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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910. 
sich in voller Mächtigkeit bis Dezember 1892. Zur Charakterisierung dieser 
ersten Eistrift, die wegen der Größe und Masse der Eisberge und ihres 
plötzlichen Auftretens in Seemannskreisen großes Aufsehen erregte, sei auf die 
ausführlichen Schilderungen der Kapitäne in den »Annalen der Hydrographie« 
hingewiesen. In den letzten Monaten zeigten die Eisberge schon Spuren be- 
ginnenden Verfalls; die große Masse scheint Ende Oktober allerdings ver- 
schwunden zu sein, jedenfalls aber nur, weil sie aus der Kap Horn-Route heraus 
nach Osten trieb, wahrscheinlich hat sie sich bis Dezember 1892 gehalten. 
Dagegen ist zwischen 55° und 47° S ein großer Nachschub erschienen, 
dessen Hauptmasse um die Mitte Januar 1893 zwischen 51° und 48° S und 
östlich von 47.5° W sich befand. Ende Mai 1893 war diese zweite große 
Eistrift mehr zerstreut, und es wurden nur noch vereinzelt Eisberge gesichtet; 
nach Mitte Juli liegen nur wenige Eisberichte aus diesem Teil des Ozeans vor. 
Im September 1893 beginnt die dritte Eistrift, und im November und 
Dezember 1893 werden Eismassen von ungeheurer Größe gemeldet. Nach den 
Berichten der Kapitäne scheint die zweite und dritte große Eistrift bedeutend 
mächtiger gewesen zu sein als die erste von April 1892 bis Dezember 1892, 
Es wurden Eisinseln und -felder von der Größe der Inseln Wight(?) und Helgoland 
gesichtet; bisweilen waren die Schiffe von allen Seiten meilenweit von Eisbergen 
umgeben, so daß die Schiffsführer nicht wußten, wie sie der Gefahr des Zusammen- 
stoßes entgehen sollten. Während der dritten großen Eistrift befand sich die 
Hauptmasse des Eises zwischen 45° und 42° S und 43° bis 35° W, also ungefähr 
an derselben Stelle, an der die Eistrift von 1892 erschien. Während aber diese, 
besonders in den späteren Monaten ihres Bestehens, eine stark nordöstliche, 
manchmal sogar fast Östliche Bewegungsrichtung gehabt hat, scheint die Be- 
wegung der dritten Eistrift eine sehr geringe gewesen zu sein, denn sowohl 
die Ausdehnung nach Osten als auch die nach Norden ist eine bedeutend kleinere 
als die während der Trift von 1892. Es haben sich die Eismassen mit geringer 
Verschiebung ungefähr an derselben Stelle gehalten. Ende Januar 1894 war die 
dritte große Eistrift im wesentlichen verschwunden, und die Route der nach 
dem Kap Horn fahrenden Schiffe blieb in den folgenden Jahren über- 
haupt eisfrei, 
Der Schauplatz des Eisvorkommens verlegte sich nach Januar 1894 aus 
dem Atlantischen in den Indischen Ozean. Da sich die Eistriften in diesem 
Meeresteil auch gelegentlich westwärts über den Meridian von Kapstadt aus- 
breiteten, muß noch kurz auf dieselben eingegangen werden. Wir haben auch 
hier drei große Eistriften zu verzeichnen, die an Mächtigkeit denen des Atlan- 
tischen Ozeans nichts nachgaben. Die erste dauerte von September 1893 bis 
April 1894, die zweite von November 1894 bis zur Mitte des Jahres 1895, die 
dritte von August 1895 bis Ende 1896. Die Hauptmasse aller drei Triften be- 
fand sich im Indischen Ozean, Während der ersten Trift war der Hauptschau- 
platz des Eisvorkommens anfänglich westlich vom Meridian von Agulhas zwischen 
4° und 15° O, also an der Wurzel der Benguela-Strömung, ging dann aber 
immer weiter nach Osten; im Dezember 1893 befand sich das meiste Eis schon 
östlich der Länge des Kaps der Guten Hoffnung. Die zweite Eistrift schob nur 
einzelne Eisberge in den Südatlantischen Ozean hinein, ihre Hauptmasse, ebenso 
wie die der dritten Eistrift, von der überhaupt keine Berge über den Meridian 
von 20° O gelangten, hielt sich zwischen 40° und 70° O. Eine genaue Dar- 
stellung der Eisverhältnisse im Indischen Ozean findet sich in den » Annalen der 
Hydrographie« 1896. Seite 14 ff. 
c. Verhalten dieser Eistriften zum Wärmegang der Benguela- 
Strömung. 
Eine Wirkung kalter Wassermassen, die infolge des Auftretens von Eis- 
bergen in die Westwindtrift gelangten und durch dieselbe in die Benguela- 
Strömung getragen wurden, müßte in einer Erniedrigung der allgemeinen 
Temperaturverhältnisse bestehen. Es brauchen nun die kalten Wassermassen 
infolge des Weges, den sie zurücklegen müssen, und der Langsamkeit der Strö- 
mung immerhin eine gewisse Zeit, ehe sie in der aus der Westwindtrift umge-
	        
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