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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

608 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910, 
Temperatur fest, die eine bemerkenswerte Tendenz aufweisen, sich auf längere 
Zeit zu erhalten, Zugleich damit ermittelt er die Luftdruckdifferenzen über 
dem Atlantischen Ozean, die ja ein Maß für die jeweilige Stärke der vorherr- 
schenden Winde sind, und kommt zu dem interessanten Ergebnis, daß der Verlauf 
beider Elemente ein durchaus gleichsinniger ist, Es ist also, kurz gesagt, die 
Wärmeführung einer Strömung abhängig von der Stärke der über ihr wehenden 
Winde, und zwar insofern, als bei einer warmen Strömung eine Verstärkung der 
vorherrschenden Winde eine schnellere Zuleitung wärmeren Wassers bedingt, das, 
da es mit größerer Schnelligkeit fortgeführt wurde, eine größere Wärmemenge 
in höhere Breiten bringen kann, 
Diese Erklärung, die Meinardus für unperiodische Schwankungen des 
Golfstromes aufgestellt hat, dürfte auch für unperiodische Schwankungen der 
Wärmeführung der Benguela-Strömung geltend gemacht werden können, vor 
allem weil sie befriedigend den Umstand erklärt, daß die Schwankungen überall 
in der Strömung zu derselben Zeit eintreten. Ein Stärkerwerden der Wind- 
intensität setzt notwendigerweise eine Vermehrung des Luftdruckmaximums über 
dem Südatlantischen Ozean voraus, die aber an allen Punkten ihres Wirkungs- 
bereiches zu derselben Zeit in Kraft tritt, so daß sich auch die temperatur- 
verändernde Energie der Winde zu gleicher Zeit beinerkbar machen kann. 
Es gestaltet sich nun das Zustandekommen der unperiodischen Temperatur- 
schwankungen in der Benguela-Strömung so, daß infolge einer als Primärursache 
anzusehenden Erhöhung des Luftdruckmaximums über dem Südatlantischen Ozean 
die Windzirkulation eine stärkere wird und demgemäß auch auf die Schnelligkeit 
der Strömung beschleunigend einwirken muß, Einer Beschleunigung der Bewe- 
gung der Strömung entspricht nach der Annahme von Meinardus bei einer 
warmen Strömung eine vermehrte Zufuhr warmer, bei einer kalten eine ver- 
mehrte Zufuhr kalter Wassermassen. In der Benguela-Strömung wird infolge- 
dessen eine größere Menge kalten Wassers in der Zeiteinheit fortgeführt werden, 
was eine Abweichung von den normalen Temperaturverhältnissen im negativen 
Sinne zur Folge haben wird. Es wirkt nun aber diese negative Abweichung, 
also dieser Wärmeausfall, als primäre Ursache weiter auf die Luftdruckverhält- 
nisse, die Luftdruckdifferenzen werden größer, die Stärke der Winde nimmt zu, 
die Kältezufuhr in demselben Maße. Es stellen sich demnach die Beziehungen 
zwischen Temperaturgang und Windverhältnissen als eine in demselben Sinne 
wirkende Aufeinanderfolge von Ursache und Wirkung dar. Eine einmal ein- 
geleitete Störung der normalen Verhältnisse sucht sich auf längere Zeit zu er- 
halten, da die Faktoren, welche die Störung bedingen, sich verschärfend, auf- 
einander weiter wirken. Hier haben wir auch den Grund, weshalb die Dauer 
der Temperaturanomalien in der Benguela-Strömung während der Jahre 1891 
bis 1898 jedesmal eine so verhältnismäßig lange ist. 
Eine andere Wirkungsweise unperiodisch in ihrer Stärke wechselnder 
Winde könnte darin bestehen, daß infolge des größeren Bewegungsantriebes des 
Wassers ein Aufsteigen kalten Tiefenwassers in der Strömung vor sich gehen 
müßte, da bei der größeren Geschwindigkeit die Zufuhr der Wassermassen 
von Süden her nicht so schnell erfolgen kann. Die Wirkung des Auftrieb- 
wassers auf den Temperaturgang ist dieselbe wie die einer vermehrten Zufuhr 
kalter Wassermassen aus dem Süden, sie besteht in einer Herabminderung 
der normalen Temperaturen. Auch dieses Moment tritt naturgemäß an allen 
Punkten der Strömung zu gleicher Zeit auf, Welchem dieser beiden Vorgänge 
der Hauptanteil zugeschrieben werden muß, kann mit Bestimmtheit nicht ent- 
schieden werden, bevor wir nicht über die vertikalen Wasserbewegungen in den 
Ozeanen besser unterrichtet sind. Man wird jedoch kaum in der Annahme fehl- 
gehen, daß beide Ursachen sich ergänzend zur Geltung kommen. 
Ein Umstand, der es noch wahrscheinlicher macht, die Windverhältnisse 
als die Hauptursache des Zustandekommens unperiodischer Schwankungen anzu- 
sehen, ergibt sich aus einer interessanten Studie W. N. Shaws über die Windstärke 
des Südostpassates im Verlauf der Jahre 1891 bis 1898. Ohne für den ganzen
	        
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