Engeler, E.: Periodische und unperiodische Temperaturschwankungen der Benguela-Strömung. 603
systeme in der Nähe eines Eisblockes. An der Oberfläche fließt spezifisch leichtes,
kaltes Schmelzwasser vom Eisblock weg; zum Ersatz strömt in tieferen Schichten
warmes Meerwasser zum Eisberg. Dieses vermischt sich teilweise mit dem auf-
steigenden und vom Eisberg abfließenden Oberflächenstrom, teils sinkt es als
äritter Strom erkaltet zu Boden, nachdem es die zur Erhaltung des Schmelz-
prozesses nötige. Wärmemenge abgegeben hat, Von maßgebendem Einfluß für
die Temperatur des Oberflächenwassers des Meeres kann also nur das vom Eis-
berg abfließende Schmelzwasser sein, da ja das Meerwasser, das die zum Schmelzen
des Eisberges erforderliche Wärme abgibt, zu Boden sinkt und das kalte Boden-
wasser der Ozeane bildet. Diese von Pettersson physikalisch näher untersuchten
Verhältnisse gelten sowohl für den einzelnen Eisberg als auch für den Eisrand
polarer Meere.
Es fragt sich nun, ob das oberflächlich abfließende Schmelzwasser von so
durchgreifendem Einfluß auf das Meerwasser ist, daß es -die Temperatur weiter
Meeresräume erniedrigt, und ob es, wenn in den Bereich von Meeresströmungen
gelangt, deren Temperaturverhältnisse in ihrem Verlaufe wesentlich mitbestimmt.
Daß in unmittelbarer Nähe_ des Eisberges eine Temperaturerniedrigung
des Oberflächenwassers eintreten muß, geht aus den ‚vielen Beobachtungen an
Ort und Stelle hervor und ist anderseits nach den von Pettersson angestellten
Untersuchungen nicht mehr von der Hand zu weisen. . Allerdings stellt sich
diese nicht sprungweise ein und kann auch gelegentlich infolge bestimmter
Windverhältnisse unterdrückt werden, indem auf der Luvseite des Eisberges das
Schmelzwasser durch den Wind vom Berge weggedrängt wird, und auf der Lee-
seite dadurch eine kalte Wassermasse entsteht, die auf der andern Seite nicht zu
bemerken ist. Wie weit sich nun der Einfluß des Schmelzwassers erstreckt, ob
er sich nur in der Nähe der Eisberge hält oder, durch Meeresströmungen über-
tragen, auch auf weite Strecken hin sich bemerkbar macht, soll im folgenden
untersucht werden. Wir wollen sehen, ob wir die in den Jahren 1891 bis 1898
die Benguela-Strömung durchlaufenden Temperaturanomalien in irgend eine Be-
ziehung zu den Eisverhältnissen setzen können, die in diesem Zeitraum den
SZücatlantischen Ozean beherrschten.
b. Die Eistriften des Südatlantischen Ozeans in den Jahren
1891 bis 1898. “U
Der folgenden Darstellung der Eisverhältnisse im Südatlantischen Ozean
liegen die Eisberichte deutscher Schiffe, wie sie alljährlich in den »Annalen der
Hydrographie und Maritimen Meteorologie« veröffentlicht werden,!) und solche
englischer Schiffe in der englischen Fachzeitschrift: »The Nautical Magazine«,
zugrunde. Außerdem wurde noch eine Abhandlung von Russel: »Icebergs in
the Southern Ocean«, benutzt, die sich hauptsächlich auf Eismeldungen englischer
Schiffe stützt,
Eine große Eistrift aus dem Südatlantischen Ozean, die sich bis weit in
niedere Breiten erstreckte und vielen Schiffen den Untergang brachte, erschien
im Jahre 1853 und erhielt sich volle sechs Monate südwestlich von Tristan da
Cunha bis April 1854, Seitdem waren nur. noch vereinzelt Eisberge gesichtet
worden, bis plötzlich im November 1891 von vielen das Kap Horn umsegelnden
Schiffen mächtige Eismassen gemeldet wurden, die sich auf 45° bis 35° W und
40° bis 50° S hielten, also gerade im Bereich der nach der Westküste Südamerikas
fahrenden Schiffe und dann langsam nach NO in die Route der nach dem Osten
segelnden Schiffe trieben.
Im Dezember befand sich die Hauptmasse des Eises in ungefähr 0° bis
20° O. . Diese Eistrift verschwand jedoch bald wieder und war nur der Vorläufer
einer noch weit größeren, wie sie in diesen Breiten seit langem nicht gesehen
worden war.
Sie erschien im April 1892 in 40° bis 45° S und 33° bis 30° W und erhielt
1) Siehe »Ann. d. Hydr. usw.« 1893. S. 41, 154, 301. 427; 1894: 131, 430; 1896: 14; 1897:
190: 1892. 92921. 987.