleichmäßigkeit der Bewegung in den
letzten Jahren des Zeitraumes ausgeprägt, wo wir einen vollkommen ent-
sprechenden Verlauf beider Elemente verzeichnen können. Daß in den ersten
Jahren dieser Zusammenhang nicht so deutlich zutage tritt, hängt wohl zum
großen Teil mit dem Fehlen von Windbeobachtungen in diesen Jahren zu-
sammen, so daß sich kein klares Bild des Verlaufs dieses Elementes ergibt.
Diese letzte Untersuchung bestätigt wiederum das, was oben als wahr-
scheinlich angenommen ist, die Bedingtheit und Abhängigkeit der Tem-
peraturanomalien der Strömung von Schwankungen der Stärke des
Südostpassates.
Es wurde früher schon bemerkt, daß die Gleichzeitigkeit des Eintritts der
Temperaturschwankungen in den letzten Teilen der nördlichen Schiffsrouten
nicht mehr genau in allen Fällen zu unterscheiden ist. Es hängt dies teilweise
damit zusammen, daß sich die Schiffslinien nach Norden immer weiter aus dem
vollen Bereich der Strömung entfernen, demgemäß die Faktoren, die für den
Wärmegang maßgebend sind, immer mehr an Kraft und Wirkung verlieren, Die
Schnelligkeit, mit der die kalten Massen nach Norden getrieben werden, nimmt
ab, außerdem wird ihr Einfluß naturgemäß auch von anderen Faktoren verdeckt,
vor allem durch die warmen Wassermassen der nördlichen Strömungen. Ein
anderes Moment, welches das Erscheinen der Schwankungen nach Norden hin
immer mehr verwischt, ist der Umstand, daß die kalten Wassermassen, die an
den südlichen Punkten gleichzeitig erscheinen, durch die Strömung nach Norden
getragen werden, wo sie sich natürlich mit einer durch Weg und Schnelligkeit
der Strömung gegebenen Verspätung bemerkbar machen. Es läßt sich demnach
die Temperaturbewegung der nördlichen Teile der Strömung auffassen als das
Ergebnis aus dem Zusammenwirken der an allen Punkten der Strömung gleich-
zeitig einsetzenden Schwankungen und dem Einfluß der mit einer Verspätung
auftretenden kalten Wassermassen, die sich im Süden als eine Folge des Er-
scheinens dieser Schwankungen zeigen. Eine vollständige Auseinanderhaltung
der einzelnen Elemente ist wegen der relativen Unsicherheit der Kenntnis der
wirkenden Faktoren nicht mehr möglich,
5. Zusammenfassung.
Der normale Temperaturgang des Oberflächenwassers der Benguela-Strö-
mung, wie er gemäß den periodischen Schwankungen zu erwarten war, wird im
Laufe verschiedener Jahre nicht innegehalten. Es stellt sich vielmehr der Tem-
peraturgang als eine Aufeinanderfolge von Anomalien dar, die als unperiodische
Schwankungen aufzufassen sind, Sie lassen sich in ihrem Erscheinen wohl durch
unperiodische Schwankungen des Südostpassates deuten, mit denen sie eine un-
unterbrochene Kette von Ursache und Wirkung bilden, Eistriften im Süd-
atlantischen Ozean wirken auf den hierdurch gegebenen Temperaturgang ver-
ändernd ein, indem sie positive Anomalien erniedrigen, negative verstärken.
Weitere Mitteilungen über die geplante deutsche Antarktische Expedition.”
Die Vorbereitungen für eine neue deutsche Antarktische Expedition unter
Leitung von Oberleutnant W. Filchner, deren Plan im Aprilheft dieser Zeit-
schrift S. 150 dargelegt wurde, haben in den letzten Monaten bedeutende Fort-
schritte gemacht, so daß bestimmt erwartet werden kann, daß im Frühjahr 1911
die Expedition Deutschland verlassen wird, um die Ausreise nach den südpolaren
ıy
Siehe »Ann. d. Hrdr. usw.« 1910. S. 150.