594 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910.
Stürme traten vorübergehend auf am 8. und 28. aus südöstlichen Richtungen,
während an weiteren 5 Tagen die volle Sturmstärke nahezu erreicht wurde,
Mai 1909. Im allgemeinen herrschte über größeren Gebieten an der
Küste eine ziemlich gleichmäßige Luftdruckverteilung vor. In dem Verlaufe der
Witterungserscheinungen zeigte sich daher eine auffallende Beständigkeit. Die
Hauptmerkmale dieser ungewöhnlichen Erscheinung waren eine verhältnismäßig
große Trockenheit der Luft und außerordentliche Armut an Niederschlägen.
Vereinzelte, im Anfang und gegen Ende des Monats über Tsingtau fortziehende
Depressionen vermochten den gleichmäßigen Witterungscharakter nicht wesentlich
zu beeinflussen,
Stürmische nördliche und nordwestliche Winde, welche erhebliche Staub-
und Sandmengen mit sich führten, traten am 8., 10. und 19. im Rücken einiger
weiter im Norden vorüberziehenden Depressionen auf. Durchweg waren jedoch
mäßig frische Luftströmungen aus südöstlichen Richtungen vorherrschend,
welche nur vorübergehend am 9, 20, 22. und 28, stürmischen Charakter
annahmen.
In ihrem Gange von Tag zu Tag zeigten die Extremtemperaturen nach
anfänglichem Schwanken in der ersten Monatshälfte von da ab eine stetige Zu-
nahme. Das Maximum trat am 24. bei 29.8°, das Minimum am 4. bei 8.3° ein;
die absolute Schwankung betrug demnach 21.5°. Die mittlere Veränderlichkeit
der Temperatur, ohne Rücksicht auf die Vorzeichen der Änderung von Tag zu
Tag für die drei Termine berechnet, schwankte zwischen 2.2° morgens und 2.6°
mittags. Die Zahl der Sommertage mit Maxima von 25° und darüber betrug 4.
Die Niederschlagsverhältnisse waren, wie schon eingangs erwähnt, außer-
ordentlich ungünstige, Abgesehen von ganz geringfügigen, die Höhe von 0.3 mm
nicht übersteigenden Mengen, welche in der Nacht zum 3. niedergingen, sind
meßbare Regenmengen nicht gefallen. Diese Verhältnisse erfuhren durch die
geringe Luftfeuchtigkeit und durch das Ausbleiben der um diese Jahreszeit ge-
wöhnlich vorherrschenden Nebel während der längsten Zeit des Monats noch
eine weitere Verschärfung. Infolge der andauernden Dürre waren die Ernte-
aussichten in diesem Jahre sehr ungünstige und gaben den Nachrichten aus dem
Hinterlande zufolge zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Nebel trat in größerer
Dichte am 2, und 4, auf, leichtere Nebel herrschten ferner vorübergehend am 3,
5., 18., 30. und 31, Gewitter zogen in größerer Entfernung am 18. und 31. vor-
über, stärkere Entladungen wurden nicht beobachtet.
Die mittlere Bewölkung betrug nach der mittleren Skala 0 bis 10 4.9
Zehntel, Heitere Tage, an welchen die Bewölkung kleiner als 2 war, kamen 4,
trübe Tage mit einer Bewölkung größer als 8 kamen ebenfalls 4 zur Aufzählung.
Der Sonnenscheinautograph registrierte 239.8 Stunden Sonnenschein gleich 54.9 %/,
der möglichen Dauer.
Frühjahr 1909. Im ganzen betrachtet ist der Witterungscharakter des
vergangenen Frühlings durch außerordentliche Trockenheit der Luft und große
Niederschlagsarmut ausgezeichnet, Nach vorwiegend kalter Witterung im März,
mit häufigen Kälterückfällen, um Mitte und Ende des Monats, machte sich von
Anfang April ab rasch steigende Erwärınung fühlbar, so daß das Mittel von
9.4° noch um weniges überschritten wurde.
Die Bewölkung war nahezu normal, die Zahl der heiteren Tage betrug 13.
der trüben 22,
Die gefallenen Niederschlagsmengen erreichten eine Gesamthöhe von
81.7 mm gegen 101.6 mm als Mittelwert aus 10jährigen Beobachtungen. Ab-
gesehen von kleineren Regenmengen, welche am 2, Mai fielen und die Höhe von
0.3 mm nicht überschritten, umfaßte die längste Trockenperiode 35 Tage, und
dauerte vom 27, April bis 31, Mai.
Die Winde wehten der Jahreszeit entsprechend in frischer Stärke, über-
wiegend aus südöstlichen Richtungen.
Das Erwachen der Natur machte sich bereits im März durch Blühen von
Alnus, Corylus, Edgeworthia, Jasminum, Larix und vieler versteckt blühender
kleinerer Blümchen bemerkbar. Der Saft in den Bäumen und Sträuchern
Die Witterung und phänologischen Erscheinungen zu Tsingtau im Jahre Dez. 1908 bis Nov. 1909, 595
begann zu steigen und brachte die Knospen zum Schwellen. Im folgenden
Monat begannen die meisten Baum- und Straucharten ihre Blätter zu entfalten.
