584 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1910.
der 14, Sie wehten fast ausnahmslos aus westlichen Richtungen; nur vereinzelt
überstiegen sie die Stärke 8 nach der Beaufortskala. Heitere Tage waren selten;
nur der 9, 10., 14., 15. und 16. brachten einem größeren Teile des Küstengebiets
heiteres Wetter. Sehr selten trat Nebel auf, nämlich nur ganz vereinzelt am 3.
und 31. Gewitter fanden in einiger Verbreitung mehrfach, nämlich am 2,, 3,
19. und am 24, bis 27,, statt.
Was die Witterungsverhältnisse im einzelnen betrifft, so lag das deutsche
Küstengebiet mit wenigen Ausnahmen im Bereich von barometrischen Tiefdruck-
gebieten; nur vom 14, bis 16. sowie vom 28, bis 30, herrschte die antizyklonale
Wetterlage vor.
Vom 1. bis 3. lag die deutsche Küste im Bereich eines Depressionsgebietes,
das sich zwischen einem Hochdruckgebiet über Nordost- und über Südwest-
auropa von den Britischen Inseln bis nach Osteuropa erstreckte, Der Luftdruck
war sehr gleichmäßig verteilt und die Witterung meist ruhig, regnerisch und im
Osten warm, während im Westen die Temperaturen nahezu normal blieben. Am 4,
stellte sich über Deutschland eine aus dem Süden stammende, flache Depression
ein, die für das deutsche Küstengebiet insofern größere Bedeutung gewann, als
sie von außerordentlich starken, bereits oben erwähnten Regenfällen begleitet
war. In Keitum betrug die Regenmenge dieses Tages mit 88 mm mehr als die
Hälfte des Normalbetrages des ganzen Monats, die 160 mm ausmacht. Die
Temperaturen nahmen überall etwas ab. Am folgenden Tage vertiefte sich die
Depression und zog nach der Nordsee, wobei die Niederschläge fast überall auf-
hörten. Am 6. verflachte sie sich wieder und trat mit einem neuen südeuropäischen
Minimum in Verbindung, das am 7. unter Vertiefung bis an die Ostsee vor-
rückte, während das alte Minimum als Ausläufer wieder in den Kontinent vor-
drang. Am 9. und 10. begann dieses Depressionsgebiet sich ostwärts zurück-
zuziehen; der Himmel klarte auf und die Temperaturen stiegen am 10. wieder
etwas; sie lagen an diesem Tage meist etwas über der normalen. Bei dem
weiteren Abzug der Depression am 11. und 12, rückte hoher Luftdruck von Süd-
westeuropa nach; aber ein von den Britischen Inseln her schnell herannahendes
Tiefdruckgebiet führte am 12. wieder sehr ergiebige Regenfälle herbei. Beim
Abzuge dieses Tiefdruckgebiets nach Osten, wobei der Wind stark auffrischte,
ließen am 13. die Niederschläge im Westen nach und hörten am 14, bis auf den
äußersten Osten, wo auch der stürmische Wind noch anhielt, ganz auf, da ein
nachrückendes Hochdruckgebiet das ganze Küstengebiet, mit Ausnahme des
äußersten Ostens, bedeckte. Auch am 15, blieb diese Wetterlage bestehen.
Am 16. bereitete sich ein Übergang zur ozeanisch-zyklonalen Wetterlage
vor; hoher Luftdruck stellte sich über Süd- und Südwesteuropa ein und vom
Nordwesten her zogen in ununterbrochener Reihenfolge Depressionen im Norden
vorüber. Hiervon gewann zunächst am 17, ein kleines, die Östliche Ostsee be-
deckendes Minimum größere Bedeutung; es rief im äußersten Osten stürmische
westliche Winde hervor. Auch die Depression, welche am 19. und 20, von den
Britischen Inseln her schnell ostwärts vorüberzog, hatte im ganzen deutschen
Küstengebiet vielfach stürmische südwestliche Winde im Gefolge. Das bis zum
Monatsschluß andauernde regnerische Wetter erfuhr nur am 28. eine Unter-
brechung, wo sich über dem Kontinent ein Hochdruckgebiet einstellte, das stellen-
weise Aufklaren des Himmels zur Folge hatte. Es zog am folgenden Tage ost-
wärts ab; aber ein neues Tiefdruckgebiet folgte vom Westen her, das erneute
Niederschläge brachte, Die Temperaturen hielten sich andauernd nahe der nor-
malen; stärkere Abweichungen traten an keinem Tage hervor.
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