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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

600 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910. 
stürmischen nördlichen Winde stark zurück. Die allgemeine Luftdruckverteilung 
zeigte das gewohnte Bild: hoher Druck über dem Innern und den nördlichen 
Küstenmeeren mit steilen Gradienten gegen den Ozean hin. Dementsprechend 
waren frische nördliche und nordwestliche Winde bei meist heiterem Himmel 
vorherrschend. Anfang und Ende des Monats gelangte Tsingtau mehrfach in 
der. Bereich ostwärts ziehender Depressionen, welche vorübergehend trübe 
Witterung sowie teilweise erhebliche Niederschläge herbeiführten und schwere, 
rechtdrehende Stürme im Gefolge hatten. Bemerkenswert für den diesjährigen 
November sind die ungewöhnlichen, um 7 bis 8m zu hohen Mittelwerte der 
registrierten Windgeschwindigkeiten. Besonders schwere Stürme, in welchen die 
Stärken 8 bis 10 der Beaufortschen Skala erreicht oder überschritten wurden, 
herrschten am 3., 23., 24. und 29. aus nördlichen, sowie vorübergehend am 28. 
aus südlichen Richtungen; an weiteren vier Tagen wurde die volle Sturmstärke 
nahezu erreicht, Der erste Sandsturm trat am 29. auf. 
Die Temperatur lag mit 9.0° im Mittel noch etwas über dem Durchschnitts- 
wert aus 10 Jahren. Das Maximum von 18.5° wurde am 1., das Minimum von 
2.4° am 29. gemessen. Die Mittelwerte der Extreme sind 12,2° und 4,7°. In 
ihrem Gange von Tag zu Tag zeigte die Temperatur häufigere, stärkere 
Schwankungen um eine in der ersten und zweiten Dekade ziemlich gleiche, in 
der letzten Dekade erheblich niedrigere Mittellage. Besondere Kälte wiesen 
namentlich die Morgenstunden des 4, 10., 11., 18., 24., 25, 29. und 30. auf, 
während sich der 3,, 15., 21. und 22, durch größere Wärme auszeichneten, Der 
größte Rückgang der Temperatur erfolgte vom 28. ab. Mehrmals waren die 
kleineren Stauweiher in den Morgenstunden von einer dünnen Eisschicht bedeckt. 
Der Frost war am Schluß des Monats an einzelnen Stellen bis 5 cm in das Erd- 
reich eingedrungen, An fünf sogenannten Wintertagen ging das Minimum der 
Temperatur unter 0° herab. Die für die Beobachtungstermine berechnete Ver- 
änderlichkeit der Temperatur erreichte ihre größten Beträge mit 4° bis 45° in 
den Morgen- und Abendstunden. 
Bei einem mittleren Grade der Bewölkung von 3.8 Zehnteln kamen 11 
heitere und 8 trübe Tage zur Auszählung, gegenüber einer mittleren Zahl von 
12.4 heiteren und 3.4 trüben Tagen aus den Beobachtungen aus 10 Jahren. An 
Sonnenschein wurden 175.9 Stunden oder 57%, der möglichen Dauer registriert. 
Der Mittelwert der relativen Feuchtigkeit der Luft betrug 68%, gegen 66%, als 
Normalwert,. 
Die Gesamtniederschlagsmenge erreichte an sieben Regentagen eine Höhe 
von 70.8 mm gegen ihren Durchschnittswert von 10.1 mm und 3.7 Tagen, An einem 
Tage, dem siebenten, stieg die gefallene Regenmenge bis zu einer Höhe von 28.1 mm. 
Herbst 1909. Im allgemeinen entsprachen die Witterungserscheinungen 
des vergangenen Herbstes den normalen Verhältnissen. Für den diesjährigen 
jedoch besonders charakteristisch waren die ungewöhnlich hohen Niederschlags- 
mengen des Oktober und November, sowie die durchschnittlich große Bewölkung 
und die hohen Windgeschwindigkeiten. Für die Entwicklung dieser Erscheinungen 
waren besonders günstig die Häufigkeit sowie die südliche Lage der Bahnen der 
aus der Gegend des Baikalsees kommenden Depressionen. Diese führten nament- 
lich im November häufige und anhaltende Stürme aus nördlichen Richtungen 
herbei, Über den Verlauf der sonstigen Witterungserscheinungen ist nichts Be- 
sonderes zu bemerken, Die Wärmeverhältnisse entsprachen fast genau den Beob- 
achtungen früherer Jahre, sie schlossen sich in der Hauptsache den vorherr- 
schenden Windrichtungen an; steigende Erwärmung bei südlichen Winden; der 
bei aufkommenden Nord- oder Nordwestwinden sofort Temperatursturz folgte, 
An 14 Tagen stieg das Maximum der Temperatur auf eine Höhe von 25° oder 
mehr. Bei einer mittleren Bewölkung von 5.3 Zehnteln kamen 17 heitere und 
25 trübe Tage zur Auszählung. An Niederschlag gingen 186.6 mm in 21 Regen- 
tagen nieder. Die langjährigen Mittelwerte sind 117.6 mm und 16.6 Tage, 
Akazien und Erlen vollendeten im September ihren Höhetrieb. Die 
Vegetationsruhe begann. Der Samen der meisten Holz- und Straucharten wie 
Pterocarye, Acer, Rhus, Koelreuteria, Castania, Quercus, Thuya und Biota war reif.
	        
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