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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

388 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1910. 
geringfügig waren im vergangenen Winter die niedergegangenen Schneemengen; 
eine längere Zeit andauernde Schneedecke bedeckte nur die höheren Regionen 
des Lauschan. 
Entsprechend der winterlichen Luftdruckverteilung wehte die Mehrzahl 
aller Winde aus nördlichen Richtungen, Stürmische Winde, welche nach der 
Beaufort-Skala die Stärke 8 erreichten oder überschritten, traten zu den Zeiten 
der Terminbeobachtungen an 9 Tagen auf. 
Die Vegetation ruhte. Ende Februar begannen sich die vorgebildeten 
männlichen Kätzchen bei Alnus und Corylus weiter zu entwickeln. 
Im Januar und Februar hielten sich zahlreiche Seidenschwänze und 
Drosseln im Forstgarten auf, von denen die ersteren Ende Februar ver- 
schwanden, während die letzteren noch blieben. Das Insektenleben ruhte. Züge 
von Wildgänsen wurden noch im Dezember nach Süden und Ende Februar 
bereits nach Norden ziehend beobachtet. 
März 1909. Im Vergleich mit den Ergebnissen der meteorologischen 
Monatswerte früherer Jahre ist die Witterung des vergangenen März durch un- 
gewöhnlich niedrige Temperaturen, sowie durch große Trockenheit der Luft und 
hohe Windgeschwindigkeiten ausgezeichnet. Häufige, den Kontinent in östlichen 
und südöstlichen Richtungen durchziehende Depressionen wechselten die Herr- 
schaft mit in ihrem Rücken nachdrängenden Hochdruckgebieten, Entsprechend 
dem durch die Unbeständigkeit der Wetterlagen bedingten Wechsel von kalten 
und warmen Luftströmungen, zeigte das Thermometer ein fortwährendes 
Schwanken zwischen Steigen und Fallen der Temperatur. 
Im einzelnen betrachtet, wies die Wetterlage in den Tagen vom 1. bis 4. 
ein Gebiet hohen Luftdruckes über dem mittleren, sowie zwei einander folgende 
Depressionen mit südöstlicher Fortbewegung im nördlichen China auf. Bei vor- 
wiegend frischen südöstlichen Winden herrschte durchweg mildes heiteres 
Wetter vor, Nur am Vormittag des 2. trat im Rücken der in größerer Nähe 
passierenden vordersten Depression heftiger Nordwest-Sturm auf, durch den die 
Temperatur niedergehalten wurde. Die folgenden Tage brachten den Vorüber- 
gang einer neuen, aus Westen kommenden Depression, sowie eines im Rücken 
derselben nachdrängenden Hochdruckgebietes, Nach anfänglichem Steigen der 
Temperatur, bei frischen südöstlichen Winden, setzte mit dem Aufkommen 
stärkerer nordwestlicher Winde gegen Mittag des 5. sofort wieder Temperatur- 
sturz ein, Auch diese Verhältnisse waren jedoch nur von kurzer Dauer; bereits 
am 7. machte sich die Annäherung eines weiteren Tiefdruckgebietes, welches 
sich in den folgenden Tagen über das untere Tal des Yangtsekiang und über 
den südlichen Teil des Gelben Meeres ausbreitete, fühlbar. Leichte bis frische 
südöstliche Winde und milde Witterung waren bis zum 11. vorherrschend; 
einzelne, weiter nordwärts dringende Ausläufer führten am 9. und in der Nacht 
zum 12, geringfügige Niederschläge herbei, welche teilweise in Schneeform 
fielen. Nachdem auch diese Minima ostwärts abgezogen waren, kam Tsingtau 
bis zum 22, fast anhaltend in den Bereich hohen Luftdruckes, oder in die Grenz- 
gebiete zwischen hohem und niedrigem Druck. In Wechselwirkung zwischen den 
südwärts vorüberziehenden Depressionen und dem von Norden her vordringenden 
Hochädruckgebiet entwickelte sich am 12. anhaltender Nordwest-Sturm, während 
in den nachfolgenden Tagen häufigere Änderungen der Windrichtungen auf- 
traten. Die Witterung war in dieser Zeit bei meist bedecktem Himmel kühl, 
die Nachttemperaturen außerordentlich niedrig. An einigen Tagen, so am 15. 
und 20. fielen im Gefolge flacher Ausläufer von Depressionen, die vorüber- 
gehenden Einfluß auf die Witterungszustände gewannen, schwache Niederschläge. 
Eine durchgreifendere Änderung der Wetterlage führte eine am 22, aus dem 
oberen Yangtse-Tal rasch ostwärts ziehende Depression in Verbindung mit einem 
nachdrängenden Gebiet höheren Luftdruckes herbei. Eine Reihe stürmischer 
Tage mit niedrigen Temperaturen und mäßigen Niederschlägen im Gefolge der 
Depression umfaßten die Tage bis zum 25. Bis Ende des Monats lag Tsingtau 
noch im Bereich des Luftdruck-Maximums, die Winde holten am 26. mit dem 
weiteren Fortschreiten der Depression auf südöstliche Richtungen und steigende 
Erwärmung machte sich in den letzten Tagen geltend.
	        
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