Engeler, E.: Periodische und unperiodische Temperaturschwankungen der Benguela-Strömung. 607
fluß von Eistriften auf den Temperaturgang hervor, wenn man die Tempera-
turverhältnisse von folgendem Standpunkt aus betrachtet. Bei beiden De-
pressionen ist die Anzahl der‘ negativen Temperaturmittel 62 bis 64 v.H. der
Gesamtmittel; wir haben also Werte, die sich nicht weit vom Mittel entfernen.
Die ziemlich bedeutende Wirkung von Eistriften tritt erst zutage, wenn man
in Erwägung zieht, daß, abgesehen von irgendwelchen Eisausbrüchen, der
Temperaturgang auf dem Wege zu einem Maximum war, die Wirkung der Eis-
triften bestand dann nicht allein in einer Herunterdrückung der Normaltempera-
turen, sondern auch in der Überwindung von positiven Anomalien,
Der Verlauf des Temperaturganges der Benguela-Strömung im Vergleich
zu dem der Eistriften im Südatlantischen Ozean ergibt aber auch, daß durch
letztere immer noch nicht die Temperaturwelle mit ihren 2 Maxima von 1893
bis 1895 und 1897 und ihren 3 Minima von 1892, 1896 und 1898 erklärt. ist.
Die Eisausbrüche bedingen lediglich Störungen und Veränderungen
dieser Wellen, indem die Maxima teilweise unterdrückt, die Minima vertieft
werden, Die Wärmewellen selbst haben nichts mit dem Auftreten von
Eisbergen zu tun, und die Frage nach ihrer Entstehung bleibt also immer
noch offen,
Zu demselben Ergebnis, zu dem ich auf Grund eines Vergleichs von Eis-
ausbrüchen mit dem Wärmegang ihrer weiteren Umgebung gelangt bin, ist auch
schon Schott gekommen, allerdings nur für einen kurzen Zeitraum, nämlich für
den Temperaturgang des Jahres 1903 im nördlichen Atlantischen Ozean und in
Nordwesteuropa in bezug auf einen Eisvorstoß des Labradorstromes in demselben
Jahre. Schott faßt am Schlusse der Abhandlung!) seine Meinung dahin zu-
sammen: »Soweit lassen sich aus großen, allgemeinen Schwankungen der Wasser-
bewegungen die Wärmeverhältnisse des Jahres 1903 erklären, und es ist sogar
notwendig, anzunehmen, daß hierdurch der Grundton des gesamten Wärmeganges
gegeben gewesen ist, auch wenn es zu Eistriften dabei gar nicht gekommen
wäre. Denn der wiederholt betonte Umstand, daß die negative Wärmeanomalie
erst vom Mai ab. in der Neufundlandbankgegend eintritt, während das Eis schon
seit Februar in großen Mengen dort lagert, der Umstand ferner, daß die negative
Wärmeanomalie bei uns nach Europa herüber schon im Januar vorhanden war,
lehrt doch sofort, daß das Eis als solches nicht die allererste Ursache für die
Eigenschaften der Temperaturen im Jahre 1903 gewesen sein kann.« Wir haben
dort offenbar genau denselben Fall wie im Jahre 1892 im Südatlantischen Ozean,
In beiden Fällen war im Januar der Jahre im Temperaturgang der weiteren
Umgebung der Eistriften ein ausgeprägtes Minimum eingetreten, während diese
selbst erst später sich bemerkbar machten, im Norden im Februar, im Süden im
April; in beiden Fällen waren ausgedehnte Temperaturdepressionen schon vor
den Eistriften da, der Grundton der Temperaturbewegung, wie Schott sich aus-
drückt, war schon gegeben, Ob er späterhin noch durch Eisausbrüche irgendwie
beeinflußt wurde, ob die Temperaturdepressionen durch sie vertieft oder ver-
längert wurden, entzieht sich des Nachweises.
4. Beziehungen der unperiodischen Temperäturschwankungen zu unperiodischen
Schwankungen der Windverhältnisse.
In den vorigen Abschnitten wurde gezeigt, daß sowohl unperiodische
Ausbrüche kalten Wassers aus dem Südlichen Eismeer als auch Eistriften vom
antarktischen Kontinent her zur ausreichenden Erklärung der unperiodischen
Temperaturschwankungen in der Benguela-Strömung versagten; ich komme jetzt
zu der Erklärung, die Meinardus für unperiodische Schwankungen gegeben hat.
In einer Abhandlung?) über die Schwankungen der nordatlantischen Zirkulation
untersucht Meinardus den Temperaturgang des Golfstromes in einer größeren
Zahl von Jahren und stellt weitreichende unperiodische Schwankungen der
1) Schott: Die große Eistrift bei der Neufundlandbank und die Wärmeverhältnisse des
Meerwassers im Jahre 1903. Annal. d. Hydr. XXXIL J. 1904.
2) Meinardus: Über Schwankungen der nordatlantischen Zirkulation und ihre Folgen.
‚Ann. d. Hydr.« XXXIL 1904.