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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910.
Anders verhält es sich in den folgenden beiden Jahren, als sich zwei
sehr ausgedehnte Eistriften aus dem Südlichen Eismeer bemerkbar machen; in
beiden Fällen sehen wir, daß der Temperaturgang der Strömung, der einem
Maximum zuzustreben schien, gerade 6 bis 7 Monate nach dem Auftreten dieser
Eistriften eine Störung in der Ausbildung des Maximums zeigt, Der Umstand,
daß die Periode zwischen dem Erscheinen der Eistriften und den Temperatur-
störungen genau der Zeit entspricht, nach der wir eine Wirkung der von den
Eisbergen abfließenden kalten Wassermassen erwarten können, läßt uns mit
großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß wir diese beiden Erscheinungen mit-
einander in Beziehung setzen, die letztere durch die erstere erklären können,
Es werden wohl auch die Eisausbrüche von November -Dezember 1891 und April-
Dezember 1892 eine ebensolche Wirkung ausgeübt haben, doch ist diese durch
den Verlauf der allgemeinen Temperaturverhältnisse, die von anderen Faktoren’
bedingt sein müssen, verdeckt worden, da sie gerade in die Depression von 1892
fällt. Sichtbar zutage treten kann sie nur in Fällen wie in den Jahren 1898
und 1894, in denen der Temperaturgang sich einem Maximum zuwendet. In den
nachfolgenden Jahren zeigt der Verlauf der Temperaturverhältnisse, daß ausge-
dehnte Temperaturdepressionen auch unabhängig von Eistriften des Südatlantischen
Ozeans auftreten können, ein weiterer Grund, die Depression von 1892 anderen
Ursachen zuzuschreiben.
Es sei noch kurz auf die Eistriften des Indischen Ozeans in ihrer Be-
ziehung zu den Wärmeverhältnissen der Benguela-Strömung eingegangen. Es
kann da nur die Eistrift von September 1893 bis April 1894 in Betracht kommen,
die in den Monaten September bis Dezember ihren Hauptschauplatz im Süd-
atlantischen Ozean in der Nähe des Kaps der Guten Hoffnung hatte, also gerade
in dem der Untersuchung zugrunde gelegten Gebiet, dann aber ihren Schwer-
punkt über den Meridian von 20° O hinaus in den Indischen Ozean hineinschob.
Da diese Eistrift bis in die Wurzel der Benguela-Strömung selbst eindrang, muß
man im südlichen Teil eine sofortige Wirkung der von den Eisbergen abfließenden
kalten Wassermassen erwarten, wenn eine solche überhaupt zu konstatieren ist.
Es fällt nun gerade das Erscheinen dieser Eistrift in die Monate VI bis XII 1893,
in denen die Temperaturstörung in der Benguela-Strömung vor sich geht, die
wir vorher als eine Folge der zweiten großen Eistrift im Südatlantischen Ozean
hingestellt haben, Es liegt die Annahme nahe, daß diese Eistrift mitbestimmend
für die Störung des Temperaturganges war.
Die beiden folgenden Eistriften von November 1894 bis Mitte des Jahres
1895 und von August 1895 bis Ende des Jahres 1896 hatten ihren Kern ungefähr
bei 40° bis 70° O im Indischen Ozean und stießen nur gelegentlich einige Eis-
berge in den Atlantischen Ozean ab. Wir können diesen, die vielleicht nur
durch günstige Windverhältnisse von der Hauptmasse sich abzweigen konnten,
aöchstens einen engbegrenzten lokalen Einfluß zuerkennen, keinesfalls aber einen
solchen, der sich in der ganzen Benguela-Strömung bemerkbar macht, denn für
eine durchgreifende Temperaturerniedrigung kann doch nur das von der Haupt-
masse der Eisberge in die Strömung gelangende Schmelzwasser maßgebend sein,
nicht das von einzelnen Bergen abfließende, Da jedoch keine Strömung vor-
handen ist, die das Schmelzwasser der Hauptmasse in die Benguela - Strömung
treibt, so kann auch von keinem Einfluß dieser Triften die Rede sein. Es ist
daher kaum angänglich, die Eistriften des Indischen Ozeans in irgend eine Be-
ziehung zum Temperaturgang *der Benguela-Strömung zu setzen.
Daß tatsächlich große und lang andauernde Eistriften die Tem-
peratur ihrer weiteren Umgebung beeinflussen können, geht aus dem
Gesagten mit großer Wahrscheinlichkeit hervor. Es muß auch dieser
Einfluß als ein nicht zu unterschätzender angesehen werden, wenn man bedenkt,
daß sich derselbe doch fast durch die ganze Benguela-Strömung hindurch fort-
setzt und erst in den letzten Teilen nicht mehr deutlich genug unterschieden
werden kann. In beiden Fällen, 1893 und 1894, erstrecken sich die Depressionen
über mehrere Monate, es wird dadurch ein großer Teil der beiden Jahre
in bezug auf seine Wärmeführung bestimmt. Noch deutlicher geht der Ein-