Es blühten Populus- und Ulmus-Arten, Forsythien, Daphne, Acer, weiße Magnolie,
Spiraea, Pirus- und Prunus-Arten, rote Magnolien und Wistarien. Im Mai blühten
sämtliche Obstarten, außerdem die Quercus-Arten, Cereis, Citisus, Lonicera, Caragane,
Rhus, Paulownia, die Pinus-Arten u. a, m,
Die Paarzeit der Lerchen und Wachteln begann im März, ebenfalls die
der Fasanen. Der Hase hatte gesetzt. Die Zugzeit der Wildgänse und Enten
begann. Gegen Ende des Monats zogen zahlreiche Schnepfen und Wildtauben.
Im April wurden Gelege von Wachteln und Lerchen gefunden. Die gelbe und
weiße Bachstelze trafen wieder ein. Schlangen, Eidechsen und Frösche hatten
ihre Winterquartiere verlassen. In den Iltisbergen waren im April stets Wild-
tauben zu hören und hatten wahrscheinlich auch gebrütet. Die Kiefernraupe be-
gann wieder ihr Vernichtungswerk, Die im Herbst auf der Akazie schädliche
Raupe befand sich noch im Boden unter derselben im Raupenstadium, Zahl-
reiche bunte Schmetterlinge belebten die Natur. Der Kuckuck erschien Anfang
Mai, zu derselben Zeit hielten sich einige Bekassinen auf dem Zuge vorüber-
gehend hier auf.
Juni 1909. Die Witterung stand fast andauernd unter dem Einfluß großer,
bis weit über die Küsten hin ausgebreiteter Tiefdruckgebiete, Bei vorherrschend
südöstlichen Winden und hoher Bewölkung war daher das Wetter meist kühl
und unfreundlich. Anfang und Ende des Monats gelangte Tsingtau mehrfach in
den Bereich ostwärts ziehender Depressionen, welche reichliche Niederschläge
herbeiführten und einige bemerkenswerte Gewitterstürme zur Entfaltung brachten.
So zogen sich am Abend des 29. in der näheren Umgebung der Stadt mehrere
Gewitter zusammen, welche unter ununterbrochenen Entladungen bis in die Nacht
gegen 1b 30mip andauerten und ihre größte Heftigkeit etwa um 11% 20mm er-
reichten. Zu dieser Zeit setzte eine Regenböe in Stärke 10 bis 11 von etwa
28 Minuten Dauer ein, welche in dieser kurzen Zeit eine Niederschlagsmenge
von 31.5 mm Höhe brachte. Das Geräusch des anhaltenden Donners in Ver-
bindung mit dem Sausen des Windes war ähnlich dem des Brandens hoher Seen.
Von besonderem Interesse ist auch eine an das Observatorium gelangte Mit-
teilung des chinesischen Dampfers »Sing Lee«: Am Abend des 28. Juni gegen
5b 50min befand sich der Dampfer in etwa 3 Sm Entfernung Südost von Tai-
Kung-Tau (einer etwa 10 Sm vor der Kiautschou-Bucht gelegenen kleinen 126 m
hohen Insel), als eine Hagelböe von Stärke 8 mit solcher Heftigkeit über das
Schiff hinwegging, daß der 10 Sm laufende .Dampfer sich stark überlegte und
völlig aus dem Ruder lief, Die Schloßen waren von Tauben- bis Hühnerei-
Größe. Erst nach Beendigung der Böe 6h 20min N konnte das Schiff die Fahrt
wieder aufnehmen. Um dieselbe Zeit herrschte in Tsingtau‘ bei Südostwind
Stärke 4 leichter Nebel.
Die Monatswerte der Temperatur waren kleiner, die der Bewölkung, Luft-
feuchtigkeit und des Niederschlags erheblich größer als der Mittelwert aus
10 ‚Jahren.
Die höchsten Temperaturen des Monats traten am 14, und 29. bei 26.6°,
das Minimum am 6. bei 12.0° ein, die absolute Schwankung betrug demnach 14.6°.
Die Mittel der Extreme waren 22.7° und 16.6° gegen 23.9° und 17.6° als normale
Werte. Der Mittelwert der Veränderlichkeit der Temperatur, berechnet aus den
Änderungen derselben von Tag zu Tag ohne Rücksicht auf ihre Vorzeichen, er-
reichte seinen größten Betrag von 2.3° am Mittag, den kleinsten von 1,3° in
den Morgenstunden. Die Zahl der Tage mit Temperaturen von 25° und darüber
betrug 5.
Die Bewölkung erreichte einen Grad von 6.4 Zehnteln gegen 5.7 als Mittel-
wert. Heitere Tage kamen 1, trübe 9 zur Auszählung. Sonnenschein wurden
187.9 Stunden gleich 43%, der möglichen Dauer registriert,
Der Monat war reich an Niederschlägen, ihre Gesamtmenge ergab eine
Höhe von 89.7 mm, von welchen 49.5 mm auf die Nacht-, 40.2 mm auf die Tages-