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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Die Witterung und phänologischen Erscheinungen zu Tsingtau im Jahre Dez. 1908 bis Nov. 1909. 589 
Auch in den Mittelwerten der einzelnen meteorologischen Elemente trat 
die große Abweichung des Witterungsverlaufes deutlich zutage. 
Die Mittelwerte der Temperatur lagen ganz erheblich unter den normalen 
Werten. Bei einer mittleren Tagestemperatur von 2,8°, gegen 4.5° aus den 
10jährigen Beobachtungen, hatte der Monat 16 Tage mit Temperaturen unter 0°. 
Das Maximum trat am 1. bei 11.3°, das Minimum am 16. bei —5,5° ein. Die Mittel- 
werte der Extreme waren, 6.1° und —0.5° gegen 8.2° und 1.3° als normale Werte. 
Die kälteste Periode des Monats umfaßt die zweite, die wärmste Periode die 
erste Dekade. Die aus den Änderungen der Temperatur von Tag zu Tag ohne 
Rücksicht auf Vorzeichen berechnete »Veränderlichkeit der Temperatur« für 
die drei Termine, erreichte ihren größten Wert mit 2.7° in den Morgenstunden, 
ihren kleinsten mit 1.6° mittags. 
Die Gesamt-Niederschlagsmenge erreichte eine Höhe von 14.4 mm und 
fiel an 9 Tagen. Am 14, 15, und 20. gingen die Niederschläge mit Schnee ver- 
mischt nieder, während am 11. die Gesamtmenge von 1.6 mm als Schnee fiel 
und vorübergehend eine Decke von 1.5 cm Höhe bildete. 
Die registrierten Windrichtungen verteilten sich vornehmlich auf den 
Südost- und Nordwest-Quadranten, wobei die Südost-Winde an Häufigkeit bei 
weitem überwogen. Sturmwinde (8 oder mehr der Beaufortschen Skala), wenn 
auch manchmal von kürzerer Dauer wurden registriert: am 2,, 6., 12., 16., 23,, 
24. und 25, aus nordwestlichen Richtungen; am 4., 19., 26. und 27. wurden 
ferner stürmische Winde aus südöstlichen Richtungen aufgezeichnet. 
Die Bewölkung betrug im Mittel 5.6 Zehntel. Es kamen 5 heitere und 
8 trübe Tage zur Auszählung. Der Sonnenschein-Autograph registrierte 138.2 
Stunden, gleich 37%, der möglichen Sonnenscheindauer, 
April 1909, Die Witterung war bei nahezu normalem Luftdruck, Tempe- 
ratur und Bewölkung durch hohe Windgeschwindigkeiten und große Nieder- 
schlagsarmut ausgezeichnet. 
In den ersten Tagen des Monats stand Tsingtau unter dem Einfluß einiger 
im Norden und Süden vorüberziehender Depressionen. Die Witterung war bei 
frischen südöstlichen Winden meist trübe und regnerisch, teilweise herrschte, 
namentlich unter der Küste dichter Nebel. Als mit dem 6. die Depressionen ost- 
wärts abgezogen waren, gelangte bis zum 16. eine Reihe sehr veränderlicher 
Wetterlagen zur Herrschaft. Die Witterung war in dieser Zeit bei langsam 
steigender Temperatur trocken und heiter, die Winde wehten auch jetzt in frischer 
Stärke vorwiegend aus südöstlichen Richtungen; einzelne weiter im Norden vor- 
überziehende Depressionen führten vorübergehend zu höherer Bewölkung. Eine 
größere Änderung der Witterungszustände trat mit dem 17, ein. Eine am 16. 
im oberen Tale des Yangtsekiang erschienene Depression zog in der Nacht zum 
18. südwärts vorüber und führte in Tsingtau zu kräftigen Niederschlägen. Mit 
dem weiteren Vordringen der Depression nach Osten traten am 18. und 19. vor- 
übergehend stürmische nordwestliche Winde auf, Nachdem dann bis zum 24, 
eine wenig veränderliche Druckverteilung bestanden hatte, machte sich an diesem 
Tage die Annäherung einer neuen Depression aus Westen fühlbar, Diese zog 
am 25. und 26, über Tsingtau fort und rief anfangs stürmische südöstliche, mit 
dem weiteren Fortschreiten der Depression in ihrem Rücken frische nordwest- 
liche Winde hervor. Im Gefolge dieser Depression fielen in der Nacht zum 26. 
und am folgenden Tage geringe Niederschläge. Bis zum Monatsschluß herrschten 
dann unter dem Einfluß eines nördlich von China zur Entwicklung kommenden 
Hochdruckgebietes meist schwächere nördliche Winde bei trüber Witterung vor. 
Die mittlere Temperatur des Monats erreichte eine Höhe von 10.4° gegen 
10.0° als Mittelwert, Das Maximum der Temperatur trat am 21. bei 22.2°, das 
Minimum am 5, bei 1.7° ein, Die Mittelwerte der Extreme sind 6.7° und 14.4° 
gegen 7.2° und 14.0° aus den 10jährigen Beobachtungen. In ihrem Gange von 
Tag zu Tag zeigen die Morgentemperaturen in der ersten und zweiten Dekade 
mehrfach stärkere, im letzten Monatsdrittel nur kleinere Schwankungen um eine 
wenig veränderliche Mittellage. Die ohne Rücksicht auf die Vorzeichen aus den 
Änderungen der Temperatur von Tag zu Tag berechnete mittlere Veränderlich- 
keit stellt sich für 7h V auf 2.3°, für 2h N auf 3.5° und für 9% N auf 2.9°.
	        
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