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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

Ann. d, Hydr. usw., XXXVHT. Jahrg. (1910), Heft XI. 
A325 
Die Witterung und die phänologischen Erscheinungen zu Tsingtau in dem 
Jahre vom Dezember 1908 bis zum November 1909. 
Gemäß den Berichten des Kaiserlichen Observatoriums zu Tsingtau 
und des Forstamtes des Gourvrernements Kiautschou. 
Die Tabellen geben eine Zusammenstellung der meteorologischen Beob- 
achtungen von Tsingtau für die Monatsdrittel, die ganzen Monate, die Jahreszeiten 
und das ganze Jahr vom Dezember 1908 bis November 1909. (Die Berechnung 
der »Allgemeinen Luftbewegung« für die einzelnen Zeitabschnitte ist unter Zu- 
yrundelegung der Windbeobachtungen an den drei Terminen eines jedes Tages 
— vgl. »Ann. d. Hydr.« 1900, S. 63 — auf der Deutschen Seewarte eingefügt 
worden, desgl. der Bericht über das Jahr.) 
Dezember 1908. Die Witterung war bei meist heiterem Himmel und 
vorwiegend nordwestlichen Luftströmungen durchweg sehr milde. Fast während 
des ganzen Monats lag Tsingtau im Bereich hohen Luftdruckes, welcher in dieser 
Jahreszeit über dem Innern des Kontinents lagert und seine Herrschaft bis zur 
Küste hin erstreckt. Die Grenze dieses Hochdruckgebiets erfuhr beim Vorüber- 
ziehen einzelner Depressionen im hohen Norden mehrfach Verschiebungen, wo- 
durch Tsingtau in den Tagen vom 1. bis 14, zeitweise in die Grenzgebiete zwischen 
hohem und niederem Druck gelangte. Wenn auch entsprechend den geringen 
Druckdifferenzen die Luftbewegung in diesen Tagen meist nur mäßig war, so 
war doch ihre Richtung von großem Einfluß auf die jeweiligen Wärmeverhältnisse. 
Unter der Herrschaft der südlichen Winde, welche in den Tagen vom 3, bis 6. 
sowie am 13. und am Vormittag des 14, zur Geltung gelangten, blieb die 
Temperatur stets über 0°, das Maximum derselben sogar mehrfach über 10°. 
Erhebliche Temperaturrückgänge traten jedoch mit dem Umholen des Windes 
auf nordwestliche Richtungen ein, Am 16, kam Tsingtau in den Bereich einer 
von Nordwesten nach Südosten fortziehenden Depression, welche geringe Nieder- 
schläge brachte und in ihrem Rücken am 17. stürmische nordwestliche Winde 
herbeiführte. In den höheren Regionen des Lauschan-Gebirges gingen die Nieder- 
schläge in Schneeform nieder, welcher hier eine andauernde Decke bildete, die selbst 
einzelnen wärmeren Tagen mit südöstlichen Winden standzuhalten vermochte. 
Die nachfolgende kalte, trockene Witterung machte am 20. einer neuen Änderung 
Raum; eine zweite Depression, welche aus westlicher Richtung heranzog, ver- 
ursachte an diesem und dem folgenden Tage frische südöstliche Winde, unter 
deren Einfluß eine vorübergehende Temperatursteigerung eintrat; dabei fielen 
in der Nacht zum 22. geringe Niederschläge. Mit dem weiteren Fortschreiten 
der Depression in östlicher Richtung traten in Tsingtau stürmische Winde aus 
Westen und Nordwesten auf, welche einen erneuten Rückgang der Temperaturen 
herbeiführten. Bis zum Monatsschluß war dann die Luftdruckverteilung wenig 
verändert, leichte Winde aus vorwiegend nördlichen Richtungen bei niedriger 
Temperatur waren demzufolge vorherrschend, Stürmische Winde traten noch 
einmal am 30. und 31. aus nordwestlicher Richtung auf, als eine flache De- 
pression von einem rasch nachdrängenden hohen Maximum ostwärts gedrängt 
wurde; an diesen beiden Tagen erreichte die Temperatur den niedrigsten Stand 
des Monats. 
Auch in den Monatswerten kommt die große Milde des vergangenen De- 
zember zum Ausdruck, Die Mitteltemperaturen der einzelnen Termine lagen er- 
heblich über den normalen Werten. In ihrem Gang von Tag zu Tag zeigten 
die Temperaturen erhebliche Schwankungen; wenn auch die Minimaltemperaturen 
niemals auf ungewöhnliche Kältegrade herabgingen, so machte sich doch nament- 
lich in den Morgenstunden der Wechsel’von warmen zu kalten Tagen durch die 
großen Temperaturdifferenzen unangenehm fühlbar, An einzelnen Tagen er- 
reichte diese Abkühlung erhebliche Beträge, so ging vom Morgen des 6. zum 
Morgen des 7. die Temperatur um 10.7° zurück, an weiteren zwei Tagen waren 
Differenzen von mehr als 8° zu verzeichnen. Demgegenüber sind vereinzelte 
Ann. d. Hydr, usw... 1910. Heft XI.
	        
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