Engeler, E.: Periodische und unperiodische Temperaturschwankungen der Benguela-Strömung. 605
bogenen Benguela-Strömung sich bemerkbar machen können. Nehmen wir an,
daß mit dem Eisvorkommen ein Auftreten kalter Wassermassen aus dem Süd-
lichen Eismeer Hand in Hand geht und diese etwas eher zur Geltung .kommen
als das oberflächlich abfließende Schmelzwasser, so können wir doch.eine Wir-
kung der kalten Wassermassen an der Stelle, wo die Benguela-Strömung aus der
Westwindtrift abbiegt, wohl erst in 6 bis 8 Monaten nach dem Auftreten von
Eisbergen im Südatlantischen Ozean erwarten, da die kalten Wassermassen un-
gefähr diesen Zeitraum gebrauchen, um vom Orte ihrer Entstehung durch die
Westwindtrift in die Benguela-Strömung zu gelangen. Wir müßten nun, wenn
tatsächlich die Eistriften auf den Temperaturgang von Einfluß sind, 6 bis
8 Monate nach dem Erscheinen von Eistriften aus dem Südlichen Eismeer in
der Benguela-Strömung eine Herabminderung der Normaltemperaturen des Ober-
HNächenwassers bemerken. .
November -Dezember 1891 wird in der Nähe des Kaps der Guten Hoffnung
Eis gesichtet, das als Vorläufer der ersten großen Eistrift erscheint, die von
April bis Ende 1892 dauert. Gleichzeitig mit diesen Eistriften geht im ganzen
Bereich der Benguela-Strömung eine überaus starke Temperaturdepression vor
sich, die bis April 1893 anhält, worauf der Temperaturgang sich einem Maximum
{IV 93 bis I 96) nähert. Es erscheint die zweite Eistrift Anfang 1894, und nach
6 Monaten bemerken wir, daß die zu dem Maximum von 1895 sich hinbewegende
Kurve plötzlich eine Störung erleidet, die sich als eine allerdings nicht lange
währende Depression (VII 98 bis X 93) darstellt; nach dieser bewegt sich der
Temperaturgang wieder aufwärts, wird aber noch einmal durch eine Depression
(III 94 bis VII 94) unterbrochen. Auch dieser geht gerade vor 6 bis 7 Monaten ein
Ausbrechen: von Eismassen (3. Eistrift) im Atlantischen Ozean voraus; es ist dies
die letzte in diesem Teil des Ozeans, mit ihr hört das Vorkommen von ausgedehnteren
Eistriften überhaupt auf, Der Temperaturgang der Strömung gestaltet sich in den
folgenden Jahren nun so, daß nach der Erreichung des Maximums von 1895 die De-
pression von 1896 folgt, an die sich, getrennt durch das Maximum von 1897, das aus-
gedehnte und intensive Minimum von 1898 anschließt. Vor allen Dingen sehen
wir bei dieser Betrachtung eines, nämlich daß Temperaturdepressionen in
der Benguela-Strömung nicht unbedingt an voraufgehende Eistriften
im Südatlantischen Ozean gebunden zu sein brauchen; dies beweisen die
ausgedehnten Depressionen der Jahre 1896 und 1898, während deren Erscheinen
kein Eis gesichtet wurde,
Können wir nun die in den Jahren 1891 bis 1894 auftretenden Kälte-
anomalien im Bereich der Strömung auf Rechnung der in diesen Jahren statt-
findenden Eisausbrüche setzen? Ist vor allem die ausgedehnte Temperatur-
depression von Januar 1892 bis Februar 1893 dem Einfluß vorausgegangener
Eistriften zuzuschreiben? Der Ausbruch der Eismassen von November - De-
zember 1891, der Vorläufer der ersten großen Eistrift, war nur vorübergehend;
die Eisberichte lassen ihn im Vergleich zu den folgenden als sehr unbedeutend
erscheinen. Der erste große Eisausbruch begann erst April 1892; diese Eistrift
könnte, wenn man den Weg ins Auge faßt, den die kalten Wassermassen zurück-
legen müssen, bestenfalls erst am Ende des Jahres ihre temperaturerniedrigende
Kraft auf die Strömung ausüben, Wir hätten dann die ausgedehnte Temperatur-
depression von 1892 allein auf Kosten des verhältnismäßig geringen Eisausbruches
von November - Dezember 1891 zu setzen, Dies erscheint aber als’ völlig aus-
geschlossen, wenn man bedenkt, daß nur das oberflächlich von den Eisbergen
abfließende Wasser zur Geltung kommt, und daß die Temperaturanomalie von
1892 die ganze Benguela-Strömung bis hinauf zum Äquator beherrscht. Außer-
dem wäre es unstatthaft, diesem unbedeutenden Ausbruch von Eismassen einen
solchen Einfluß zuzuschreiben, während wir eine derartig intensive Wirkung bei
der ersten großen Eistrift von Mai bis Dezember 1892 nicht annehmen dürften,
da sich während oder kurz nach der Zeit, zu der diese Eistrift wohl hätte wirken
können, der Temperaturgang in der Strömung wieder einem Maximum zuwendet.
Wir können es demnach als ziemlich sicher annehmen, daß die Temperatur-
depression von 1892 nicht als eine Folge des Auftretens von Eistriften im Süd-
atlantischen Ozean anzusehen ist.