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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 38 (1910)

572 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1910. 
südöstlich, wobei er bis Stärke 8 zunahm. Blitze im Osten und schwere Regen- 
böen hielten bis zum 10. Oktober an, erst nachdem am 11. Oktober der Wind 
allmählich auf SSW geholt hatte, trat bei nun steigendem Luftdruck wieder 
gutes Wetter ein. 
Nach dem internationalen Dekadenbericht hat sich der Orkan, als er den 
Providence-Kanal passiert hatte, zunächst nach Nordosten fortbewegt;. denn am 
13. Oktober lagert noch ein Minimum über 40° N-Br. und 70° W-Lg., das am 
nächsten Tage zwischen den beiden Hochdruckgebieten nicht mehr zu erkennen 
ist. Hier hat demnach ein Abbiegen der Bahn in einer Richtung, die etwas süd- 
licher als Ost fällt, stattgefunden, was als ganz außergewöhnlich betrachtet werden 
muß, weil die Zugstraßen der aus den Tropenzonen stammenden Wirbelstürme 
im Atlantischen Ozean stets in nördlicher und nordöstlicher Richtung zu ver- 
laufen pflegen. Nach den Synoptischen Wetterkarten läßt sich die Bahn der 
Depression bis etwa 32° N-Br. und 52° W-Lg. verfolgen, wo sie verschwunden zu 
sein scheint. Für die obigen Ausführungen sprechen folgende Beobachtungen: 
Der D, »Corrientes«, Kapt. Scharfe, der sich auf einer Reise von New York 
nach Barbados am 183. Oktober mittags 12% in 28.1° N-Br. und 67.1° W-Lg. be- 
fand, hatte vormittags bis 8h SW 10, und der tiefste Barometerstand war um 
4b V 758.4 mm... Hohe gewaltige See und heftige Böen mit starkem Regen hielten 
bis nachmittags an, wo um 4% ein rasches Abflauen des Windes erfolgte und 
um 7h das Wetter abklarte. 
Der D. »Dania«, Kapt. Bonath, der am 14. Oktober 0* V in ungefähr 
30° N-Br. und 63° W-Lg. stand, verzeichnet im meteorologischen Tagebuche lange 
und hohe westliche Dünung und zwischen 1b bis 4% V ein Umlaufen des Windes 
von West nach Nord 4. Am Nachmittage vorher hatte bei einem Barometer- 
stande von 761.0 mm SW 7/8 geweht, der Himmel war stark bedeckt und es 
war böiges Wetter gewesen. Wendling. 
2. Bemerkenswerter Taifun im Gelben Meere vom 17. bis 21. Juli 1910. 
(Hierzu Tafel 45.) 
Im Nachstehenden ist der Verlauf eines Taifuns wiedergegeben, der wegen 
der Lage seiner Bahn und der Zeit seines Auftretens einiges Interesse bean- 
spruchen dürfte. 
Die sämtlichen Angaben beruhen auf vom Observatorium Tsingtau täglich 
für 6 Uhr morgens gezeichneten Wetterkarten, welche nach Telegrammen von den 
Japanischen Inseln, von Korea und verschiedenen Orten an der chinesischen 
Küste entworfen sind, 
Über den Ursprung der Cyklone lassen sich wegen des dürftig vorliegen- 
den Materials, sowie wegen des Fehlens jeglicher Nachrichten aus dem Gebiet 
östlich und nordöstlich der Philippinen keine Angaben machen. Vermutlich liegt 
derselbe in dem Gebiet zwischen den Bonin-Inseln, den Liu-Kiu und den 
Philippinen, 
Nachdem am 16. Juli das Auftreten nördlicher Winde und fallendes Baro- 
meter auf den südlichsten der Liu-Kiu und auf Formosa das Vorhandensein einer 
atmosphärischen Störung in der Gegend südöstlich von Formosa vermuten lassen, zeigt 
sich die Cyklone am Morgen des 17. bereits in etwa 90 Sm östlich von Formosa. 
Sie zieht an diesem Tage mit nordwestlicher Fortbewegung über den nördlichen 
Teil der Insel fort und steht am nächsten Morgen nahe der Küste in der Gegend 
von Yung-Yung. Nach dem Erreichen des Festlandes nimmt sie eine nördliche 
Fortpflanzungs-Richtung auf, steht am Morgen des 19. NW von Shanghai, biegt 
im Laufe des Tages unter größerer Beschleunigung weiter nach NO um, passiert 
etwa 3 Uhr nachmittags Tsingtau in etwa 100 Sm in SO und steht am folgenden 
Morgen im nördlichen Korea, in der Gegend zwischen Chemurupo (Chemulpo) und 
Gensan. In ihrem weiteren Verlaufe zieht sie entlang der Küste Mandschuriens 
und kreuzt am Vormittag des 21. die La Perouse-Straße und den südlichsten Teil 
Sachalins, von wo ab sie aus dem Erkennungsbereich des Observatoriums ver- 
schwindet. 
Aus dem Gesagten ergibt sich eine parabolische Form der Bahn, wobei 
die hohe Breite des Schnittpunktes des unteren ansteigenden Astes mit dem
	        
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